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Naturschutz und Outdoor-Sport in Einklang bringen

6. Outdoor-Kongress am Treuchtlinger Adventure-Campus befasst sich mit Spannungsfeld von Umweltschutz und Sport - 21.02.2018 06:04 Uhr

Wie lässt sich das Bedürfnis nach Freizeit mit dem Schutz der Natur vereinbaren? Darum ging es beim Outdoor-Kongress am Adventure-Campus Treuchtlingen. © Patrick Shaw


Im Sommer ist es in Treuchtlingen und Umgebung kein seltenes Bild. Auf der Altmühl paddeln Touristen und Einheimische mit dem Kanu, weiter den Fluss abwärts sieht man die Kletterer bei Solnhofen an den Kalkstein-Felsen hängen. Im Wald begegnen einem Mountainbiker, Jogger, Nordic Walker oder Wanderer.

Die Palette an Outdoor-Sportarten ist reich und wird immer reicher, betont auch Ralf Roth, Professor am Institut für Natursport und Ökologie an der Deutschen Sporthochschule Köln. Alleine beim Nordic Walking gebe es inzwischen 14 Spielarten.

Kein Wunder, sich an der freien Natur zu bewegen ist schön. Man genießt die frische Luft und den Zauber von Natur und Landschaft. Dabei kommt es immer wieder aber auch zu Konflikten mit der Tierwelt und Zerstörung in der Pflanzenwelt.

Natur nachhaltig genießen

Wenn Rehe aufgeschreckt werden, kann eine Flucht ihnen im Winter wertvolle Energiereserven nehmen, die sie zum Überleben brauchen, der in den Felsen brütende Wanderfalke wird beim Atzen seiner Jungen gestört oder lässt das Gelege alleine, die Landschaft wird durch Flächenfraß oder intensiven Tourismus wie in den Alpen zerstört. Dabei sind gerade diese Naturschönheiten und seltenen Tiere oft ein Faktor, die Gegenden für den Tourismus attraktiv machen.

Bei seinem Vortrag, wie Naturschutz und Outdoor-Sport zusammengehen können, spricht Roth zu Beginn von einer Zukunftsvision. Der, dass Tourismus, Sport und Freizeit die Natur und Tierwelt nicht beeinträchtigen, sondern im Gegenteil sogar dazu beitragen, dass diese erhalten bleibt.

Er erklärt aber auch, dass, wer einmal Feuer für den Outdoor-Sport gefangen hat, gerne dabei bleibt und sogar neue Outdoor-Sportarten ausprobiert. Ein Kletterer steigt also auch mal aufs Mountainbike. Dabei bewegen sich rund 40 Prozent der Deutschen, das haben Umfragen unter Menschen ab 14 Jahren ergeben, gar nicht mehr. Machen also keinen Sport. Die Motive bei denen, die draußen aktiv sind, haben sich in den letzten Jahren verschoben hin zu Erholung, Wohlbefinden und nicht austauschbaren Erlebnissen in der Natur. Für viele Ferienregionen eigentlich ein Pfund, mit dem sie wuchern können.

Professor Ralf Roth von der Deutschen Sporthochschule in Köln. © Viola Bernlocher


Die Lösung des Konflikts zwischen Outdoor-Sport und Naturschutz sieht Roth deshalb in einem klugen Management durch Tourismus- und Naturschutzbehörden. Es gelte, das Sportraumpotential einer Landschaft zu erfassen, die Sportraumkapazität, die sportliche Infrastruktur und die Angebote durch Veranstalter, Vereine und Verbände. Im Zusammenspiel entscheiden diese drei Faktoren über die Frequentierung eines Ortes oder einer Gegend. „Man darf nicht darauf warten, dass Touristen kommen und dann erst Radwege bauen.“

Outdoor-Sport braucht also eine gezielte Lenkung, so die These des Kölner Professors. Das werde erreicht mit einer räumlichen Planung und Konzeption, darunter fallen etwa die Raumentwicklung, Komfort-Aspekte, Wegeplanung, Schaffung von Sportgelegenheiten, Beschilderung. Dazu gehören auch eine Appell-Strategie, die Vereinbarungen trifft, etwa, dass in bestimmten Brutzeiten des Falken in diesem Bereich nicht geklettert werden darf, Information und Aufklärung, Umweltbildung. Auch Verbote, Gebote und Schutzverordnungen spielen mit hinein.

Einige Maßnahmen stellte er ebenfalls vor. So wurde in seiner Heimat, dem Schwarzwald, die Wanderwegesituation analysiert und mit den Einständen von Rotwild abgeglichen. Anhand dieser Analyse konnte man einige Konfliktpunkte erarbeiten. Hier rät der Experte etwa, dass man lieber weniger Wanderwege ausschildert oder nur besonders attraktive Wege in den Plan aufnimmt, so dass Natur und Tiere mehr Raum bekommen. Die „Explosion der Themenwege“ in den vergangenen Jahren sieht er eher kritisch. „Die Menschen wollen unverwechselbare Naturerlebnisse.“ Themenwege würden die Besucher oft nach einigen Stationen langweilen. Ein besseres Konzept sei es seiner Meinung nach, besondere Naturschauplätze durch Wege miteinander zu verbinden. Der Solnhofener Bürgermeister Manfred Schneider fühlte sich in seinen Aktivitäten durch Roths Vortrag bestärkt: „Als ich Bürgermeister wurde, gab es zwölf Wanderwege. Wir haben das in den vergangenen Jahren auf die fünf interessantesten Wege gekürzt.“

Biodiversität nur mit Nutzern

Roths Fazit: Biodiversität kann nur gemeinsam mit den nutzenden Menschen erreicht, entwickelt und erhalten werden. Damit Naturschutz und Outdoor-Sport zusammen funktionieren ist es also wichtig, Vertrauen in das eigenverantwortliche Handeln der Sportler zu setzen, Fakten in den Mittelpunkt des Dialogs zu stellen, Transparenz zu schaffen, schon früh zu kommunizieren bevor Konflikte überhaupt entstehen und mit Sport und Sportlern zu kooperieren. Das Problem sei hier nur, dass der Organisationsgrad bei Outdoor-Sportarten äußerst gering ist. Nur zehn Prozent der Sportler seien Mitglied, etwa beim Alpenverein.

Klaus Giebel, Sachgebietsleiter Naturschutz bei der Regierung von Mittelfranken, stellte kurz die vielfältige Natur des Bezirks vor und konnte berichten, dass für Konfliktbereiche in Franken gute Lösungen gefunden werden konnten. So sei Klettern wegen der brütenden Wanderfalken zu bestimmten Jahreszeiten verboten und werde von den Sportlern auch respektiert. „Es sind sogar meistens die Kletterer, die bei uns anrufen und sagen: ‚Der Falke brütet wieder.‘ Da haben wir Verbündete gewonnen“, berichtet er erfreut. Bei Kanuten habe man durch Kommunkation an runden Tischen erreicht, dass diese sich an die festen Anlandepunkte halten und das Schilf nicht mehr niedertrampeln. Besonders um nachhaltigen Kanu-Tourismus wird es heute in einem Diskussionsforum gehen.

Viola Bernlocher Süd-Springerin E-Mail

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