Freitag, 16.04.2021

|

Nachverdichtung: Warum Treuchtlingen sich nicht binden will

Auf dem Auernheimer "Krauß-Anwesen" sollen Bauplätze entstehen - Für Zuschüsse liegt die Latte hoch - 19.03.2021 06:04 Uhr

Das alte Krauß-Wohnhaus in der Degersheimer Straße 3 ist noch leidlich in Schuss, die Hallen und Scheunen dahinter sind aber abbruchreif.

18.03.2021 © Patrick Shaw


Vor zwei Jahren hat die Kommune den einstigen landwirtschaftlichen Betrieb samt Wohnhaus in der Degersheimer Straße direkt gegenüber dem Gasthaus Weberndorfer auf Wunsch der Auernheimer Dorfgemeinschaft erworben, um auf dem Areal im Rahmen eines vereinfachten Dorferneuerungsverfahrens Bauplätze zu schaffen. "Nachverdichtung" lautet das Schlagwort.

Im hinteren Bereich der Hallen und Ställe wird der Zustand des Auernheimer "Krauß-Anwesens" immer schlechter

18.03.2021 © Patrick Shaw


Hallen und Scheune des Anwesens sind allerdings so marode, dass nur der Abriss in Frage kommt. Zudem gab es aus dem früheren Schweinestall bei Regen immer wieder "unschöne Ausschwemmungen" in den Gemüsegarten der Nachbarin – eine Altlast, die beseitigt werden muss. Das vom einstigen Besitzer in Eigenregie gebaute Haupthaus wäre dagegen noch intakt genug, um es zu renovieren, weshalb der Ausschuss Ende 2019 auch nur für einen Teilabbruch votiert hatte.

Laut Bauamtsmitarbeiter Thomas Schäff besteht dabei inzwischen "ein gewisser Handlungsdruck". Entstehen könnten drei bis vier Bauplätze, deren Erwerbs- und Erschließungskosten die Stadt über den Kaufpreis hereinholen möchte. "Das wird kein richtig günstiges Bauland", warnte Schäff. Und der ehemalige Schweinestall könne sich ebenfalls noch als "Überraschungsei" entpuppen.

Wer zahlt für die Erschließung?

Neben der Frage, wer so weit draußen auf dem Hahnenkamm, wohin es Neubürger eher wegen der Weitläufigkeit und Ruhe zieht, ein eher kleines Baugrundstück mitten im Ortskern kauft, ging es im Ausschuss vor allem um die mögliche staatliche Förderung. 55 bis 60 Prozent Zuschuss könnte es über die vereinfachte Dorferneuerung geben.


Bauen in Treuchtlingen: Individualistisch oder uniform?


Möglich wären weitere 20 Prozent aus der Förderkulisse "Innen statt Außen" – dafür wäre aber ein sogenannter Bindungsbeschluss für die Gesamtgemeinde nötig. Darin müsste sich Treuchtlingen laut Schäff nicht nur verpflichten, künftig noch stärker auf Innenverdichtung und die Nutzung bestehender Gebäude zu setzen. Der Beschluss würde auch den nahezu vollständigen Verzicht auf die Ausweisung neuer Baugebiete, die Selbstverpflichtung zur Rücknahme bestehenden Baurechts im Flächennutzungsplan sowie deutlich striktere Bauvorschriften beinhalten.

Bilderstrecke zum Thema

Das Dorf in früherer Zeit: Historisches Graben

Karlsgraben und Karneval, alte Häuser und holprige Straßen, Dorfschule, Landwirtschaft und ein großer Brand: Vor einem halben oder gar einem Jahrhundert sah es im heutigen Treuchtlinger Ortsteil Graben noch ganz anders aus als heute.


"Das sind alles gute Ziele, aber es ist schon ein Unterschied, ob wir das freiwillig machen oder per Bindungsbeschluss machen müssen und das Amt für Ländliche Entwicklung dann immer mitredet", warnte der Bauamtsmitarbeiter. Zudem bringe die Bindung etwa eine halbe Planstelle an Verwaltungs-Mehraufwand mit sich. "Für das Einzelprojekt lohnt sich das eher nicht", so Schäff.

Bindungsbeschluss: "Das zwickt zu arg"

"Wir sind uns alle einig, dass wir die Innenentwicklung der Außenentwicklung vorziehen. Wir sollten uns aber nicht binden, wenn kaum weitere solche Projekte in den nächsten Jahren anstehen und in Treuchtlingen ohnehin die Flächen so knapp werden, dass wir die Außenbereiche brauchen werden", pflichtete ihm CSU-Fraktionschef Uwe Linss bei. "Das zwickt so arg, dass ich sage: Dann lieber nicht!"


Flexibel und ökologisch: So verändert sich Bauen in Treuchtlingen


Stefan Fischer (SPD) wies darauf hin, dass die Einschränkungen durch den Bindungsbeschluss auch den erst jüngst gefassten Beschluss des Stadtrats zu mehr Freiheiten bei privaten Bauvorhaben konterkarieren würde. Da die Stadt Eigentümer von Grundstücken im Innenbereich zudem nicht zum Verkauf der Flächen verpflichten könne, fürchte er "Konfliktpotenzial, wenn das Amt für Ländliche Entwicklung trotzdem die Bebauung im Innern anmahnt".

"Innen statt Außen" sei "ein gutes Programm und der richtige Weg, bringt aber Einschränkungen mit sich, die wir gerade, so wie wir uns aufgestellt haben, nicht brauchen können", fasste Thomas Schäff den Tenor im Ausschuss zusammen. Von diesem gab es am Ende ein einhelliges Ja zum Einstieg in das vereinfachte Dorferneuerungsverfahren und ein ebenso geschlossenes Nein zur Bindung an das Innenentwicklungsprogramm.

Seite drucken

Seite versenden



Um selbst einen Kommentar abgeben oder empfehlen zu können, müssen Sie sich einloggen oder sich zuvor registrieren

Ihr Kommentar

Ihr Kommentar:

Bitte beachten Sie unsere Netiquette.

weitere Meldungen aus: Treuchtlingen, Auernheim, Auernheim