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Donnerstag, 05.12.2019

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Mehr Wohnen, Ärzte, Bäcker und Biken in Treuchtlingen

Neubau neben Seniorenzentrum kann kommen - "Kleine Lösung" für Waldgasthof Heumöderntal - 26.02.2019 06:04 Uhr

So ähnlich könnte das neue Wohn- und Geschäftshaus am Treuchtlinger Bad-Kreisel einmal aussehen – Blick auf die Südwestfassade aus Richtung Esso-Tankstelle. © Netter-Bau


Das vom Büro GW Architekten aus Wendelstein entworfene Wohn- und Geschäftsgebäude des Investors Netter Bau, der auch schon die Wohnhäuser in der Ringstraße finanziert hat, soll auf dem knapp 1900 Quadratmeter großen Grundstück zwischen Nürnberger und Weißenburger Straße, Esso-Tankstelle und künftigem Seniorenzentrum entstehen. Geplant ist ein Flachdachbau mit gestaffelten Etagen und umlaufenden Balkonterrassen.

In den oberen zwei Stockwerken soll auf insgesamt 500 Quadratmetern Fläche gewohnt werden. Darunter stehen 270 Quadratmeter für eine Arztpraxis zur Verfügung, 20 mehr als bisher angedacht. Ins Erdgeschoss zieht auf 300 Quadratmetern eine Bäckereifiliale samt Café mit knapp 80 Sitzplätzen innen und rund 30 Terrassenplätzen ein. Es gibt einen fußläufigen Zugang von der Nürnberger Straße, die Zufahrt per Auto erfolgt aber von der Weißenburger Straße, wo vor dem Gebäude insgesamt 31 Park- sowie etliche Fahrradstellplätze vorgesehen sind.

Schon Mitte 2017 hatte der Stadtrat über Baufenster, Dimensionen und Abstandsflächen des Vorhabens beraten und war sich uneins gewesen (wir berichteten). Bürgermeis­ter Werner Baum hatte den Lückenschluss begrüßt und das geplante Café „auch als Ersatz für die Gastronomie der Therme, die ja nach dem Umbau nur noch Badegäs­ten offenstehen wird“, bezeichnet. CSU und Freie Wähler waren weniger begeistert. Gegenstand ihrer Kritik waren damals die Höhe des Baukörpers sowie die äußerst knappen Abstandsflächen.

In der jüngsten Sitzung ging es nun um den Bebauungsplan. Kubatur und Fassade des Gebäudes wollten Rat­hauschef und Bauverwaltung erneut nicht zum Thema machen. Allerdings ist den Entwurfsplänen zu entnehmen, dass sich die geplante Außengestaltung des Hauses nochmals etwas geändert hat. Insbesondere die Kubusform und die teils in den Baukörper integrierten, teils überstehenden Balkonterrassen stießen auf Ablehnung.

„An dieser Stelle nicht passend“

„Von Schambach her ist das Bauvorhaben schon sehr massiv“, bemängelte unter anderem Altbürgermeister Wolfgang Herrmann (CSU). Zudem hätten die Parkplätze gerade einmal die Mindestgröße, was angesichts der immer größeren Autos zu knapp sei. Form und Höhe des Gebäudes empfindet auch CSU-Fraktionschef Uwe Linss als „an dieser Stelle nicht passend“. Obwohl es nochmals um 20 Zentimeter gestutzt wurde, erhebt sich das neue Haus rund 14 Meter über das umliegende Gelände.

Stellungnahmen von Öffentlichkeit und Behörden, die dem Projekt entgegenstehen, gab es laut Adrian Merdes vom Planungsbüro Markert seit der ersten Auslegung vor anderthalb Jahren nicht. Kleine Änderungen seien lediglich in Sachen Immissionsschutz und Retentionsausgleich (wegen der Lage im Überschwemmungsgebiet) nötig gewesen. Der erforderliche Schallschutz soll nun durch entsprechende Fenster und die Platzierung der Schlafräume abseits der Straße erfolgen. Zudem sind die Bewirtung im Bäckerei-Café auf die Zeit von 8 bis 22 Uhr sowie der Anlieferverkehr auf 6 bis 22 Uhr beschränkt.

Hinsichtlich der Dimensionen des Hauses verwies Bürgermeister Baum darauf, dass das benachbarte „Sparkassen-Hochhaus“ und das neue Seniorenzentrum deutlich höher beziehungsweise größer seien. „Ich finde es nicht störend und bin froh, dass jemand bei uns baut“, so Baum, bevor der Stadtrat den Bebauungsplan mit letztlich nur einer Gegenstimme absegnete. Nun folgt zunächst eine weitere Öffentlichkeitsbeteiligung.

Rustikal wie sein Wirtshausschild soll der Waldgasthof Heumöderntal bleiben – und als Mountainbike-Mekka zugleich die junge Generation anziehen. © TK-Archiv / Benjamin Huck


Grünes Licht für „Pumptrack“

Für die Reaktivierung des ehemaligen Waldgasthofs Heumöderntal am Skihang in der Uhlbergstraße (wir berichteten) kristallisiert sich indes nach den aktuellen Plänen des Investors „eine etwas verkleinerte Lösung“ heraus, wie Silke Schebitz vom Stadtbauamt berichtete. Im dortigen Wald hat die Firma Ridetime, die auch die Marke Heimatrausch und den Kletterwald in Pappenheim betreibt, im vergangenen Jahr die „Heumödern Trails“ angelegt – mehrere Mountainbike-Strecken im Gelände, die nun noch um einen „Pumptrack“ (Wellenbahn) ergänzt werden sollen.

Im Gasthaus selbst unterhält Ride­time eine Brotzeitstube/Tagescafé mit 52 Plätzen innen und 80 Sitzgelegenheiten draußen. Dazu kommt ein kleiner Abenteuerspielplatz unterhalb des Gebäudes. Auch die Fremdenzimmer sollen weitergeführt werden – sieben rustikale Unterkünfte mit insgesamt elf Betten. Das bestehende Gebäude wird dabei voraussichtlich so gut wie nicht verändert, lediglich der Brandschutz wird ertüchtigt und neue Parkplätze werden angelegt.

Einen Bebauungsplan gibt es für das als Sondergebiet für den Fremdenverkehr ausgewiesene Areal nicht, auch eine offizielle Bewirtungsgenehmigung für das rund 40 Jahre lang rege betriebene Lokal fehlt offenbar. Das wird nun nachgeholt. Noch keinen konkreten Antrag gibt es dagegen für den anfangs ebenfalls geplanten Wohnmobilstellplatz und das angedachte Zelt- und Hüttendorf im rückwärtigen Bereich. Beides sieht ein Teil des Stadtrats skeptischer als das aktuelle Vorhaben.

„Wenn es gelingt, aus dem Gasthaus einen Hotspot für Mountainbiker und Wanderer zu machen, ist das eine Bereicherung für Treuchtlingen“, betonte Bürgermeister Werner Baum. Für die beantragte Nutzungsänderung gab der Stadtrat einstimmig sein Okay.


+++ In Kürze aus dem Stadtrat +++

Mehr Geld im Stadtsäckel

Die Schlüsselzuweisungen, die die Altmühlstadt im Rahmen des kommunalen Finanzausgleichs erhält, fallen heuer höher als erwartet aus. Das teilte Kämmerer Dominik Wenzel dem Stadtrat in dessen jüngster Sitzung mit. Aus dem Topf für 2019 erhält Treuchtlingen demnach 3,42 Millionen Euro – 245.000 Euro mehr als veranschlagt.

Neubau mit Signalwirkung

„Ein Zeichen für die Weiler setzen“ will der Treuchtlinger Stadtrat mit einem neuen Wohnhaus in Grönhart. Dort soll auf der Bodenplatte eines aufgegebenen Stalls ein eingeschossiger Bungalow entstehen. Da das Vorhaben nichts mehr mit der einstigen Landwirtschaft zu tun hat, ist es auch nicht privilegiert und wäre im Außenbereich unzulässig. Die Ratsmitglieder sprachen sich jedoch unisono dafür aus, das Projekt „nicht nur zu befürworten, sondern sogar zu begrüßen“. Das Idyll des Kleinbauernhofs gebe es nicht mehr, und die Stadt müsse froh sein, wenn noch junge Leute in die Weiler ziehen. Verbindlich entscheiden muss nun das Landratsamt.

Elektroarbeiten vergeben

Zur Umgestaltung des Treuchtlinger Volkskundemuseums hat der Stadtrat den Auftrag für die Elektroinstallation vergeben. Er geht für knapp 26.500 Euro an die Firma Lutz aus Dietfurt und liegt damit fast 3000 Euro unter dem kalkulierten Preis.

Betonsilo genehmigt

Drei Mineralbeton-Silos stehen­ bereits im Kalksteinbruch der Firma Franken-Schotter bei Dietfurt. Da für den Straßenbau immer mehr Material mit einer Körnung zwischen drei und viereinhalb Zentimetern benötigt wird, soll nun ein viertes Silo samt Siebmaschine hinzukommen. Der Stadtrat billigte den Antrag einstimmig.

Patrick Shaw Redaktion Treuchtlinger Kurier E-Mail

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