Dienstag, 25.02.2020

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Muss es unbedingt der Bad-Titel für Treuchtlingen sein?

Klaus Holetschek vom Bayerischen Heilbäder-Verband hat die Altmühlstadt besucht - 22.01.2020 05:57 Uhr

Der CSU-Landtagsabgeordnete und Vorsitzende des Bayerischen Heilbäder-Verbands, Klaus Holetschek (Dritter von rechts), hat sich auf Einladung der Treuchtlinger Christsozialen in Kurpark und Altmühltherme umgesehen. © Foto: Benjamin Huck


Dass Treuchtlingen eine Gesundheitsstadt werden soll, darüber sind sich die Fraktionen im Stadtrat relativ einig. Doch braucht es dafür auch den "Bad"-Titel, dessen Erlangung mit einigen Hürden verbunden ist? Zu diesem Thema hat die CSU im Kommunalwahlkampf einen Kenner der Materie eingeladen: Klaus Holetschek. Der 55-Jährige war nicht nur elf Jahre Bürgermeister der traditionsreichen Kurstadt Bad Wörrishofen im Allgäu, sondern ist auch Vorsitzender des bayerischen Heilbäder-Verbands, bei dem auch Treuchtlingen Mitglied ist.

Gesundheit spielt eine Rolle

Auf Einladung des Landtagsabegordneten Manuel Westphal war dessen Kollege und designierter Staatssekretär im Bayerischen Bauministerium nun also in der Altmühltherme und im Kurpark zu Gast, um sich mit seinen Parteikollegen vor Ort zu beratschlagen. "Das Thema Gesundheit spielt eine immer größere Rolle, deshalb ist Treuchtlingen mit seinen Ideen auf einem guten Weg", so Holetschek. Sich alleine auf das Thema Kur zu beschränken, sei heutzutage nicht sinnvoll, da die Krankenkassen nicht mehr so viele Behandlungen bezahlen, wie das früher üblich war. "Der Begriff ‚Kur‘ wirkt mitunter auch etwas altbacken, damit zieht man kein jüngeres Publikum an."

Doch Holetschek schlägt auch vor, nicht nur auf das Thema "Wellness", sondern schon auf die gesundheitliche Prävention zu setzen – also Krankheiten schon vor deren Entstehen zu verhindern, und nicht nur zu reparieren, wenn es schon zu spät ist. Eine wichtige Rolle spiele dabei immer mehr das "Betriebliche Gesundheitsmanagement", bei dem Unternehmen ihre Angestellten auf eine Fortbildung schicken, um Ausfälle durch körperliche Leiden zu vermindern. Dazu würde auch das Angebot der geplanten psychosomatischen Fachklinik des Bezirksklinikums Mittelfranken am Standort des alten Stadtkrankenhauses passen.

Doch muss es dann unbedingt "Bad Treuchtlingen" sein, wie es sich die örtliche CSU wünscht? Die Hürden für diesen Titel sind hoch, so muss eine Kommune beispielsweise zwei Heilquellen vorweisen. Und da wird es bereits schwierig: Zwar gehört der Stadt die Quelle am Burgstall, mit deren 28 Grad warmen Heilwasser die Altmühltherme gespeist wird. Die zweite bereits gebohrte Heilquelle, die Lambertusquelle, gehört allerdings dem Unternehmen Altmühltaler, ob die Stadt sie nutzen kann, ist ungewiss, vor allem nach der gescheiterten Auslagerung der Abfüllung an die Heusteige.

Die Abfüllanlage des Getränkeherstellers in der Innenstadt und der damit verbundene Verkehr ist wohl auch die nächste Hürde auf dem Weg zum Bad-Titel. Vertreter der Vergabekommission haben bereits vor einigen Jahren Treuchtlingen besucht und auch genau das bemängelt, vor allem die Tatsache, dass viele Lastwagen auf der Bürgermeister-Döbler-Allee fahren – also quasi auf der Verbindung zwischen Kurzentrum (Altmühltherme) und Kurpark.

Ein weiteres Hindernis ist das bislang fehlende Kurhotel, wobei ein solches nun auf der etwa 9000 Quadratmeter großen Fläche des ehemaligen Bauhofs, direkt an der Altmühl, in Planung ist. Neben den Einnahmen aus dem Grundstücksverkauf könnten die Stadt auch von einer zukünftigen Kurtaxe profitieren.

Die Bürger mitnehmen

Letztlich sei es wichtig, dass die Bürger vor Ort in die Planungen miteinbezogen werden, so das Fazit Holetscheks. "In Bad Wörrishofen haben wir durch den Kurbetrieb viele Ärzte und Therapeuten, aber auch Kultur und Konzerte, von denen die Bürger profitieren." Nicht zuletzt schaffe ein Kurbetrieb auch Arbeitsplätze, nicht nur direkt etwa in Altmühltherme und Hotel, sondern auch in der Gastronomie und anderen Dienstleistungen.

Das Thema Bad-Titel beschäftigt Treuchtlingen bereits seit Jahrzehnten, auch mehrere Stadtratsbeschlüsse hat es in der Vergangenheit dazu gegeben. Doch es ist auch Durchhaltevermögen gefragt, wie das Beispiel des neuesten Heilbads in Bayern zeigt: Neualbenreuth in der Oberpfalz, besser bekannt durch das an der tschechischen Grenze liegende Sibyllenbad, hat im vergangenen November nach jahrzehntelanger Vorarbeit den Bad-Titel erhalten.

Doch bereits kurzfristig sehen die Treuchtlinger Christsozialen die Möglichkeit, das schon bestehende Angebot attraktiver zu vermarkten. So gibt es etwa die Idee, Treuchtlingen als assoziiertes Mitglied in den Tourismusverband Fränkisches Seenland aufzunehmen.

Bislang ist die Stadt nur Hauptmitglied im Naturpark Altmühltal und profitiert dabei auch von den Vermarktungsmöglichkeiten der Region, etwa mit Ständen auf einschlägigen Tourismus- und Freizeitmessen, wie der unlängst zu Ende gegangenen CMT in Stuttgart. Im Fränkischen Seenland kommt Treuchtlingen bislang nicht vor, eine Mitgliedschaft würde wohl einen mittleren vierstelligen Betrag pro Jahr kosten, so Manuel Westphal.

Für die CSU ist vor der Bürgermeister- und Stadtratswahl am 15. März klar, wie das gelingen kann: Es müsse einen Wechsel in der Politik geben, um das Thema mit neuem Schwung anzugehen, so ihr Fazit. Dazu müssen sie aber auch die Bürger überzeugen, ob die sich künftig "Bad Treuchtlinger" nennen wollen.

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