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Neue Radwege: Schnell, aber auch gefährlich?

Das Konzept für ein Teilstück des Radwegs Treuchtlingen-Gunzenhausen fiel im Stadtrat durch - 12.06.2019 06:04 Uhr

Schnell und klimafreundlich mit dem Fahrrad in den Nachbarort? Ja, bitte! Die geplante Radschnellweg-Trasse Treuchtlingen-Wettelsheim aber direkt neben die viel befahrene Staatsstraße zu legen und dafür nicht nur Böschung und Fußweg (links) abzugraben, sondern auch die flankierenden Bäume zu fällen, das hält der Treuchtlinger Stadtrat für eine Schnapsidee. © Patrick Shaw


Im Zuge der Klimadebatte stehen Radwege zunehmend nicht nur für Freizeitradler im Fokus, sondern auch als echte Verkehrswege. Sogenannte Fernrad- und Radschnellwege können Kommunen klimafreundlich verbinden und auf kürzeren Strecken das Auto überflüssig machen. Sie sollen dabei ganz bewusst weniger schön als effizient sein.

Ein solcher Radschnellweg schwebt dem Staatlichen Bauamt zwischen Treuchtlingen und Gunzenhausen parallel zur Staatsstraße 2230 vor, und zwar südwestlich der Fahrbahn, also auf der Seite der Ortschaften. Ein Teilstück des Wegs ist der Abschnitt vom Treuchtlinger Ortsausgang auf Höhe der Gstadter Straße bis zum Wettelsheimer Keller. Dort gab es Ende Mai einen Ortstermin mit Planern und Ortsausschuss.

Der Vorschlag der Ansbacher Behörde: Parallel zur Staatsstraße soll in nur 1,75 Metern Abstand zur Fahrbahn sowie auf deren Höhe ein 400 Meter langer und 2,50 Meter breiter Radweg entstehen, der vom Treuchtlinger Ortsschild auf der Seite des Patrichbergs bis zur Einmündung zum Wettelsheimer Keller führt. Dies hätte zur Folge, dass die teils bis zu vier Meter hohe Böschung nach hinten verlegt, der Hang mit einer Mauer abgestützt und der bestehende Gehweg verschoben werden müssten. Dafür würde wohl auch mindestens eine der zwei den Fußweg wie eine Allee flankierenden Baumreihen gefällt. Immerhin: Die Baukosten würde komplett der Staat übernehmen, da die Verkehrsbelastung der Staatsstraße bei mehr als 5000 Fahrzeugen am Tag liegt.

Schon beim Ortstermin regte sich Widerstand gegen die Pläne. Der Ortsausschuss wandte ein, dass die Wettelsheimer den neuen Radweg nicht nutzen würden, weil sie den bestehenden Schotterweg entlang der Bahnlinie bevorzugten. Dieser verläuft im Tal, sodass sich die Radler die Steigung zum Wettelsheimer Keller sparen. Dort unten würde sich der Ausschuss eher einen Ausbau wünschen, die Trasse könnte dann zwischen Wettelsheim und Markt Berolzheim wieder auf die vom Bauamt angedachte Strecke münden.

Gefährlicher als ohne Radweg

Für "unmöglich" halten auch Bürgermeister Werner Baum und Marco Satzinger (CSU) die Pläne. Nicht nur, dass der Verlauf entlang der Bahn intuitiver und wirtschaftlicher wäre, die straßennahe Trasse schaffe zudem eher neue Gefahren für Radfahrer, als diese zu schützen. "Da bräuchte es eine hohe Schutzplanke", warnt Satzinger, "ganz zu schweigen von der vier bis fünf Meter hohen Stützmauer und dem Eingriff in die Natur". Wenn sich die "Schnellradler" dann noch den Weg mit den Fußgängern teilen müssten, wie es eine Planungsvariante vorsieht, sei das "einfach nur blauäugig", so Matthias Strauß (CSU).

"Nur Nachteile" sieht auch UFW-Sprecher Klaus Fackler in der Trasse – anders als Susanna Hartl (SPD), die sich "dem Schnellradwegenetz nicht verschließen möchte". Die Strecke Treuchtlingen-Gunzenhausen biete sich dafür an, das vorgelegte Konzept sei aber tatsächlich "ein Schnellschuss". Sie setze auf einen "Gesamtplan bis Unterasbach".

Ganz anders der Tenor beim zweiten geplanten Radweg entlang der Staatsstraße 2216 zwischen dem Sägewerk Wöllmer und Auernheim. "Dort sind Ortsausschuss und Bürger voll dafür", wie Rathauschef Baum erklärt. Der Weg könnte entweder südlich der Straße vom Sägewerk bis zum Ortseingang verlaufen und ab der Streckenmitte etwas von ihr abrücken, um die dortigen Biotopflächen zu schonen. Oder er könnte am Sägewerk mit einer Überquerungshilfe die Fahrbahn kreuzen und ihr dann im Norden folgen, wobei ein kleines Wäldchen zu umgehen wäre.

Stadt müsste zahlen

Die Baukosten muss hier komplett die Stadt tragen, da die Verkehrsbelastung der Staatsstraße weit unter 5000 Fahrzeugen pro Tag liegt. Über den kommunalen Finanzausgleich könnten allerdings bis zu 60 Prozent an Zuschüssen fließen. Die Planung könnte nächstes Jahr starten, der Bau dann im Jahr 2021.

Anders als der Ortsausschuss plädiert Klaus Fackler für die nördliche Variante, da es dort schon einen Schotterweg gibt und die Trasse weniger umweltsensibel sei. Laut Stadtbauamtsleiter Jürgen Herbst wirft aber der dafür nötige Fahrbahnteiler am Sägewerk Probleme auf, da solche Hindernisse auf gerader Strecke gefährlicher seien, als wenn die Autos ungebremst durchfahren.

"Besser wäre es ohnehin, wenn das Straßenbauamt seiner Verantwortung nachkommt und die Staatsstraße komplett ausbaut",ist sich Fackler letztlich mit Rathauschef Baum einig. Das fordern die Bürgermeister entlang der gesamten Strecke bis nach Oettingen seit Jahren, und im Zuge dessen wäre der Radweg laut Baum "ganz einfach mit zu realisieren". Altbürgermeister Wolfgang Herrmann glaubt nach eigenen Worten jedoch "nicht, dass dieser Ausbau so schnell kommt".

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