Nahwärme am Patrich: So könnten die Trassen verlaufen

28.5.2021, 06:01 Uhr
Die Stadtwerke möchten eine höhere Auslastung für das Heizkraftwerk in der Hahnenkammstraße erreichen. Daher soll auf dem Patrich eine neue Trasse entstehen.

Die Stadtwerke möchten eine höhere Auslastung für das Heizkraftwerk in der Hahnenkammstraße erreichen. Daher soll auf dem Patrich eine neue Trasse entstehen. © TK-Archiv/Patrick Shaw

- Wie bereits berichtet, planen die Stadtwerke eine Erweiterung der Leitungen des Heizkraftwerks in der Hahnenkammstraße in südwestliche Richtung. Zweimal wurden in den letzten Monaten insgesamt 100 Haushalte angeschrieben. Anhand der Rückmeldung haben die Stadtwerke nun zwei mögliche Trassenführungen errechnet. Stadtwerke-Chef Max Filser stellte diese in der jüngsten Sitzung des Werksausschusses vor.

Zwei mögliche Verläufe

Diese würden in Variante I von der Hanhenkammstraße aus hoch zum Adventure Campus, sowie oben am Patrich durch die Steinstraße und eine Hälfte des Schönblicks sowie eine Hälfte der Sudetenlandstraße verlaufen. In dieser Ausführung würden 33 Interessenten an das Nahwärmenetz angeschlossen.

Variante II verläuft genauso, die Trasse würde allerdings 400 Meter weiter bis zum Ende der Sudetenlandstraße verlaufen. Somit könnten sechs weitere Interessenten angeschlossen werden.


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Wie Max Filser darlegte, favorisierten die Stadtwerke allerdings die erste, verkürzte Variante, da diese die wirtschaftlichste ist. Wie er zu bedenken gab, gelte die Regel: "Je kostengünstiger der Nahwärmeanschluss für die Stadtwerke ist, desto wirtschaftlicher ist er für jeden einzelnen Anschlussnehmer."

Eine Trassierung in der verkürzten Variante würde demnach 578 000 und die längere Variante rund 700 000 Euro kosten. Berücksichtigt ist in diesen Endpreis die neue BEG-Förderung (Bundesförderung für effiziente Gebäude), die den Anschluss überhaupt erst interessant mache, erklärte Filser.

Sie bezuschusst die Netto-Kosten für Anschlussnehmer um bis zu 45 Prozent – Nämlich dann, wenn bei der Umstellung eine Ölheizung ersetzt wird. Eben das ist bei den meisten Haushalten am Patrich der Fall, alle anderen Anschlussnehmer würden aber auch Zuschüsse von immerhin 35 Prozent erhalten.

Am Ende und bei maximaler Förderung lande der Anschlusspreis pro Kunde so bei rund 9200 Euro, rechnete Filser vor.

Inkludiert sind in diesen Preis das Verlegen der Hauptleitung, die Hausanschlusskosten, Kosten für die Einrichtung einer Wärmeübergabestation sowie die Kosten für interne Installationsarbeiten. Für jeden Anschlussnehmer wollen die Stadtwerke außerdem einen Glasfaseranschluss "bis ins Haus" ohne Mehrkosten verlegen.

Einstieg noch bis Juli möglich

Filser wies auch darauf hin, dass man die ursprünglich angedachte Trassenplanung über die Hochgerichts- und Waldstraße auf Basis der Rückmeldungen relativ schnell verwerfen musste. Dabei wären 45 Anschlussnehmer zusammengekommen, allerdings bei einer deutlich längeren Trassierung.

Er betonte zudem, dass die "Tür auch jetzt noch nicht komplett zugeschlagen" sei. Interessenten auf dem Patrich haben noch bis Mitte Juli Zeit, sich für einen Wärmeanschluss entlang der beiden in der Sitzung gezeigten Varianten bei den Stadtwerken zu melden.

Liveübertragung ist geplant

Derweil ist bereits eine Informationsveranstaltung für die bisherigen 39 Interessenten angesetzt. Sie findet am 22. Juni in der Stadthalle statt, und soll außerdem live ins Internet übertragen werden. Wie die Stadtwerke auf Nachfrage des Treuchtlinger Kuriers mitteilten, soll bei diesem Livestream auch ein Zugang für andere potentielle Anschlussnehmer möglich gemacht werden. Über die Details wird einige Tage vor der Infoveranstaltung in der Zeitung berichtet, wenn auch klar ist, ob die Veranstaltungen aufgrund der Inzidenzen in der Stadthalle stattfinden kann.


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Die derzeit 39 Interessenten erhalten am 22. Juni detaillierte Informationen über die einmaligen Anschlusskosten, die BEG-Förderung, den laufenden Grund- und voraussichtlichen Wärmepreis. In der Sitzung des Werksausschusses merkte Filser bereits an, dass letzterer "marktgerecht" sei.

Außerdem können sich die künftigen Anschlussnehmer zu den beiden Trassenvarianten zu Wort melden und Rückfragen zu den Planungen der Stadtwerke stellen.

Ende Juli erneut im Ausschuss

Nahwärme ist aktuell in vielen Gemeinden im Landkreis ein großes Thema. In der unmittelbaren Umgebung steckt derzeit auch Osterdorf mitten in den Planungen für ein Hackschnitzel-Heizwerk. Wie ein solches funktioniert, zeigt vereinfacht obige Grafik.

Nahwärme ist aktuell in vielen Gemeinden im Landkreis ein großes Thema. In der unmittelbaren Umgebung steckt derzeit auch Osterdorf mitten in den Planungen für ein Hackschnitzel-Heizwerk. Wie ein solches funktioniert, zeigt vereinfacht obige Grafik. © NN-Infografik: Miriam Hoffmann

Im Werksausschuss sprach sich der CSU-Fraktionsvorsitzende für die längere Variante aus, obwohl die Kosten für diese höher liegen. Wie Uwe Linss formulierte, "hätte man dann künftig die Möglichkeit zu einem weiteren Ausbau Richtung Schönblick" – oder entlang der Schlesierstraße, die unmittelbar am Ende der Sudetenlandstraße beginnt. Bürgermeisterin Kristina Becker verwies allerdings darauf, "dass man auch nicht ins Blaue hinein unbegrenzt bauen könne".

Letztlich vertagte der Ausschuss die Entscheidung zu einer Trassenvariante (wie es eigentlich in der Beschlussvorlage vorgesehen war), und stimmte ganz allgemein der Realisierung einer Trassenvariante und dem vorliegenden Preisangebot zu. Man wolle zunächst das Stimmungsbild der Interessenten einholen, hieß es einstimmig. Ende Juli geht das Thema dann erneut in den Ausschuss.

Im Herbst könne man dann mit der Ausschreibung, im Frühjahr 2022 mit der Umsetzung beginnen. Wenn alles glatt läuft, könnten die Anschlussnehmer am Patrich dann in der Heizperiode 2022/2023 mit Nahwärme heizen.

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