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Donnerstag, 06.08.2020

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Letzter Transport vom Treuchtlinger Krankenhaus in die Ukraine

Verein "Hope - we help children" unterstützt Kinderkliniken in Osteuropa - 30.07.2020 05:57 Uhr

Alte Möbel aus dem ehemaligen Treuchtlinger Stadtkrankenhaus werden in einen Lastwagen geladen und kommen in die Ukraine.

© Benjamin Huck


Mit dem Treuchtlinger Stadtkrankenhaus hat die Hilfsorganisation "Hope – we help children" in der vergangenen 13 Monaten zum ersten Mal ein ganzes Krankenhaus ausgeräumt. Der Verein organisiert Transporte von Krankenhausbetten, Möbeln und Geräten in andere Länder, vor allem nach Osteuropa. Was bei uns als abgenutzt gilt, ist dort gern gesehen. Nun ist zum letzten Mal ein Lastwagen mit Gegenständen von aus Treuchtlingen in die Ukraine gefahren.

Die Möbel kommen in Krankenhäuser für Kinder und Veteranen in dem Land, in dem seit 2014 ein Krieg herrscht. Der Verein legt Wert darauf, dass Kliniken das Material erhalten, die bislang nicht gut ausgestattet sind. Die Verantwortlichen überprüfen bei regelmäßigen Besuchen in der Ukraine, ob die Möbel auch angekommen sind und nicht verkauft wurden, damit sich jemand bereichert, erzählt die stellvertretende Vorsitzende Liliane Streb.

Die aktuellen Reisebeschränkungen im Zuge der Corona-Pandemie sorgen bei dem Transport nicht für Probleme. Doch manchmal muss die Ware beim Zoll in der Ukraine warten, da sie als Hilfsgut angemeldet ist, berichtet Streb. Die letzte Fuhre aus Treuchtlingen bestand auch Betten, Rollstühlen, Badewannen, Spinden und noch brauchbarem medizinischen Material.

Für das Treuchtlinger Stadtkrankenhaus geht es nun endgültig zu Ende. Bis Ende Juli muss das Gebäude leer sein und wird dann an des Abbruchunternehmen übergeben. Der Verein Hope hat kann bald wohl das nächste Krankenhaus abwickeln. Eine Klinik in Baden-Württemberg hatte sich bei der Hilfsorganisation gemeldet.

Zum Abschluss der Treuchtlinger Aktion ließ der Verein bei einem Helferfest im Raitenbucher Gasthaus "Flierler" das Geschehen Revue passieren. Die Bilanz, die Liliane Streb (für Finanzen und Mitgliederbetreuung zuständig) bei der kleinen Feierlichkeit präsentieren konnte, ist beeindruckend: Acht Lastwagen-Ladungen mit insgesamt 50 Tonnen an Waren. Um sie zusammenzustellen, war ein Helferteam von 30 Personen bei fast 40 Aktionen im Einsatz und brachte es so insgesamt auf 800 ehrenamtliche Arbeitsstunden. Im Durchschnitt traf man sich einmal jede Woche, um gemeinsam die großen Pakete zu schnüren.

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Auch die Corona-Zwangspause von März bis Juni ließ die Motivation nicht erlahmen. Denn danach ging es mit gleichem Elan weiter. Es ist unglaublich, was da alles in den Bäuchen der Laster verschwand: "Fast 200 Betten mit Nachtkästchen, über 600 Kartons mit Bettwäsche, Ärztebekleidung und Verbrauchsutensilien. Dazu unzählige Roll- und Toilettenstühle, Spinde, Badewannen, Lifter, Handläufe, Stations- und Putzwägen, Tische, Stühle und vieles mehr. Beliefert wurden vier Kliniken, ein Kinder Camp, ein Kinderhospiz und ein Waisenhaus", berichtete Streb.

Lob für die Helfer

"Nur mit Euch konnten wir das alles stemmen!" Erklang ihr Lob für die engagierten Helfer. Und den Beweis, dass der Einsatz für das Gemeinwohl auch dem persönlichen Glück recht förderlich ist, lieferte sie gleich hinterher. Im Rahmen der Vereinsarbeit haben sich nämlich im Vorstand selbst zwei Paare zum jeweiligen Eheglück zusammengefunden. Liliane heiratete ihren Joachim, der Vizevorsitzende Daniel Schmidt seine Marion. Diese beiden sorgten übrigens mit dem viermonatigen Niklas schon für "das jüngste Vereinsmitglied", so der Vater verschmitzt.

Fehlt noch der Chef selbst in der Runde: der in Wangen beheimatete Wolfgang Ponto. Der Vorsitzende ließ es sich nicht nehmen, eigens zum Helferfest aus dem Allgäu anzureisen: "Es ist mir eine große Ehre hier zu sein. Denn was Ihr geschafft habt, ist etwas ganz Besonderes!" Denn dass ein solch starkes Team Einheimischer über einen so langen Zeitraum anpackt, habe absoluten Seltenheitswert: In der Form wie hier "habe ich das noch nie erlebt!"

Vereinsvize Daniel Schmidt überreichte der Kassenverwalterin und Mitgliederbetreuerin Liliane Streb einen Blumenstrauß für die Verdienste rund um die 13-monatige Aktion am ehemaligen Treuchtlinger Krankenhaus, für welche der Vorsitzende Wolfgang Ponto (von rechts) voll des Lobes war.

© Jürgen Leykamm


Oft seien bei ähnlichen Aktionen Mitstreiter eigens aus der Ukraine gekommen, um die Ärmel hochzukrempeln. Dorthin wiederum haben im Namen des Vereins in den fünf Jahren seines Bestehens insgesamt 40 vollgepackte Lastwagen Hilfsgüter aus Deutschland und teils Europa gefahren. "Das ist weltweit einzigartig!" wie Ponto in Raitenbuch betonte. Tausenden von Kindern habe so geholfen werden können.

Vereinsvize Schmidt würdigte ebenso den Einsatzwillen der rührigen Truppe. Meist reichte seinen Worten zufolge eine kurze WhatsApp – und schon konnte es losgehen: "Das hat einfach immer geklappt!" Auch in der Treuchtlinger Verwaltung und im Stadtrat kam das Auftreten des Vereins bestens an. Er sei "durch große Professionalität aufgefallen", so Kämmerer Dominik Wenzel, der bei den Aktionen selbst ganz handfest mithalf. Es habe sich große Erleichterung darüber breit gemacht, dass sich jemand um das Innenleben des Krankenhauses kümmert, wenn es denn schon aufgelöst wird. Dafür "ein herzliches Dankeschön der Stadt", so Wenzel.

Zufällige Begegnung

"Das zu sagen brennt mir richtig auf den Lippen." Ponto selbst gilt als der unermüdliche Motor des Vereins. Daniel Schmidt lernt er 2014 im Flugzeug kennen. Auf dem Weg zu einem Champions-League-Spiel der Bayern in Rom. Beide Herren einen gleich zwei gemeinsame Leidenschaften: die für den Fußball und die für soziales Engagement. Beim Achtelfinal-Auswärtsspiel der Münchner gegen Schachtar Donezk, das kriegsbedingt in Lemberg stattfinden muss, trifft man sich wieder.

Im Vorfeld mailt Ponto sich die Finger wund: Die Funktionäre des Fußballclubs sollen sich die Zustände in einer Klinik dort näher anschauen. Das Ansinnen wird erhört. Mit viel Medienvertretern machen sich er selbst, Bayern-AG-Vorsitzender Karlheinz Rummenigge und weitere Herren der FCB-Chefetage in ein Krankenhaus auf. Bald aber dann ohne Presse. Der einfache Grund: Den Bayernbossen "kamen bei soviel Leid einfach die Tränen", so Ponto.

Auch ihm selbst geht es heute noch so, wie er bekennt. Dass der Verein darauf zum Unterstützer des wenige Monate nach dem Spiel im Juni 2015 gegründeten Vereins wird, ist Ehrensache. Und dessen Vorsitzender vermittelt seit Jahren unentwegt zwischen den Ländern: 56 Mal flog er gen Osten – auf eigene Kosten natürlich.

Dass die Hilfstransporte Gefahren in sich bergen, machte er in Raitenbuch auch deutlich. "Wir sind da auch ins Kriegsgebiet hinein, und unter Beschuss wieder heraus gefahren."

InfoDas Spendenkonto des Vereins wird bei der Kreissparkasse Ravensburg geführt: IBAN: DE24 6505 0110 0101 1285 51, BIC: SOLADES1RVB

JÜRGEN LEYKAMM/beh E-Mail

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