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Donnerstag, 22.10.2020

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Osterdorfer halten Puten nach ökologischen Regeln

Familie Gagsteiger stellte von der Milchviehhaltung zur Putenmast um - 11.08.2020 05:57 Uhr

Manfred und Lydia Gagsteiger können ihren Puten ein kleines Paradies am Ortsrand von Osterdorf bieten. Vor gut drei Jahren stellten sie ihren Betrieb von der Milchkuhhaltung auf die Puten um.

© Foto: Jürgen Leykamm


Da könnte mancher Großstädter neidisch werden: Zehn Quadratmeter Auslauf ist den "tierischen, geflügelten Mitarbeitern" auf dem Hof von Manfred und Lydia Gagsteiger in Osterdorf garantiert. Die beiden setzen in ihrem Betrieb auf ökologische Grundsätze und gelten als Pioniere im Landkreis. Sie sind dort bislang die einzigen, die eine Bio-Putenmast betreiben. Wer das Ergebnis genießen will: Am Donnerstag, 20. August, ist wieder Schlachttag.

"Bestellen sollte man aber schon spätestens einen Tag vorher", sagt Manfred Gagsteiger. Halbe oder ganze Pute, zerlegt oder nicht, Kilogrammware – alles ist möglich. Bis zu 100 Tiere sind es jährlich, die der Direktvermarkter entsprechend verarbeitet: Schlachten, ausnehmen, zerlegen aus einer Hand. Für jeden einzelnen Arbeitsschritt galt es einen Kurs zu absolvieren – vom fachgerechten Betäuben angefangen. Derzeit entstehen neue Schlachträume, wo früher einmal die Milchkammer war. Bis Jahresende ist alles fertig – so der Plan.

Danach soll das Sortiment noch ausgeweitet werden. Unter anderem denken die Gagsteigers darüber nach, das Geflügel für ihre Kunden auch zu Bratwürsten zu verarbeiten. Alles begann schon vor knapp sechs Jahren. Just an Weihnachten 2014 bekommen die Gagsteiger Besuch von einem Bio-Putenmäster aus Österreich. Der Kontakt zu ihm ist über eine christliche Gemeinde entstanden, in der sich das Ehepaar engagiert.

Weg von der Milchviehhaltung

Der Funke springt über und so nutzen die beiden den Faschingsdienstag im Folgejahr für einen Gegenbesuch. Von da an werden Nägel mit Köpfen gemacht. Das Ende der Milchkuhhaltung wird besiegelt ebenso wie der Beginn der Bio-Putenmast. Nach kräftezehrenden Stallbaumaßnahmen ist es 2017 soweit: Die ersten weißen Puten marschieren in die Ställe der Gagsteigers ein. Das erste Glück dauert aber nicht lang. Dem Unternehmen, das die Gagsteigers mit ihren Tieren versorgen, bricht ein Abnehmer weg.

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Die Mengenminderung soll das Ehepaar aus Osterdorf abfedern und deswegen über ein Drittel weniger an Tieren einstallen. "Da haben wir dann schon sehr schlucken müssen", erinnert sich Lydia Gagsteiger. "Für jemanden, der gerade erst umgestellt hat, ist eine solche Nachricht betriebswirtschaftlich ein echter Schock", so ihr Ehemann. Doch es gelingt die Neuorientierung, die Auslastung kann wieder zu 100 Prozent erfolgen.

Was die Geflügelrasse anbelangt, haben sich die Gagsteigers ebenso umorientiert. Statt auf weiße setzen die Naturland-Partner heute auf die robusten, schwarzen Kelly-Bronze-Puten. Die beiden Ställe sind insgesamt über 900 Quadratmeter groß und verfügen über geräumige Wintergärten (Kaltscharrräume), dazu gesellen sich riesige Auslaufflächen mit verschiedenen Strukturelementen. Insgesamt 1500 Tiere tummeln sich hier, nach Geschlecht getrennt. Für Fuchsabwehr ist natürlich gesorgt und "über den Wolf machen wir uns aktuell noch keine Gedanken", so das Ehepaar.

Auch Braugerste für Bier angebaut

Für das Futter können die Gagsteigers bei 35 Hektar nach den Kriterien des Ökolandbaus bewirtschafteter Agrarnutzfläche (das meiste davon ist Grünland) aus dem Vollen schöpfen. Je nach Gemengelage gibt es wie etwa heuer viel Roggen für die Puten. Natürlich ist nicht alles für das liebe Vieh. Speisegetreide steht auch auf den Feldern, heuer zum ersten Mal Dinkel. Mit der Braugerste wird die Neumarkter Lammsbräu beliefert.

Nicht viele Menschen haben das, was für die geflügelten Tiere in Osterdorf eine Selbstverständlichkeit ist: einen Wintergarten.

© Foto: Jürgen Leykamm


Bei der Umstellung auf Puten gab es natürlich einige Feinheiten zu beachten: Die Hühner etwa mussten vom Hof verbannt werden – deren Krankheitserreger bilden für Truthähne und -hennen große Gefahren. Und wenn doch einmal die Keime zuschlagen: "Selbst Biobauern dürfen einmal im Leben eines Tieres mit Antibiotika behandeln", so Manfred Gagsteiger. Und bei Starkregen müssen eben auch die Bio-Puten mal "drinnen" bleiben.

Mehrere Standbeine

Froh sind die Osterdorfer über die vielen Standbeine ihres Betriebes: Als die Putenmast Schwierigkeiten bereitete, konnte man auf Einnahmen aus der Vermietung von Ferienwohnungen zählen. Als diese Gelder aufgrund Corona wegbrachen, erfreute man sich umso mehr Zufluss aus der Mast. Außerdem hat man als Ferien- und Erlebnishof so einiges zu bieten. Bald soll ein neuer Indoor-Spielplatz an den Start gehen.

Auch als Vertreter des Ökolandbaus ist der Hof am Puls der Zeit. Im Freistaat herrscht hier noch gewaltig Luft nach oben, wie Elisabeth Remlein vom Fachzentrum ökologischer Landbau am Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten in Neumarkt beim Ortstermin anmerkt. Keine elf Prozent der bayerischen Agrar- sind auch Biobetriebe. Und keine zwölf Prozent der landwirtschaftlichen Fläche wird biologisch bewirtschaftet. "Da fehlt schon noch einiges bis zu den angestrebten 30 Prozent!" bemängelt Remlein.

Vielleicht finden Landwirte nach einem Besuch bei den Gagsteigers, die auch Hofführungen anbieten, Gefallen an einer Umstellung. Dass regionales Bio-Geflügelfleisch nicht nur ökologisch sinnvoll ist, sondern auch bestens schmeckt, davon können sich alle am kommenden Schlachttag überzeugen, sofern sie pünktlich bestellt haben.

Weitere Informationen gibt es online unter www.erlebnishof-gagsteiger.de

Erkennen Sie diese Lebensmittel im Naturzustand?

Wie sehen die Lebensmittel, die wir täglich konsumieren, eigentlich im Naturzustand aus? Manches erkennt man als Blüte oder Pflanze nur sehr schwer. Testen Sie hier Ihr Wissen!

Frage 1/11:

Zu welcher Planze gehört diese Blüte?

Gewusst? Das Gewürz Safran wird aus einer Blüte gewonnen, die zu den Krokussen gehört. Sie blüht im Herbst violett und kann dann geerntet werden.

Frage 2/11:

Was wächst hier Leckeres heran?

Pistazienbäume können hunderte Jahre Früchte tragen. Dabei wechseln sich ertragsarme mit Mastjahren ab. Im September können die Pistazien geerntet werden.

Frage 3/11:

Wo wächst die Ananas?

Die Ananas gehört zu der Familie der Bromeliengewächsen. Nach dem Anbau trägt die Pflanze nach etwa 14 bis 16 Monaten zum ersten Mal Früchte.

Frage 4/11:

Was wird an diesen Bäumen geerntet?

Die Früchte des Mandelbaums sind nicht nur unbehandelt sehr beliebt: Man kann sie außerdem für Mus, Mehl, Öl oder Marzipan nutzen.

Frage 5/11:

Was wird aus diesen Pflanzen hergestellt?

Der Ursprung des Zuckerrohrs liegt in Polynesien. Die Pflanzen enthalten einen süßen Saft, der für die Zuckerproduktion ausgepresst wird.

Frage 6/11:

Was wächst auf diesem Feld?

Die Früchte der Erdnuss sind botanisch gesehen eigentlich Hülsenfrüchte. Sie gehören zu derselben Unterfamilie wie beispielsweise Erbsen.

Frage 7/11:

Was entsteht aus diesem Orchideengewächs?

Die Vanille ist ein Gewürz, das aus den fermentierten Schoten verschiedener Arten der Orchideen-Gattung Vanilla gewonnen wird.

Frage 8/11:

Welches Lebensmittel wächst hier?

Übrigens: 80 % der Weltreisernte werden im Nassreisanbau erzeugt. Dafür braucht es zwischen 3000 und 5000 Liter fließendes Wasser für ein Kilogramm Reis.

Frage 9/11:

Was kann man mit diesen Früchten herstellen?

Kaffee ist die richtige Antwort! Für eine gute Ernte benötigten die Kaffeesträucher übrigens ein ausgeglichenes Klima ohne Temperaturextreme - das heißt, ohne zu viel Sonnenschein und Hitze.

Frage 10/11:

Was blüht hier so schön?

Übrigens: Die Artischocke wurde 2003 zur Arzneipflanze des Jahres gewählt, weil ihr beispielsweise eine appetitanregende, verdauungsfördernde und cholesterinsenkende Wirkung zugeschrieben wird.

Frage 11/11:

Wo wächst die Kakaobohne?

Im ursprünglichen Zustand haben die Kakaobohnen einen scharfen und bitteren Geschmack. Das ändert sich erst durch die weitere Verarbeitung. 

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Dann hier entlang!

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