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Sonntag, 19.05.2019

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Möhren: Gemeinschaftshaus kommt nicht voran

Bürger beklagen zähen Fortschritt - Fehler an neuer Brücke zum Eichhof - 22.03.2019 06:05 Uhr

Im Juni vergangenen Jahres wurde die neue Bahnbrücke südlich von Möhren eingeweiht. Rund 120 Meter Gehweg verbinden sie mit der benachbarten Awo-Einrichtung. An abgesenkte Bordsteinkanten hat jedoch niemand gedacht. © Archiv TK / Patrick Shaw


Nach dem tödlichen Unfall beim Maibaumfest in Wettelsheim hat die Stadt reagiert. Auch wenn Ermittlungsverfahren und Gutachten zu dem (teils umstrittenen) Ergebnis geführt haben, dass der Unfall wohl kaum zu verhindern war, sind jeder Verein und jede Person, die beim Aufstellen dabei sind, künftig über die Kommune versichert. In Möhren übernimmt dies die Feuerwehr. Außerdem sollen die Bäume nicht mehr höher als 25 Meter sein. „Der größte Baum muss nicht der schönste sein“, versuchte Bürgermeister Werner Baum enttäuschten Maibaum-Wettstreitern den Wind aus den Segeln zu nehmen.

Zusätzlich wollen die Möhrener laut Ortssprecher Stefan Biber die Spitze ihres Baums beim Aufrichten mit einem Seil sichern und auf dem Dorfplatz einen gebührenden Abstand zu den Zuschauern halten. Diese sollen sich dann hinter dem Kran aufhalten.

Vor allem letzteres sorgte bei einigen Dörflern für Unmut. Wenn man nur noch aus der Entfernung zusehen dürfe, könne man das Fest auch sein lassen. Außerdem stelle sich die Frage, ob die Stadt, wenn sie nun die Regeln festsetze, auch die Kosten übernehme. Das verneinte Rathauschef Baum. Das Maibaum-Aufstellen bleibe Sache der Vereine, die frei seien, dies per Kran oder ganz traditionell mit „Schwalben“ (Stangen) zu tun. Neu von Seiten der Kommune seien nur die Versicherung und die Höhenbeschränkung.

Treuchtlingen in Zahlen: Die wichtigsten Eckdaten der Altmühlstadt aus der Präsentation des Bürgermeisters bei den Bürgerversammlungen 2019. © Grafik: TK


Unzufrieden ist die Dorfgemeinschaft auch mit dem zähen Fortschritt beim Umbau des alten Rathauses zum Dorfgemeinschaftshaus. Für die geplante Teilsanierung von Heizung und Toiletten hatte die Stadt schon vor zwei Jahren ein vereinfachtes Dorf­erneuerungsverfahren ins Gespräch gebracht. Offenbar war dem Ortsausschuss aber lange nicht bewusst, dass er das Konzept selbst erstellen muss.

Bis zu 50 Prozent Zuschuss könnte es dann für die Sanierung des 135 Jahre alten, denkmalgeschützten Gebäudes geben. Die Kernfrage: „Ist es sinnvoller, drei bis vier Jahre darauf zu warten, oder jetzt erst einmal die Toiletten über den allgemeinen Unterhalt zu machen?“ Ihm sei es „schon wichtig, dass wir die Gemeinschaftshäuser weiterentwickeln“, betonte Bürgermeister Baum. Dafür müsse die Stadt sowohl Fördertöpfe anzapfen, als auch auf Eigenleistung der Bürger setzen.

Um neue WC-Anlagen geht es auch beim Möhrener Feuerwehrhaus. Das Stadtbauamt arbeite gerade die Pläne dafür aus, die im Haushalt eingeplanten 4000 Euro müssten aber „mindes­tens verdoppelt werden“, so Baum.

Keinerlei Fortschritt gibt es beim sogenannten Schutzengelhaus. Seit etlichen Jahren versucht Bürgermeis­ter Baum nach eigenem Bekunden, als Vermittler einen Käufer zu finden, der wieder Leben in das vernachlässigte Gebäude bringt. Ein Interessent an dem (ein bisschen gruseligen) ehemaligen Kinderheim der Franziskanerinnen sei vergangenes Jahr abgesprungen, und der Stadt gelinge es bisher auch nicht, ins Gespräch mit den aktuellen Eigentümern zu kommen.

Bei der Anbindung ans schnelle Internet war Möhren bereits in der ers­ten Ausbauphase dabei. Für eine weitere Verbesserung soll es im Mai eine Infoveranstaltung der Stadtwerke und des Anbieters M-Net geben.

Ein Ärgernis war für die Dorfbewohner die Verkehrsführung während der Bauarbeiten an der B 2 im Vorjahr. Nicht nur, dass die „durch den Ort bretternden Laster“ Schäden an Fahrbahn und Gehwegen hinterlassen hätten und sich das Straßenbauamt für letztere nicht zuständig fühle – auch die Unterstützung von Seiten der Stadt sei dürftig gewesen. „Was soll ich als Bürgermeister gegen Raser tun?“, erwiderte Baum. Denkbar sei ein Tempolimit im Dorf, er selbst sei „ein großer Freund von Tempo 30“.

Weitere Kritik gab es am Zustand des Fuß- und Radwegs von der Bahnbrücke in Richtung Rasthaus. Dieser sollte schon vor vier Jahren mit Fräsgut angeschüttet werden, was die Stadt jedoch aufschob. Nun ist dies wegen möglicher Schadstoffe in den Asphaltresten nicht mehr erlaubt, weshalb der Weg mit Schotter befes­tigt wurde. Den Möhrenern zufolge ist er jedoch weiterhin so abschüssig und nass, dass er vor allem für gehbehinderte Menschen und Eltern mit Kinderwagen kaum nutzbar sei.

Keinen neuen Stand konnte der Bürgermeister in Sachen Bahnunterführung an der Sägmühle verkünden. Das Verkehrsaufkommen sei nach wie vor zu gering, als dass das Straßenbauamt eine Verbreiterung bezahlen würde. Interessanter werde das Thema erst, wenn die Bahn ihre Trasse ausbaue – also nicht vor dem Jahr 2025.

Einen Baufehler gibt es zudem an der neuen Bahnbrücke zum Eichhof („Awo-Brücke“). Rund 120 Meter Gehweg verbinden sie mit der benachbarten Sozialeinrichtung, es fehlen aber abgesenkte Bordsteinkanten. „Das wurde vergessen, wir prüfen aber gerade, das nachzurüsten“, erklärte Charly Bösel vom Stadtbauamt.

Angeregt wurde aus der Versammlung, die Bank am Dorfplatz-Brunnen als sogenannte „Mitfahrer-Bank“ zu deklarieren. Vier solche Bänke, an denen Autofahrer ganz offiziell „Anhalter“ mitnehmen sollen, wird es laut Bürgermeis­ter Baum ab dem Frühjahr auch in der Kernstadt geben, weshalb er dies auch in Möhren befürworte. Weniger erfreulich war zum Abschluss der Hinweis von Stefan Biber, dass dem SV Möhren etliche Helfer für das Ausrichten der Dorfkirchweih fehlen. „Die hängt am seidenen Faden“, warnte der Ortssprecher und bat um mehr freiwilliges Engagement. 

Patrick Shaw Redaktion Treuchtlinger Kurier E-Mail

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