Dienstag, 26.05.2020

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Kommentar: Bomben gegen Nazi-Terror – Relativieren ja, aber bitte richtig

Kein Vergleich ist geeignet, um die Untaten der Nationalsozialisten zu verharmlosen - 23.02.2020 18:05 Uhr

An der Gedenktafel in der Bahnsteigunterführung des Treuchtlinger Bahnhofs erinnerten Stadt und Kirchen am 75. Jahrestag an die rund 600 Opfer des Bombenangriffs 23. Februar 1945. © Patrick Shaw


Am Wochenende haben wir über die verheerenden Bombenangriffe vom Frühjahr 1945 auf Treuchtlingen berichtet. Bewusst haben wir uns dabei auf das Leid vor Ort konzentriert, zugleich aber ausdrücklich von einem Angriff auf die Infrastruktur des "verbrecherischen (Nazi-)Regimes" gesprochen. Liest man die Kommentarspalten in den Sozialen Medien, so scheint manchen dieser zwingende Zusammenhang jedoch abhanden gekommen zu sein. Von "Bombenterror" der Alliierten ist da zu lesen, von einer "Geschichtsschreibung der Sieger" und von "gleichen Mitteln" wie die der Nazis. Dazu sagen wir ganz klar: Nein!

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Zu relativieren ist nichts Falsches. Es irritiert sogar eher, dass dieser Begriff zunehmend negativ belegt zu sein scheint. Dinge zueinander ins Verhältnis zu setzen, ist essenziell für jeden gesellschaftlichen Diskurs. So ist beispielsweise ein Hartz-IV-Empfänger im Vergleich zu hiesigen Gutverdienern relativ arm, im Vergleich zur Mehrzahl der Menschen in Zentralafrika aber verhältnismäßig reich. Diesen Unterschied zu machen, ist wichtig. Problematisch wird es aber, wenn man das eine zur Rechtfertigung des anderen heranzieht.


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Genau deshalb verbietet es sich, die Kriegsverbrechen, die die Alliierten durchaus begangen haben, mit dem beispiellosen Terror Nazi-Deutschlands gleichzusetzen. Militärische Luftschläge, denen auch (!) Zivilisten zum Opfer fielen, sind eben nicht vergleichbar mit der "verbrannten Erde", die Wehrmacht und SS in Osteuropa hinterließen, und erst recht nicht mit dem systematischen Massenmord an rund 13 Millionen Juden, Gefangenen, Andersdenkenden und Menschen mit anderer Ethnie oder Behinderung.

Der Bombenopfer darf gedacht werden. Und auch Kritik an jeglicher Gewalt gegen die Zivilbevölkerung ist berechtigt. Umstände und Dimension jedoch nicht in Relation zu setzen, verkehrt Ursache und Wirkung. Es verharmlost die Gründe für Leid und Tod der Opfer, die über herkömmliche, leider bis heute verbreitete Kriegsverbrechen weit hinausgehen. Es ist geschichtsvergessen und angesichts des neuerlichen Erstarkens neofaschistischer Ideen brandgefährlich.

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