Dienstag, 07.07.2020

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Präzisionssport Beer Pong: Treuchtlinger sind Spitze

Die vier erfolgreichsten Spieler Deutschlands kommen aus Altmühlfranken - 12.08.2017 06:04 Uhr

Michael Neubauer, Christian Rudat, Martin Wagner und Christian Schwenk (von links) aus Treuchtlingen und Umgebung haben sich zum Beer Pong Club Franken zusammengeschlossen und sind derzeit die erfolgreichsten Beer-Pong-Spieler Deutschlands. © Benjamin Huck


Nein, betrunken an den Start zu gehen, wäre ziemlich sinnlos. Zwar könnte der Alkohol die Nervosität etwas lindern, doch damit geht auch die Zielgenauigkeit flöten. Michael Neubauer, Christian Rudat, Martin Wagner und Christian Schwenk wissen, wovon sie reden. Sie stehen derzeit ganz oben auf der Rangliste der deutschen Beer-Pong-Spieler.

Beer Pong, dieses Trinkspiel aus den USA, das dort auf keiner Studentenfete fehlen darf: Mit einem Tisch­tennisball versuchen die Spieler, in die mit Bier gefüllten Becher des Gegners zu werfen. Der muss die getroffenen Becher dann austrinken. Auch bei den Jungs aus Treuchtlingen, Bubenheim, Weißenburg und Büttelbronn hat alles zunächst als Spaßspiel angefangen. Etwa sechs Jahre sei das her, erinnert sich Michael Neubauer. In einer Dorfwirtschaft in der Region machten die vier bei einem Wettbewerb mit. So erfuhren sie von der Liga und beschlossen, daran teilzunehmen.

Der Österreicher Michael Grohs hat 2009 die Internetseite bierpong.at gegründet. Auf ihr können Spieler ihre Begegnungen eintragen. Eine Ranglis­te zeigt den Stand. Zwar gibt es keinen Beer-Pong-Dachverband, organisiert sind die Gruppen aber trotzdem.

Je nach Landesverband sind die Regeln unterschiedlich. Üblicherweise wird Beer Pong im Modus einer gegen einen oder zwei gegen zwei gespielt. Die Teams werfen auf eine Dreiecksformation von Bechern auf der gegenüberliegenden Seite des Spielfelds - je nach gewünschter Spieldauer auf sechs, zehn oder 15 Becher. Wer zuerst alle Becher des Gegners getroffen hat, gewinnt.

Chris­tian Rudat und Michael Neubauer wurden erst Anfang Juli Schweizer Meister. Das bedeutet allerdings nur, dass sie bei den dortigen Meisterschaften an den Start gegangen sind und gewonnen haben. Ihre Nationalität ist egal, so ist das auch bei den Deutschen Meisterschaften. Dort waren zuletzt Teams aus Deutschland, Österreich der Schweiz, Italien, Serbien und Ungarn dabei.

Es zählt nur das Ergebnis am Wettkampftag, eine Liga mit mehreren Entscheidungsspielen gibt es nicht. Bei den Qualifikationsturnieren kann jeder mitmachen. Am Ende kommen meist die besten 32 Teams weiter, doch das ist ebenfalls unterschiedlich.

Erfolg in Las Vegas

Über 6500 Kilometer sind die vier Altmühlfranken heuer schon gereist, um zu Wettkämpfen zu kommen. Manche waren sogar schon in Las Vegas, wo jedes Jahr die Weltmeisterschaft ausgetragen wird. "Wer nationaler Meis­ter wird, gewinnt oft die Teilnahme am Wettbewerb in Las Vegas", sagt Neubauer, der schon mehrmals in der Casino-Stadt war und in der Schweiz nun erneut das Ticket gelöst hat.

Finanziert wird das alles von den Startgebühren, die bei jedem Turnier anfallen. In den Spielbanken sind auch die Tische aufgebaut, dort treten die Mannschaften gegeneinander an. In Europa sind die vier Jungs aus der Region spitze, und auch bei den Weltmeisterschaften in Las Vegas waren sie zuletzt das beste nichtamerikanische Team - auf Platz 48 von über 260 Teams. Bei professionellen Wettbewerben ist allerdings schon lange kein Bier mehr im Becher, das die Spieler eigentlich leertrinken müssten, wenn der gegnerische Ball darin landet.

Wer selbst Beer Pong ausprobieren möchte, muss dagegen nicht weit fahren. Erst kürzlich, beim Treuchtlinger Volksfest, hat der Beer-Pong-Club ein Turnier organisiert. Einmal im Monat laden die vier Jungs in der Gegend zum Wettbewerb ein, auch in der Treuchtlinger Stadthalle. Mindes­tens 18 Jahre müssen die Teilnehmer alt sein, eine Grenze nach oben gibt es nicht. "Wir kennen eine Mannschaft vom Bodensee, in der spielt ein 87-Jähriger mit. Er hat zwar eine eigenartige Wurftechnik, trifft aber", sagt Martin Wagner.

Fast jedes Wochenende ist in irgend­einer Stadt in Europa ein größerer Wettbewerb. Fast jedes Wochenende geht für das Hobby drauf. "Neben Familie und Freundin bleibt dann nicht mehr viel Zeit für andere Dinge", erklärt Christian Rudat, der fürs Beer Pong sogar das Fußballspielen im Verein aufgegeben hat: "Im Fußball war ich in der Gaudiklasse, jetzt bin ich in der Champions League beim Beer Pong." In den fünf Juliwochen hat er an vier Turnieren teilgenommen.

In der Jahreswertung von bierpong.at steht das Team MAC - die Abkürzung steht für Michael Neubauer und Christian Rudat - mit 295 Punkten auf Platz eins. Auf Platz drei mit 274 Punkten folgen die "Warriors" Martin Wagner und Christian Schwenk. Auch die Einzelwertung führen Rudat, Neubauer und Wagner mit Abstand an. Christian Schwenk ist auf Rang sechs. Vor zwei Jahren hatte das Quartett mit dem Deutschen Meistertitel den ersten großen Erfolg. Damals gab es auch das Flugticket nach Las Vegas.

Turniere in der Stadthalle

Die nächsten Beer-Pong-Wettbewerbe stehen schon fest im Terminkalender der vier Jungs - seien es nationale Meisterschaften oder Spaßspiele auf Kirchweihen. Im September wollen sie auch wieder in Treuchlingen ein Turnier organisieren. Am 1. April fand mit den "Frankenmasters" der letzte große Wettbewerb in der Stadthalle statt. 77 Teams waren gemeldet, jedes spielte vier zufällige Partien, die von einem Computerprogramm zugelost wurden. Die besten 32 standen sich dann in K.o.-Runden gegenüber. Nach fünf Minuten kann eine Partie vorbei sein, manchmal dauert es auch länger.

Für ihre Treuchtlinger Wettbewerbe haben sich die Organisatoren ein Zeitlimit von 20 Minuten pro Spiel gesetzt. Denn es ist durchaus möglich, dass es in die Verlängerung geht. Und dann wird so lange gespielt, bis der Gegner keine Würfe mehr übrig hat. Antreten können auch gemischte Mannschaften und reine Frauenteams. Die Bedingungen sind dieselben. Inzwischen haben Neubauer, Rudat, Wagner und Schwenk sogar für die speziellen Beer-Pong-Tische Sponsoren aus der heimischen Wirtschaft gefunden, deren Werbung auf den Tischen prangt.

Um Geld zu verdienen, veranstalten die vier die Wettbewerbe nicht. Einnahmen und Kosten halten sich gerade die Waage. Die Jungs vom Beer-Pong-Club Franken möchten vielmehr den jungen Erwachsenen in der Region - die meisten Teilnehmer sind zwischen 20 und 35 Jahre alt - etwas abseits der bekannten Veranstaltungen bieten.

Trotz der zahlreichen Erfolge, den durchschnittlich zwei Trainingseinheiten pro Woche und den tausenden Kilometern auf der Straße steht der Spaß für die vier weiterhin im Fokus. "Es geht bei den Turnieren immer fair zu, und es sind inzwischen Freundschaften mit Teams aus den anderen Städten und Ländern gewachsen", sagt Wagner. Und auch die Security-Mitarbeiter seien immer ganz überrascht, wie gesittet die Wettbewerbe ablaufen. Ganz klar: Wer betrunken an den Start geht, gewinnt nicht.

Benjamin Huck Treuchtlinger Kurier E-Mail

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