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Raser, Lärm und Geld bewegen Treuchtlingen

Bürgerversammlung in der Kernstadt war besser besucht als in den Vorjahren - 24.04.2019 12:18 Uhr

Deutlich mehr Bürger als im Vorjahr wollten bei der finalen Treuchtlinger Bürgerversammlung in der Kernstadt von Bürgermeister Werner Baum wissen, wohin die Altmühlstadt verkehrstechnisch, finanziell, baulich, sozial und politisch steuert. © Patrick Shaw


Dabei stand Bürgermeister Werner Baum rund 110 der 7944 Bewohner der Kernstadt (Vorjahr 7906) sowie der 13 167 Bürger der Gesamtkommune (Vorjahr: 13 136) Rede und Antwort. Kopfschütteln gab es im Publikum zu Beginn über die nach Mängeln nötige "Neubau-Sanierung" der Senefelder-Schule, Lob für den Umzug des Wochenmarkts auf den Wallmüllerplatz. Eine breite Diskussion entwickelte sich über die mögliche Erhöhung der Wasserfördermenge für die Firma Altmühltaler.

In Sachen Altmühltherme wollte ein Bürger wissen, wie viel Geld die Stadt nun mehr einnehme, nachdem die Rede von 60 Prozent mehr Besuchern war. Badchef Ulrich Schumann stellte richtig, dass diese Zahl auf der deutlich niedrigeren Schätzung für das Familien- und Aktivbad während der Umbauzeit basiere. Er gehe "von zwei bis drei Vollbetriebsjahren aus, bis die Planzahlen erreicht werden". Immerhin schreibe das Aktivbad aber schon jetzt höhere Gästezahlen als vor der Modernisierung und werde den kalkulierten Jahresumsatz von 233 000 Euro heuer wohl schon zum Halbjahr erreichen.

Etliche gefährliche Ecken

Kritik an der Verkehrssituation gab es zum wiederholten Mal von Anwohnern des Schlossbergs. Dort werde trotz Anliegerstraße, vier Metern Breite und Bodenschwellen viel zu schnell gefahren. Messungen seien schön und gut, brächten aber nichts, wenn den Temposündern kein Bußgeld drohe. "Ich kann doch als Bürgermeister nicht die Aufgaben der Polizei übernehmen", hielt Baum dem entgegen. Der Stadtrat habe mit dem geplanten Verkehrsmanagement "eine weiterreichende Entscheidung getroffen" und hoffe, dass sich diese auszahle.

Brenzlige Situationen gibt es auch immer wieder an Zebrastreifen und Fußgängerampeln, etwa in der Hauptstraße oder vor der Senefelder-Schule. Er selbst könne einer innerstädtischen Tempo-30-Zone einiges abgewinnen, erklärte der Rathauschef. Diese könne dem staatlichen Bauamt zufolge sogar "von der Neuen Apotheke bis zum Rathaus reichen".

Allerdings bedeute dies, dass auch die vorhandenen Zebrastreifen entfernt würden, statt beispielsweise den früheren Überweg am Wallmüllerplatz wieder neu zu markieren, wie es sich einige Bürger wünschen. Denn die wenigsten Unfälle passieren laut Baum dort, wo Schilder und Markierungen auf ein Minimum reduziert sind. Ein Fahrlehrer wies überdies darauf hin, dass es "fast immer die eigenen Nachbarn sind", die rasen und drängeln.

Manchmal ist teuer besser

Nicht einer gewissen Ironie entbehrte die Frage, was die geplante Verkehrsüberwachung den Steuerzahler koste. "Nichts, weil sie sich über die Bußgelder tragen soll", lautete die Antwort des Stadtoberhaupts. Wenn diese Rechnung aber nicht aufgeht, wäre das sogar noch besser, hieße es doch, dass es dafür (zu) wenig Verkehrssünder gibt.

Am Brühl stören sich viele Anlieger neben dem Tempo der Autos weiterhin an diversen Lärmquellen. Die Raser sollen bald die derzeit in der Bahnhofstraße stehenden Pflanzkübel ausbremsen – dort werden kleinere Exemplare aufgestellt. Für die Überdachung der lärmträchtigen Terrasse der Gaststätte "Mocambo" (Freizeitheim) läuft dem Rathauschef zufolge der Bauantrag, und die Hochschule werde ihre Freiluftarena künftig verstärkt videoüberwachen, um unerlaubte Gäste zu verscheuchen. Die Familien, die sich am Wochenende auf den Sportplätzen zum Picknick treffen, seien dagegen nach Auskunft des Platzwarts "vertretbar" und würden kaum Schäden anrichten.

Sorgen bereitet einigen Anwohnern auch das geplante Wohn- und Geschäftshaus mit Bäckereicafé am Thermalbad-Kreisverkehr. Bürgermeister Baum bestätigte, dass dort eine Außenbewirtung und eine Anlieferung bis 22 Uhr beantragt seien. Aktuell gehe es aber nur um den Bebauungsplan – ein Bauantrag, der diese Parameter festzurren würde, liege noch gar nicht vor. Der Stadtrat werde sich fristgerecht mit den Einwänden der Anlieger befassen.

"Ghetto" im Winkel?

Über einen "Ghetto-Spielplatz" ärgern sich die Familien im Baugebiet Winkel-Süd. Seit vier Jahren tue sich in dem als "exklusives Familienbaugebiet" beworbenen Quartier diesbezüglich nichts. Rathauschef Baum versprach Besserung, besonders für kleine Kinder. Für die größeren gebe es zudem "einen Riesenspielplatz im angrenzenden Wald". Den Wunsch einer Bürgerin, die Familien an der Planung zu beteiligen, greife er ebenfalls gern auf – dies habe die Stadt auch schon in Graben und an der Denkmalslok so gehandhabt.

Bei der Überführung des ehemaligen Stadtkrankenhauses an den Bezirk als Bauherrn der neuen psychosomatischen Fachklinik wird laut Baum "noch heuer festgelegt, ob und was vom alten Krankenhaus stehenbleibt". Das städtische Pflegeheim werde zum Jahresende oder Anfang 2020 abgerissen.

Ein Bürger beklagte in diesem Zusammenhang den Umgang der Stadt mit den einstigen Mitarbeitern. Diesen habe das Klinikum Altmühlfranken teils nur 15-Stunden-Stellen angeboten mit dem Verweis, dass sie sich "eben einen Zweitjob suchen müssten". "Wir haben das Krankenhaus nicht ohne Weiteres geopfert", hielt Baum dem entgegen. Die Stadt entlaste damit ihren Haushalt um jährlich rund eine Million Euro und habe hohe Abfindungen gezahlt.

Konkrete Zahlen hatte das Stadtoberhaupt auf die Frage nach den Kosten für die nächtliche Beleuchtung von Rathaus, Burgruine, Kurpark, Wallmüllerplatz und weiteren Einrichtungen parat. Ein Bürger hatte diese als "Geldverschwendung und rücksichtslos gegenüber Wildtieren" kritisiert. Die Kurpark-Beleuchtung schlägt mit jährlich 1700 Euro zu Buche, die aller anderen Objekte mit 1500 Euro. "Viele Bürger wünschen sich sogar eine Ausweitung", so Baum.

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