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Kommunalwahl 2020: Das sind die Treuchtlinger CSU-Kandidaten

Die Christsozialen haben sich verjüngt und wirken siegessicher - nur an Frauen fehlt es - 02.12.2019 06:04 Uhr

Gruppenbild mit Dame: Die Stadtratskandidaten der Treuchtlinger CSU (stehend, von links) Matthias Strauß, Stefan Biber, Christoph Pfoser, Stefan Lechner, Peter Löw, Katja Schmid, Tim Schelenz, Michael Hampel, Alexander Roßkopf, Jürgen Bärnthol, Johannes Stadelbauer, Manfred Gagsteiger, Karl Heckl, Martin Halbmeyer, Werner Degen und Slim Mtaallah sowie (sitzend) Frank Johanni, Kristina Becker, Uwe Linss und Philipp Walther. Nicht im Bild: Wolfgang Herrmann, Elke Philipp, Kerstin Schöner und Kevin Pascher. © Patrick Shaw


Locker und zu Späßen aufgelegt, ja fast schon siegesgewiss, wirkte die Stimmung im Wettelsheimer Geißelmeier-Saal, wo die Treuchtlinger CSU am Freitag vor dem ersten Advent – zeitgleich mit der SPD – ihre Bewerber für die Stadtratswahl am 15. März 2020 nominierte. Im Mittelpunkt standen die Listenkandidaten, Bürgermeisterkandidatin Kristina Becker blieb im Hintergrund.

"Mehr Kommunikation und mehr Fakten statt Entscheidungen im stillen Kämmerlein", forderte die Bubenheimerin lediglich und warb kurz für das Ziel, "Bad Treuchtlingen" zu werden. Und auch Ortsvorsitzender Uwe Linss beließ es in Sachen gemeinsame Linie bei einem Satz: "Wir wollen einiges verändern!"


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24 potenzielle Sitze gilt es im Stadtrat zu besetzen. Das war laut Linss nicht leicht. "Alle reden über Politik, aber keiner will etwas tun", pflichtete ihm Christoph Pfoser bei. Dennoch ist das CSU-Team mit einem Durchschnittsalter von 45 Jahren relativ jung – der älteste Kandidat ist Altbürgermeister Wolfgang Herrmann mit 70, der jüngste Tim Schelenz mit (noch) 17 Jahren. "Frauenpower" findet sich neben Becker indes kaum: Gerade einmal vier der 24 Bewerber sind weiblich. Hoch ist dagegen der Anteil aus den Ortsteilen: Zwei Drittel der Kandidaten kommen von dort und forderten unisono mehr Gehör für die "schon arg vernachlässigten Treuchtlinger Dörfer".

Sechs der acht amtierenden Stadtratsmitglieder treten wieder an, nur Richard Zäh und Marco Satzinger machen nicht weiter – ersterer aus gesundheitlichen und letzterer aus beruflichen Gründen. Sowohl die Bewerber als auch deren Reihenfolge auf der Liste segneten die 39 Wahlberechtigten unter der Leitung von Henrik Ochsenkühn einstimmig ab.

Von flapsig bis forsch

Die Vorstellungsrunde fiel recht abwechslungsreich aus. Am kürzesten machte es Gundelsheims Ortssprecher Karl Heckl: "Mir gefällt, dass unsere beiden Partnerstädte Ponsacco und Bonyhad hübsche Bürgermeisterinnen haben, aber ab dem 1. Mai haben wir eine hübschere", warb er für Kristina Becker. Er selbst ist in der Altmühlstadt ohnehin bekannt wie ein bunter Hund.

Bürgermeisterkandidatin Kristina Becker und Ortsvorsitzender Uwe Linss führten durch die Nominierungsversammlung der Treuchtlinger CSU, hielten sich aber mit eigenen politischen Aussagen stark zurück. © Patrick Shaw


Politischer wurde es bei Altbürgermeister Herrmann, der vom letzten Listenplatz ins Rennen startet. Ihm zufolge wird derzeit "nur noch über den Amtsinhaber geschimpft", weshalb er überzeugt sei, "dass wir diesmal eine Kandidatin haben, die durchaus eine große Chance hat". Kristina Becker habe "eine beeindruckende wissenschaftliche Karriere hinter sich, aber nie die Bodenhaftung verloren. Die Bubenheimer lieben sie regelrecht", so Herrmann.

Ein Forderung, die sich wie ein roter Faden durch den Abend zog, war die nach mehr Transparenz. Er kandidiere, "damit ein anderer Stil im Rathaus Einzug hält", erklärte Möhrens Ortssprecher Stefan Biber. Er wolle er nicht "nur dasitzen und zuhören, wie das Geld verplempert wird". Etwas versöhnlicher klang das mit 51 Jahren jüngste amtierende CSU-Ratsmitglied Matthias Strauß. Er vertritt als Wettelsheimer Ortssprecher knapp jeden achten Treuchtlinger Wähler und plädierte für "mehr Kompromissbereitschaft".

Zwei "Überläufer"

Interessant ist, dass mit Johannes Stadelbauer und Stefan Lechner zwei Bewerber auf der Liste stehen, die zuletzt für andere Parteien antraten: Lechner für die TBL und Stadelbauer für die JGB. Letzterer begründete den Wechsel damit, dass er "mit vielen Vorgängen und der Transparenz nicht einverstanden" sei. Und auch Nebenerwerbslandwirt Martin Halbmeier räumte ein, neben dem schwarzen ein "grünes Herz" zu haben – so wie ihm zufolge viele Bauern, deren Anliegen er vertreten wolle.

Ein weiteres wichtiges Thema der Christsozialen ist der Verkehr, dessen Planung laut Fraktionschef Uwe Linss "relativ lang und falsch diskutiert wurde". Er plädierte ebenso wie Katja Schmid für eine "ortsnahe Umgehung", während Frank Johanni Treuchtlingens Rolle als Bahnknoten für unterbewertet hält.

Überraschungen auf der Liste sind der aktuell erst 17-jährige Tim Schelenz und der stadtbekannte Hausarzt Dr. Peter Löw. "Jetzt hab ich mich breitschlagen lassen", stellte dieser fest. Eine "Steilvorlage" sei für ihn die bisher zu zögerliche Entwicklung Treuchtlingens zur "Gesundheitsstadt" gewesen. "Ich war von Beginn an beim Ziel ,Bad Treuchtlingen’ dabei, und es ist höchste Zeit, dass ich mal mitreden kann", so Löw.

Ein bisschen nach einem Alibikandidaten mit Migrationshintergrund sieht schließlich die Nominierung des aus Tunesien stammenden, aber kaum bekannten Slim Mtaallah aus. Der 43-Jährige arbeitet seit elf Jahren als Brandschutzexperte in Geislohe und möchte seiner neuen Heimat nach eigenen Worten "etwas zurückgeben". Mit der Feststellung, Treuchtlingen sei "ein richtig schönes Dorf", hatte er die Lacher auf seiner Seite.

Die Stadtratskandidaten der Treuchtlinger CSU:

1. Dr. Dr. Kristina Becker, 53, Ärztin, Patentanwältin, Bubenheim

2. Uwe Linss, 54, Kfz-Schlossermeister

3. Katja Schmid, 45, Industriekauffrau, Möhren

4. Matthias Strauß, 51, Sparkassenbetriebswirt, Wettelsheim

5. Alexander Roßkopf, 39, Bilanzbuchhalter, Schambach

6. Stefan Biber, 57, Bankkaufmann, Möhren

7. Dr. Peter Löw, 53, Hausarzt, Wettelsheim

8. Karl Heckl, 55, Busfahrer, Außendienst, Gundelsheim

9. Christoph Pfoser, 47, Rechtsanwalt

10. Frank Johanni, 34, Qualitätsingenieur, Bubenheim

11. Philipp Walther, 41, Steuerberater, Bubenheim

12. Stefan Lechner, 48, Sanitärinstallateur

13. Tim Schelenz, 17, Auszubildender, Wettelsheim

14. Martin Halbmeyer, 50, Maschinenbautechniker, Landwirt, Graben

15. Kerstin Schöner, 33, Finanzwirtin

16. Michael Hampel, 22, BWL-Student, Wettelsheim

17. Johannes Stadelbauer, 36, Techniker, Verwaltungsinformatiker

18. Elke Philipp, 55, Medizinisch-technische Laborassistentin

19. Werner Degen, 58, Kälteanlagenbauer, Möhren

20. Slim Mtaallah, 43, Brandschutz-Sachkundiger

21. Jürgen Bärnthol, 50, Kfz-Schlosser, Auernheim

22. Kevin Pascher, 27, IT-Projektmanager, Wettelsheim

23. Manfred Gagsteiger, 44, Zimmermeister, Landwirt, Dietfurt

24. Wolfgang Herrmann, 70, Verwaltungsfachwirt, Altbürgermeister

Die Ersatzkandidaten:

25. Andreas Herter, 43, Maurer, Stahlbetonbauer

26. Thomas Becker, 54, Kieferchirurg, Bubenheim

Mehr über die Treuchtlinger CSU-Stadtratskandidaten gibt es hier.

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