Putzaktionen: Treuchtlinger säubern Kernstadt und Ortsteile

10.5.2021, 13:01 Uhr
In Schambach sieht ein bewährtes Jungenquartett nach dem Rechten: Lukas und Leon Wissinger, David Rachinger sowie Tim Hüttinger (von links).

In Schambach sieht ein bewährtes Jungenquartett nach dem Rechten: Lukas und Leon Wissinger, David Rachinger sowie Tim Hüttinger (von links). © Foto: Jürgen Leykamm

Recht provokativ werden die Teilnehmer zum Start der Umweltaktion „Saubere Stadt Sauberes Dorf" begrüßt: Am Altglascontainer lehnt entspannt eine Tüte, deren einstiger Besitzer nach einem anderen, mehr als fraglichen Motto handelte: "Schnell gegessen – schnell falsch entsorgt". Ein Klassiker unter den Aktionsfunden, die heuer auch deutlich im Zeichen der Corona-Pandemie stehen.

Erfreulicherweise aber wissen etliche Zeitgenossen die Wertstoffcontainer in der Josef-Lidl-Straße richtig zu nutzen. Einige von ihnen sind zum Aktionsstart dabei zu beobachten, wie sie Gläser farblich korrekt sortiert in die entsprechenden Behälter plumpsen lassen. Den Teilnehmenden selbst wird gern noch ermunternd zugerufen: "Toll, dass Ihr heute so schönes Wetter habt!"

Müllgreifer und Handschuhe für alle

Etwas getrübt wird die Stimmung durch die überschaubare Zahl der freiwilligen Müllsammler, die es am Startpunkt gerade einmal auf rund zwei Dutzend bringen. Derweil verteilt Jan Schneider vom Ordnungsamt schon fleißig die Utensilien: Müllgreifer und -tüten sowie Handschuhe. Und er weiß auch, warum hier keine große Schar versammelt ist. "Viele haben sich gleich in ihren Dörfern getroffen und sind von dort aus losgegangen", lobt er das dortige Engagement.

Regen sich vor allem über die Hinterlassenschaften von Rauchern auf: Lore Glungler und Renate Früh, als sie sich mit Leiterwagen von Dietfurt auf zum Burgstall machen.

Regen sich vor allem über die Hinterlassenschaften von Rauchern auf: Lore Glungler und Renate Früh, als sie sich mit Leiterwagen von Dietfurt auf zum Burgstall machen. © Foto: Jürgen Leykamm

Begeistert ist Bürgermeisterin Kristina Becker darüber, dass der generationsübergreifende Ansatz auch im Jahr 39 der Aktion greift: Erwachsene, Jugendliche, Kinder – sie alle machen sich auf den Weg. Die Beute werde wohl heuer besonders ergiebig ausfallen, da sie letztes Jahr coronabedingt nicht habe stattfinden können, vermutet die Rathauschefin.

"Und wahrscheinlich ist auch mehr als sonst aus den Autofenstern geflogen", befürchtet sie. Die vielen "To-go"-Angebote der Gastronomie ließen dies erahnen. Die Zahl der Spaziergänger sei in Pandemiezeiten ebenso drastisch nach oben gegangen – und so wohl im gleichen Maße die Hinterlassenschaften entlang der Wege.


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Die Bürgermeisterin selbst nimmt nicht beim Sammeln teil, es ruft eine Delegiertenkonferenz. Doch aufgeschoben ist nicht aufgehoben. Sie ist in den Reihen des Reitvereins am kommenden Wochenende für die Umwelt aktiv. Ein Beispiel, dem etliche weitere Vereine folgen, deren Mitglieder (nicht nur) um ihr jeweiliges Vereinsgelände für Sauberkeit sorgen. An den Schulen findet der Ruf der Umweltaktion gleichfalls Gehör: Statt Sportstunden gibt es Bewegung anderer Art – zum Nutzen der Natur.

Nützlich für die Sauberkeit im Allgemeinen kann ein Besen sein. Aber nicht, wenn er achtlos am Bahnhofsgelände weggeworfen wird und von den Trachtenvereinsmitgliedern wieder aufgesammelt werden muss. Es bleibt beileibe nicht das einzige Fundstück. "Hier liegt sehr viel Pappe herum", bedauern die Geschwister Patricia und Dominik Christoph. Florian Baum, selbst nicht Mitglied es Trachtenvereins, ist ebenso Teil des Teenager-Sammler-Trios. Alle drei sind schon seit Kindertagen mit dabei.

In den Ortsteilen füllen sich die Mülltüten ebenso recht zügig: Putzlumpen, Reste von Plastikplanen, Flaschen oder eine leere Whiskey-Cola-Dose sammelt gleich zu Beginn ein Jungenquartett in Schambach auf.

Traktor musste helfen

"Wir haben auch bereits Schaukelpferde entdeckt. Manchmal kam so viel zusammen, dass wir es mit dem Traktor abtransportieren mussten". Entlang der B 2 sei heuer ebenso "To-go" Trumpf gewesen: "An Kaffeebechern und Brotzeitverpackungen gab es so einiges aufzuklauben."

Über weggeworfene Kippenreste wiederum ärgern sich zwei Damen aus einem insgesamt 15-köpfigen Dietfurter Sammlerteam.

Den Kurpark wiederum befreiten regelmäßig die Bauhofmitarbeiter vom Unrat. Trotz aller offizieller und ehrenamtlicher Bemühungen aber "handeln viele einfach weiterhin verantwortungslos", bedauert der Ordnungsamtsvertreter. Was zudem immer wieder von Lesern unserer Zeitung bemängelt wird.


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Wenn er mit seinem Hund spazieren gehe, habe er sich schon so manches Mal angesichts weggeworfenen Spielzeugs inklusive Skateboards wie "Alice im Wunderland" gefühlt, sagt einer von ihnen sarkastisch. Das Gebiet um die Lok sei vor einigen Monaten etwa "vollkommen vermüllt" gewesen. Auch der achtlose Umgang mit Essen stößt ihn sauer auf: Unter anderem in Form von aufgerissenen Chipstüten etwa, die noch fast voll einfach in der Flur landen.

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