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Samstag, 24.08.2019

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Rehlingen: Test für die Silphie als Alternative zum Mais

Pflanze auf Nordamerika wächst auch auf Äckern, die nicht so günstig gelegen sind - 12.08.2019 05:58 Uhr

Durch ihre gelbe Blüten erinnert die Silphie aus der Ferne an Sonnenblumen. Bei der Feldbesichtigung in der Nähe von Rehlingen konnten die Teilnehmer einen genauen Blick auf die Pflanze werfen.; © Jürgen Leykamm


"Alles, außer Tiernahrung" – dieser Satz aus einem alten Werbespruch kann einem durchaus in den Sinn kommen, wenn man die Experten über die "durchwachsene Silphie" reden hört. Eine Pflanze, die ein echter Alleskönner zu sein scheint, nur eben als Tierfutter ungeeignet ist. Doch so ganz stimmt das nicht – denn die Bienen lieben sie heiß und innig. Was sie sonst noch so zu bieten hat, wurde nun bei einem Feldtermin nahe Rehlingen deutlich.

Der Korbblütler ist eigentlich in Nordamerika zuhause, wird aber auch hierzulande langsam heimisch. Als Pionier im Landkreis gilt der Hüssinger Friedrich Völklein, der schon Mitte des vergangenen Jahrzehnts auf die alternative Energiepflanze zu setzen begann. Derzeit sind es laut Pflanzenbauberater Ernst Hilmer vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) Weißenburg in ganz Altmühlfranken sechs Hektar, auf denen sie Ertrag liefert. Auf einer ebenso großen Gesamtfläche wurde sie heuer neu angebaut. Damit hat sich innerhalb eines Jahres die Anbaufläche verdoppelt, auch wenn sich die Hektarsumme immer noch bescheiden liest.

Der Rehlinger Bernd Schabdach hat die Silphie im vergangenen Jahr von einer Firma auf 1,3 Hektar ansäen lassen. Heuer nun hat die Dauerkultur schon eine beträchtliche Wachstumsgröße erreicht. Bis zu dreieinhalb Meter hoch kann die Silphie empor sprießen. Mit dem Feldstück gab es zuvor Probleme: Ein Waldschatten hinderte die Reifung der Feldfrüchte, die leicht abschüssige Lage mit temporär Wasser führenden Bächlein am Rande machte den Pflanzenschutz schwierig. Der neue Pflanzenstar aus Übersee kommt damit aber gut zurecht. Allerdings musste Schabdach erst die Ärmel weit hochkrempeln – denn vor der Saat braucht es eine intensive mechanische Bodenbearbeitung.

Bisher haben sich die Mühen gelohnt: "Mit dem Bestand bin ich zufrieden", sagt Schabdach im Gespräch mit den Landwirten und anderen Interessierten. Als Bankbetriebswirt setze er auch beim "Anbau-Portfolio auf Diversifikation" – und nicht nur bei der finanziellen Anlageberatung. Ralf Brodmann, der als Landwirt und als Geschäftsführer der "Metzler und Brodmann Saaten GmbH" über langjährige Erfahrungen mit der Energiepflanze verfügt, konnte Schabdach fürs kommende Jahr versichern, dass sie auf seinem Feld "ihr Potenzial noch stark nach oben schrauben wird."

Bernd Schabdach (links) ist überzeugt, dass der Entschluss zum Silphie-Anbau der richtige war. Rückhalt bekommt er dabei von seiner Familie: der Ehefrau Susanne und den beiden Kindern Verena und David. Mit im Bild Bienenpakt-Initiator Manuel Westphal (rechts), Silphie-Experte Ralf Brodmann und AELF-Chef Hans Walter (von links). © Foto: Jürgen Leykamm


Der Unternehmer wusste etliche Vorteile des leistungsstarken Biomasseproduzenten aufzuzählen, der etwa über einen langen Blühhorizont verfügt und damit auch im August das Auge erfreut, wenn sonst auf den Feldern nicht mehr viel zu sehen ist. Dass die Silphie nur zur Verwertung in Biogasanlagen genutzt werden kann, ist für Brodmann kein Nachteil. "So sind wir mit ihr aus der Teller-oder-Tank-Diskussion heraus", so das Argument.

Über den hochwertigen Pollen freuten sich unzählige Insekten, die dann wiederum als Vogelnahrung dienten. Die Silphie sei der Bienengesundheit zuträglich und der Mensch freue sich über leckeren Honig. Auch die Hasenpopulation wachse dort an, wo Silphienfelder stehen. Selbst Unkräuter und Wildschweine schafften es nicht, die Erträge zu schmälern.

15 Jahre nutzbar

Nutzbar sei die Energiepflanze bis zu 15 Jahre – ohne dass sie erneut angesät werden müsse, was Arbeitskraft, Maschineneinsatz und Treibstoff spare. Und nicht zuletzt verfüge die Pflanze über ein ausgeprägtes Staudenwurzelwerk, das für einen gesunden Boden sorge. Und damit für Erosions- und folglich auch für Gewässerschutz. "Allein die Zahl der Regenwurmarten verdoppelt sich," führte Brodmann als Beweis an. Kohlendioxid werde verstärkt in der Erde gebunden, was wiederum dem Klimaschutz dienlich sei. Dazu trage auch der regionale Wirtschaftskreislauf bei, der dadurch entsteht, dass die Silphie in die Biogasanlagen der Region wandert und von dort die Gärreste wieder als natürlicher Dünger auf jenen Feldern landet, wo diese Pflanze steht.

Finanziell stimme die Bilanz auch, ließen sich doch über sie gerade schlechte Böden noch aufwerten. Es sei "der vielfältige Nutzen", der überzeuge, so AELF-Leiter Hans Walter. "Unsere Landwirte denken an die Zukunft – und bauen Silphie an!", prognostizierte er eine weitere Zunahme der Anbaufläche, wofür auch verschiedene Fördermöglichkeiten ausgelotet werden könnten.

Für Landtagsabgeordneten Manuel Westphal stellt der Silphie-Anbau einen weiteren Baustein des von ihm vor einem Jahr initiierten Bienenpakts dar. Über ihn werden etwa Blühpatenschaften vermittelt und Flächen von Photovoltaikanlagen oder Sportvereinen begrünt. Auch Unternehmer, Kommunen und nicht zuletzt die Bürger selbst will Westphal noch mehr mit ins Boot holen. Denn nur mit gemeinsame Anstrengungen könne der Artenvielfalt geholfen werden.

Testen Sie Ihr Wissen in unserem Nachhaltigkeits-Quiz

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Finden Sie heraus, wie gut Sie sich in Sachen Umweltschutz, Klimawandel oder Nachhaltigkeit auskennen. Wir haben acht Fragen aus unserem Alltag herausgepickt mit jeweils drei Antwortmöglichkeiten - aber nur eine davon stimmt. Am Ende sehen Sie, wie Sie abgeschnitten haben.

© Julius-Maximilians-Universität Würzburg (dpa)

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Frage 1/8:

Wie lange dauert es, bis ein Kaugummi verrottet?

Mehrere Jahre - wenn überhaupt. Denn damit Kaugummi so schön gummiartig ist, braucht es sogenannte Polymere - und die basieren auf Erdölbasis. Zusammen mit Zucker oder Zuckerersatzstoffen, künstlichen Farbstoffen, Verdickungsmitteln und Geschmacksverstärkern kauen wir am Ende auf einer Substanz, die biologisch nur schwer abbaubar ist. Die ökologisch bessere Alternative sind also Lutschpastillen.

© Lukas Schulze, NZ

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Frage 2/8:

In welche Mülltonne gehören leere Tiefkühl-Verpackungen?

In den Gelben Sack - wenn nichts anderes auf dem Karton steht. Denn oft ist die Verpackung mit Kunststoff beschichtet.

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Frage 3/8:

Und wohin gehören Kassenbons?

Kassenbons (wie auch Lotteriezettel, Automatenbelege oder manche Kontoauszüge) bestehen aus sogenanntem Thermopapier, bei dem die Farbe durch Hitze erzeugt wird. Für die dafür nötige Beschichtung wird meistens Bisphenol A (BPA) verwendet, ein Weichmacher, der als krebserregend gilt. Deshalb dürfen Kassenbons nicht in den Recycling-Kreislauf gelangen.

© Colourbox.de

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Frage 4/8:

Ein Vollbad verbraucht ungefähr 140 Liter Wasser. Und eine Dusche?

Es sind im Schnitt 15 Liter. Inzwischen gibt es aber energiesparende Duschköpfe, bei denen z.B. Luft beigemischt wird. In der Anschaffung sind sie zwar teurer als herkömmliche Duschköpfe. Je nachdem, wie oft und wie viele Menschen in einem Haushalt duschen, kann sich so ein Kauf aber schnell rechnen.

© Ina Fassbender/dpa

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Frage 5/8:

Wie viele Einweg-PET-Flaschen werden in Deutschland pro Stunde verbraucht?

Fast zwei Millionen! Laut Deutscher Umwelthilfe sind Einweg-Flaschen aus Plastik immer noch das am häufigsten verwendete Material bei Getränken. Weil für die Herstellung oft neuer Kunststoff verwendet wird, ist so viel Rohöl nötig, wie fast 400.000 Einfamilienhäusern genügen würde, um ein Jahr lang beheizt zu werden.

© Britta Pedersen/Archiv (dpa)

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Frage 6/8:

Wo ist die Umweltbilanz beim Smartphone am schlechtesten?

In der Herstellung liegt der Verbrauch an Energie und CO2 immer noch 5 bis 10 Mal so hoch wie in der Nutzung. Das liegt vor allem an Rohstoffen (Erze, Gold oder seltene Erden), die energieintensiv abgebaut werden müssen. Laut Greenpeace verschlang die Smartphone-Produktion in den letzten zehn Jahren so viel, wie ganz Indien pro Jahr für die Energieversorgung braucht.

© Bodo Marks/Archiv (dpa)

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Frage 7/8:

Wir bestellen immer öfter Kleidung online. Wie viele Pakete gehen im Schnitt zurück?

Fast jedes Zweite! Laut Verbraucherzentrale macht das rund 800.000 Pakete - jeden Tag. Der Kohlendioxid, der dadurch entsteht, entspricht 255 Autofahrten von Frankfurt nach Peking.

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Frage 8/8:

Ein Flug nach Teneriffa ist so schädlich wie ??? Autofahren.

Etwa ein Jahr lang. Diese Angabe stammt von der Umweltorganisation Germanwatch und beruft sich auf eine Studie internationaler Forscher (The carbon footprint of global tourism).

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