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Machen statt meckern: Treuchtlinger Teenager planen JuLi-Gruppe

Zwei Jugendliche wollen einen neuen Kreisverband der Jungen Liberalen gründen - 06.05.2020 06:03 Uhr

Mitreden, mitmachen, mitentscheiden – zwei Treuchtlinger Jugendliche haben die Politik und die FDP für sich entdeckt. © Foto: James Zabel


Schule kann ziemlich ermüdend sein. Zum Beispiel, wenn im Deutschunterricht die 140-minütige Verfilmung von Fontanes Effi Briest über den Röhrenfernseher flimmert. In schwarz-weiß, versteht sich. Oder wenn der Geschichtslehrer historische Geschehnisse leidenschaftslos als Aneinanderreihung von Jahreszahlen präsentiert.

Schule kann aber auch ganz anders sein. Neugier wecken, Impulse geben, Kinder und Jugendliche zu engagierten und interessierten Staatsbürgern werden lassen. Im Fall von Daniel Seuferling und Robin Dienst könnte das gelungen sein. Die beiden jungen Treuchtlinger, die eine zehnte Klasse der Realschule an der Senefelder-Schule besuchen, wollen politisch mitmischen. Dazu gebracht hat sie das Fach Sozialkunde. "Wir haben da die verschiedenen Parteien durchgenommen, und jeder von uns musste eine Partei vorstellen", berichtet Seuferling.

Digitalisierung: ausbaufähig 

Er und sein guter Freund Robin Dienst arbeiteten sich daraufhin systematisch durch die politische Landschaft der Bundesrepublik. Informierten sich über Geschichte, Personen und Inhalte aller im Bundestag vertretenen Gruppierungen. Ergebnis: "Die FDP hat mich am meisten angesprochen. Vor allem, weil sie so viel Wert auf Digitalisierung und Bildung legt", resümiert Seuferling. "Daniel hatte die Idee, in der FDP mitzumachen, und hat mich dann mit ins Boot geholt", sagt Dienst.

Entschlossen: Robin Dienst will Schule digitaler machen. © Foto: privat


Dass das mit der Digitalisierung in Deutschland so eine Sache ist, weiß der 15-Jährige aus eigener Erfahrung: "Unsere Lernplattform Mebis wurde gehackt, und wir konnten erstmal nicht darauf zugreifen. Ich fand es auch schade, dass wir während der Corona-Zeit keinen Live-Unterricht über Skype hatten." Was digitales Lernen angeht, können Bayerns Schulen noch deutlich besser werden, da sind sich die beiden einig. Deshalb haben sie zu diesem Thema bereits ein kurzes Positionspapier verfasst.

Bereits auf Mitgliedersuche

Dem Entschluss, sich politisch zu engagieren, folgte ein Gespräch mit dem FDP-Kreisvorsitzenden Thomas Geilhardt. Eine Gruppe der Jungen Liberalen, der Jugendorganisation der Freidemokraten, gibt es im Landkreis noch nicht, berichtete er ihnen. Trotzdem wollte er die beiden Jungs für sich und die Partei gewinnen. Die erklärten sich kurzerhand bereit, eine neue Kreisgruppe der Jungen Liberalen zu gründen.

"Theoretisch hätten wir auch zur Jungen Union gehen können, da gibt es ja Schnittpunkte mit der FDP. Aber wir finden es spannender, eine Gruppe neu zu formieren", sagt der 17-jährige Seuferling. "In der Sozialkundeklasse haben schon zwei gesagt, dass sie mitmachen. Und es werden auf jeden Fall noch mehr", berichtet Dienst von den ersten Erfolgen bei der Mitgliederwerbung.

Engagiert: Daniel Seuferling ist auch Schülersprecher. © Foto: privat


Noch sind beide der Partei nicht offiziell beigetreten, das wird sich jedoch in Kürze ändern. Gut eingebunden sind sie ohnehin schon. "Alle Leute in der FDP sind nett und auch offen für unsere Vorschläge", freut sich Seuferling. Die Gründung der Jungen Liberalen im Kreis Weißenburg-Gunzenhausen wird in den kommenden Wochen erfolgen. Dann wollen sie vor allem über die Sozialen Netzwerke noch mehr Altersgenossen davon überzeugen, bei den freien Demokraten mitzumachen.

Politik heißt mit anzupacken

"Wenn man jungen Leuten erklärt, dass wir in einer Demokratie leben und da jeder von uns was bewegen kann, dann kann man sie auch für Politik begeistern", ist sich Dienst sicher. Dass politisches Engagement auch bedeutet, selbst anzupacken, das wollen sie mit ihrem ersten Projekt unterstreichen: Wer in Treuchtlingen alt oder krank ist, und sich deshalb während der Corona-Krise nicht in den Supermarkt traut, kann die beiden Jungs anrufen. Sie kaufen dann ein und liefern an die Haustür.

Zu dem Virus und den Eindämmungsmaßnahmen, die das Leben seit Wochen drastisch verändern, haben die beiden Nachwuchspolitiker auch eine Meinung. "Ich finde die Maßnahmen gut", erklärt Seuferling. "Es ist richtig, da vorsichtig zu sein. Man muss in kleinen Schritten öffnen. Meine Oma wohnt bei uns im Haus, die will ich nicht anstecken." Sein künftiger Parteifreund sieht das ähnlich: "Das ist in Ordnung, auch die Maßnahmen bei uns in der Schule sind absolut akzeptabel. Aber man muss auch auf die Geschäfte achten und die kleinen Selbstständigen."

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Politik lebt von der Leidenschaft derer, die sie gestalten. Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble befand in der Vergangenheit sogar schon, die Politik gehöre "eigentlich irgendwo unter die Suchtkrankheiten". Wie lange die Begeisterung bei Seuferling und Dienst anhält, lässt sich schwer abschätzen. Zu jung sind beide, zu sehr wird sich ihre Biografie noch verändern. Doch sie scheinen das politische Engagement nicht nur als kurze Episode zu betrachten. Ob sie sich vorstellen können, irgendwann einmal für ein Parlament zu kandidieren? "Ja, das kann ich mir schon gut vorstellen", sagt Seuferling. Und Dienst ergänzt: "Daniel und ich machen keine halben Sachen."

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