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Müll in der Altmühl: Ärger über Bootsfahrer nimmt zu

An den Wochenenden laufen Abfalleimer über - Angler fischen nach Flaschen - 26.08.2020 05:57 Uhr

An der Altmühlinsel in Pappenheim müssen die Kanufahrer ihr Boot umsetzen. Viele werfen ihren Müll auch neben den vollen Abfalleimer.

25.08.2020 © Foto: Privat


Mit dem Kanu auf der Altmühl im Halbkreis um Pappenheim zu fahren, kann sehr idyllisch sein. Auch wenn momentan viele Bootstouristen unterwegs sind und das gemütliche – und vor allem einsame – Paddeln schwieriger wird. Viele Einheimische sehen dem Treiben vom Ufer aus zu – und können oft nur den Kopf schütteln.


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Denn wer mit seiner Tour in Treuchtlingen startet, muss am Wehr in Pappenheim sein Boot umsetzen und es an der Altmühlinsel auf die andere Seite tragen. Manch ein Flussreisender hat dabei offenbar Probleme, auch seinen Müll mitzunehmen – und lässt ihn einfach liegen, zum Leidwesen der Einheimischen.

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Eine Leserin berichtet von den Zuständen am Sonntagabend. Die kleinen Mülleimer seien übergequollen, Flaschen seien im Gras gelegen, und auch der für Hundekot gedachte Behälter sei längst voll gewesen. "Wenn man die Menschen auf ihr Verhalten anspricht, bekommt man nur eine dumme Antwort zurück", sagt die Leserin, die ihren Namen nicht in der Zeitung lesen möchte. Sie sieht auch die Kanuverleiher in der Pflicht, ihre Gäste mehr auf die Verhaltensregeln hinzuweisen. Doch die Verleiher selbst würden den Bürgern ebenfalls oft das Leben schwer machen, etwa indem sie an der Altmühlinsel die Kanus so in den Weg legen, dass ein Durchkommen nur mit Hürden möglich ist.

Bierflaschen oder Kästen sind völlig normal

Stephan Otter kann ein Lied davon singen, wenn es um die Verschmutzung geht. Der Treuchtlinger ist Vorsitzender des Kreisfischereivereins, der fürs Angeln auf der Altmühl zwischen Trommetsheim und der Landkreisgrenze zuständig ist. "Es ist völlig normal, dass wir in der Saison auch Bierflaschen oder Kästen aus dem Fluss fischen", sagt Otter. Besonders nach Junggesellenabschieden sei vermehrt Unrat in der Altmühl zu finden. "Da kentert mal das Boot, und der Müll bliebt dann liegen."


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An manchen Tagen kommen laut Otter 400 bis 500 Boote vorbei. Dass es mehr als in den Vorjahren sind, weil viele Menschen ihren Urlaub zuhause verbringen, kann der Vereinschef nicht bestätigen. Er vermutet aber, dass mehr Privatgruppen unterwegs sind, weil Bootstouren von Schulklassen oder im Rahmen des Ferienprogramms ausfallen. Den Abfall sammeln dann die Vereinsmitglieder ein und werfen ihn in Altglasbehälter oder Mülleimer.

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Auch die Anlegestellen werden regelmäßig gereinigt, in Treuchtlingen unter der Woche täglich. "Das macht unser Kollege, der für die gesamten Abfalleimer im Ort zuständig ist", sagt Otter, der beim städtischen Bauhof arbeitet. Auch der Badeweiher bei Grönhart hat sich in den vergangenen Monaten zum Leidwesen der Anwohner zu einem beliebten Ausflugsziel entwickelt. Ein Teil des Mülls landet dort nun wenigstens in einem neuen Abfalleimer.

Zwei Leerungen pro Woche

Die Müllkübel würden auch die meisten Bootsfahrer nutzen, so die Erfahrung von Solnhofens Bürgermeister Tobias Eberle. In der Gemeinde müssen die Boote ebenfalls umgesetzt werden, außerdem kann man an der Straßenbrücke rasten, und an der Landkreisgrenze bei Eßlingen enden viele Touren, weshalb an den problematischen Punkten Abfalleimer stehen. Die werden zweimal pro Woche geleert – immer freitags und montags, da übers Wochenende der meiste Unrat anfällt.

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Stephan Otter vom Kreisfischereiverein widerspricht der ab und zu gehörten Meinung, dass sich die Angler gegen das Bootsfahren auf der Altmühl aussprechen würden. "Wir arbeiten mit den gewerblichen Anbietern gut zusammen, die verdienen damit ja auch ihr Geld."

Große Schlauchboote sind ein Problem

Außerdem dürfen die gewerblichen Anbieter keine Stand-up-Paddles verleihen. Viele Privatpersonen bringen diese aber trotzdem mit, ebenso wie große Schlauchboote. Überdies stünden in der Treuchtlinger Kanalstraße in der Nähe des Bootseinstiegs hinter der Kläranlage immer wieder professionelle Bootsverleiher mit auswärtigen Kennzeichen. "Das Problem sind vor allem Privatleute, die sich nicht an die Regeln halten."

So untersagen die gewerblichen Anbieter etwa, Alkohol vor und während der Fahrt zu trinken. Nicht alle Wassersportler halten sich aber daran. Für die Kanuten könnte der übermäßige Bierkonsum ungeahnte Konsequenzen haben: "Ein Kanu zählt wie ein Fahrrad, auch hierbei kommt Trunkenheit im Verkehr in Betracht", sagt Treuchtlingens Polizeichef Dieter Meyer und bezieht sich auf den Paragraphen 316 des Strafgesetzbuchs (Informationsbroschüre der Polizei Hamburg als PDF). Ab 1,1 Promille im Blut beginnt die absolute Fahruntauglichkeit. Sollten alle Paddler eines Boots über diesem Wert liegen, könnten auch alle einzeln dafür belangt werden.

BENJAMIN HUCK E-Mail

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