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Ortsumgehung Dietfurt: Bürger einstimmig für Tunnel

Trasse durch den Dattelberg bevorzugt - Staatliches Bauamt ist sich noch nicht sicher - 01.08.2019 05:57 Uhr

An verkehrsreichen Tagen rollen auf der B2 bis zu 20.000 Fahrzeuge durch Dietfurt. Die Umfahrung verspricht dem Dorf Entlastung. © Archivfoto: Hubert Stanka


Seit Jahren wünschen sich die Dietfurter eine Ortumgehung der Bundesstraße 2, die bislang ihr Dorf in zwei Hälften teilt. Der Verlauf der viel befahrenen Fernstraße führe zu einer Lärm- und Luftschadstoffbelastung für die Anwohner und entspreche auch nicht dem verkehrlichen Ziel einer ortsdurchfahrtsfreien, zügig und sicher zu befahrenden Bundesstraße, heißt es vom Staatlichen Bauamt in Ansbach.

Seit über drei Jahren steht fest, dass eine Umgehung her soll, diese ist auch schon in den maßgeblichen Bundesverkehrswegeplan aufgenommen worden. Im Februar 2018 fand die erste öffentliche Anhörung der Bürger statt, dazwischen liefen Gespräche in Arbeitsgruppen aus Bürgern und Behördenvertretern, zuletzt Mitte Juli.

Dabei stellten die Planer die Untersuchungsergebnisse für jene sieben Umgehungsvarianten vor, die grundsätzlich realisierbar erschienen und deshalb vertieft untersucht wurden. Ergebnisse zur Verkehrswirksamkeit, zur Schallbelastung und zu den Auswirkungen auf die Umwelt durch die ausgearbeiteten Varianten wurden von den beauftragen Fachgutachtern vorgestellt, verbunden mit Aussagen zur Bautechnik und einem ersten Kostenvergleich.

Diese Varianten für eine B2-Umgehung um Dietfurt werden gerade untersucht. Die Bürger des Ortes bevorzugen die Trasse durch den Dattelberg (Variante 8). © Staatliches Bauamt Ansbach


Von den Vertretern aus Dietfurt und Treuchtlingen wird die Variante 8 bevorzugt, die östlich von Dietfurt durch den Dattelberg mithilfe eines Tunnels verläuft. Diese Variante führt zu einer geringeren Flächenversiegelung gegenüber anderen Varianten und zu einer geringeren Lärmbelastung für die Bewohner Dietfurts.

Allerdings stelle sich bei der Variante 8 die Frage, ob die " geringere Verkehrsqualität" dem Vergleich Stand hält – im Tunnel stehen nur zwei Fahrspuren zur Verfügung und die Geschwindigkeit ist auf 80 Kilometer pro Stunde begrenzt. Demnach sei unklar, ob der Bund als Geldgeber bereit ist, die erheblich höher liegenden Kosten zu tragen, so das Staatliche Bauamt.

Auch die Varianten 1 und 2 sind für das Bauamt weiterhin im Rennen. Diese umfahren Dietfurt im Westen. Sie haben verkehrliche Vorteile gegenüber der Variante 8, weil sie wegen des dreistreifigen Ausbaus sichere Überholmöglichkeit schaffen sollen. Allerdings führen sie zu einem großen Teil durch das Dietfurter Ried, einem artenreichen Auen- und Niedermoorgebiet.

Dass diese beiden Varianten für das Staatliche Bauamt weiterhin ein Thema ist, sorgt für Unmut im Dorf. Denn die Mitglieder der Arbeitsgruppe und die Vertreter aus der Bürgerschaft haben nach eigenen Angaben in der letzten Sitzung über die verbleibenden Varianten abgestimmt und sich einstimmig für den "Dattelbergtunnel" als besten Kompromiss für eine Umfahrung ausgesprochen.

Das Staatliche Bauamt Ansbach sei nun aus planungsrechtlichen Gründen der Meinung, auch die beiden Varianten 1 und 2 einer Westumfahrung noch im Rennen zu halten, da noch einige abschließende Bewertungen von Fachbehörden ausstehen, heißt es von der Arbeitsgruppe.

Einhellige Meinung

Gleichwohl seien die Dietfurter Bürgerschaft sowie der Treuchtlinger Stadtratsfraktionen einhellig der Ansicht, dass diese Varianten kaum Bürgerakzeptanz finden würden und aus Sicht des Landschafts- und Naturschutzes sowie des Lärmschutzes sehr nachteilig wären. In der Arbeitsgruppe sitzen Befürworter und Gegner aller Varianten an einem Tisch.

Unabhängig davon zeichnet sich ab, dass die Varianten 4.1, 4.2, 5 und 7 "wohl kaum auf den vorderen Plätzen landen werden", so Werner Ott, verantwortlicher Projektleiter beim Staatlichen Bauamt Ansbach. Dagegen sprechen der Eingriff in die Altmühl sowie der Grundwasser- und Hochwasserschutz (Variante 5). Außerdem würden die Kosten um ein Vielfaches die beim Bund gemeldeten Kosten für das Vorhaben übersteigen (V 7) oder im großen Stil landwirtschaftliche Flächen sowie alte und hochwertige Waldstrukturen durchschnitten (V 4.1 und 4.2).

Bevor der Variantenvergleich abgeschlossen werden kann, müssen die Planer noch die Einschätzung von Fachbehörden einholen. Für den Herbst sind weitere Treffen der Lenkungs- und Arbeitsgruppe geplant, zudem soll die Öffentlichkeit in einer weiteren Veranstaltung zu den Ergebnissen informiert werden. 

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