Montag, 21.10.2019

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Rampe am Bürgerhaus: Zu steil oder ein guter Kompromiss?

Mehr als 6 Prozent Neigung - Barrierefreiheit im Altbau kaum möglich - 16.09.2019 05:57 Uhr

Günstiger Kompromiss oder Fehlplanung? Um diese Rampe am Treuchtlinger Bürgerhaus gab es bei der Bauausschusssitzung Uneinigkeit, dank eines Vorschlags von TBL-Stadtrat Hans König ist eine Lösung nun aber in Sicht. © Foto: Benjamin Huck


"Die richtigen Maße waren da und plötzlich wird diese Rampe geliefert, die nicht der Norm entspricht", ärgert sich Thomas Latteier von der Projektgruppe Bürgerhaus Treuchtlingen. Grund für den Unmut ist eine für Rollstuhlfahrer und Rollatornutzer gedachte Rampe am Seiteneingang des Bürgerhauses, die eine zwölf Zentimeter hohe Stufe überbrücken soll.

Die Metallrampe wurde im vergangenen Herbst auf Wunsch der Projektgruppe angebracht, um mehr Menschen einen möglichst barrierefreien Zugang ins Bürgerhaus zu ermöglichen. Doch richtig barrierefrei war dieses Exemplar nie, dazu hätte die Rampe nach der DIN 18040 ausgeführt werden müssen. Dies sei jedoch aufgrund der baulichen Situation am Bürgerhaus nicht möglich, heißt es aus der Stadtverwaltung.

Die Folge: Die aktuelle Rampe hat eine Neigung zwischen 9 und 11 Prozent – hier gehen die Angaben von Stadt und Projektgruppe auseinander –, also deutlich mehr als die vorgeschriebenen 6 Prozent. Damit sei die Rampe zu steil, der Rollstuhl könnte sogar nach hinten umkippen. Zudem sind die Seitenränder nicht 10 Zentimeter hoch, sondern niedriger. Für Rollstuhlfahrer sei dies gefährlich, da sie seitlich abrutschen könnten, meint Rudolf Hermann vom Seniorenbeirat.

Eine Fehlplanung

Der engagierte Rentner bezeichnet die Rampe deshalb als Fehlplanung und fordert einen Austausch. Doch vonseiten der Stadtverwaltung war klar, dass es nur zwei Varianten geben kann: entweder bleibt die nicht normgerechte Rampe, oder sie kommt ganz weg. Der Bauausschuss des Stadtrats hat sich das Corpus Delicti nun vor Ort angesehen. Bürgermeister Werner Baum sagt dazu, dass ein barrierefreier Ausbau nie geplant war, denn dies sei im Inneren des Hauses auch nicht möglich. Zudem seien im Bürgerhaus meist noch andere Menschen anwesend, die im Falle des Falles einem Rollstuhlfahrer helfen könnten.

Doch das genügt den Mitgliedern der Projektgruppe nicht. Nach Auskunft von Thomas Latteier hätten schon Teilnehmer abgesagt, weil sie nicht ins Bürgerhaus kommen. Seine Mitstreiter und er fordern die Stadt auf, eine DIN-gerechte Rampe zu bauen, die wohl mit etwa 4000 Euro zu Buche schlagen würde.

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Doch mit der Rampe alleine wäre es nicht getan: So muss zwingend vor der Tür ein Podest gebaut werden, auf dem ein Rollstuhlfahrer stehen kann, um die Tür zu öffnen.

Die Diskussion dreht sich gewissermaßen im Kreis und ist schon kurz vor einem ergebnislosen Ende, als Stadtrat Hans König (TBL) die für alle zufriedenstellende Lösung präsentiert: "Warum pflastern wir nicht einfach den Vorplatz neu und stellen so eine Rampe her?" Die entsprechende Fläche ist etwa drei mal drei Meter groß. Eine Pflasterung durch den Bauhof sei günstiger als eine neue Rampe, so König, außerdem könnten ja vielleicht ein paar fitte Mitglieder der Projektgruppe Bürgerhaus bei den Arbeiten helfen.

"Das wäre die beste Lösung", sagt der ehemalige Vorsitzende des Seniorenbeirats, Alfred Keil. Auch die Mitglieder des Bauausschusses können der Idee viel abgewinnen, sie soll bald umgesetzt werden.

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