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Rückenwind für Dietfurt

Politischer Abend der CSU – Staatssekretärin Bär strahlte Zuversicht aus – Einigkeit ist gefragt - 14.03.2015 07:55 Uhr

Staatssekretärin Dorothee Bär sieht für eine Verkehrsentlastung von Dietfurt gute Chancen. © Hubert Stanka


Im Saal befanden sich etwa 40 Dietfurter Bürger. Sie stellten damit fast die Hälfte der Besucher. Zum Thema Dietfurter Ortsumfahrung erfuhren die Bürger nichts wesentlich Neues. Das war im Vorfeld auch nicht zu erwarten gewesen, weil die Fortschreibung des Bundesverkehrswegeplanes noch nicht abgeschlossen ist. Bär sprach von September oder Oktober, bis die neue Prioritätenliste wohl vorliege.

Der Koalitionspartner im Bund wurde von Bär in etlichen Seitenhieben kritisiert. So wolle die SPD nur noch Baumaßnahmen an Autobahnen und nicht mehr an Bundesstraßen. Auch der Bau der Dettenheimer Umfahrung sei bereits von SPD-Politikern kritisiert worden. Die 36-jährige Oberfränkin schätzt die Notwendigkeit anders ein, vor allem für Landkreise wie Altmühlfranken, die über keinen Autobahnanschluss verfügen. Für diese seien Bundesstraßen wie Autobahnen. Und speziell in Dietfurt, wo es mehr als 95 Prozent Durchgangsverkehr gebe, könne man das nicht einfach vom Tisch wischen. Außerdem hatte sie Zahlen im Gepäck, wonach speziell der Lkw-Verkehr auf der B2 in den kommenden Jahren noch exorbitant zunehmen werde. Sie sprach von 40 Prozent.

Bär kämpft für eine gute finanzielle Ausstattung des Verkehrsetats. Sie will den Verkehrswegeplan so „mit Geld vollstopfen“, dass eben auch für Bundesstraßen noch Mittel vorhanden seien und dass vor allem die im vordringlichen Bedarf aufgenommenen Maßnahmen auch bis zur nächs­ten Fortschreibung (2030) umgesetzt seien. Aus diesem Grund warb sie auch für die Pkw-Maut (Infrastrukturabgabe), die 500 Millionen Euro im Jahr in den Etat bringe. Das sei alles andere als eine Kleinigkeit.

Die Politikerin, die sich in Treuchtlingen als Polit-Profi bewies – eine Rede wie aus dem Maschinengewehr, ohne Vorlage – will einen neuen Stil mit Transparenz. Sie kritisierte, dass die letzte Fortschreibung der Verkehrswege unter Ausschluss der Öffentlichkeit erfolgt sei. Sie erklärte, dass das nun ganz anders laufe. Sämtliche Berechnungen würden sofort online veröffentlicht. Dann könne der Bürger sich melden, wenn es Kritik gibt oder er andere Vorschläge hat oder aber auch, wenn es Zustimmung gibt für Projekte. Letzteres sei wichtig in einer Zeit, in der so viele Bürger gegen etwas seien. „Wir wollen das so ehrlich machen, dass auch wirklich alles gebaut werden kann, was in den vordringlichen Bedarf kommt.“

Für eine Dietfurter Umfahrung nannte sie eine Länge von 4,5 Kilometern bei 19,1 Millionen Euro Kosten, die derzeit angemeldet seien.

Bär bedauerte, dass die Lebensqualität der Menschen häufig geringer geschätzt würde als andere Dinge. Sie sagte, dass sie z.B. im Zusammenhang mit Verkehrsprojekten mittlerweile „die wildesten Tierarten“ kennengelernt habe. Ein weiteres Argument für eine Ortsumfahrung sei die Gleichwertigkeit der Lebensverhältnisse, die mittlerweile in der Verfassung verankert ist.

Aus Sicht von Dorothee Bär müsse die Dietfurter Umfahrung in den vordringlichen Bedarf. Sie sieht die Aussicht dafür auch als nicht schlecht an. Allerdings brauche man dafür alle Unterstützung. Sie appellierte deshalb für Einigkeit vor Ort. Andernfalls gebe es Verzögerungen. Sie erklärte, dass es nach der Veröffentlichung der Liste noch eine Reihe von Einflussmöglichkeiten gebe – auch auf politischer Ebene.

Vor Bär hatte MdB Artur Auernhammer vehement für Dietfurt Partei ergriffen. Man diskutiere schon lange. Erst im Herbst habe er in der Sache an Verkehrsminister Dobrindt geschrieben. Die B2 sieht er immer mehr als Ausweichroute für die A9 und Dietfurt als letztes Nadelöhr. Deshalb werde eine Lösung immer drängender, auch wenn die Trassenführung schwieriger sei als in Dettenheim. Da müsse man gemeinsam nach einer Lösung suchen.

Landrat Gerhard Wägemann hielt derweil demonstrativ ein Stück des durchschnittenen Bandes der Dettenheimer Umfahrung hoch als Symbol für eine Dietfurter Umfahrung. Auch er erklärte, dass man sich weitestgehend einig sei, dass Dietfurt eine Umgehung brauche. Er sagte in Bezug auf die gesamte B2, dass eine Kette nur so stark sei wie ihr schwächstes Glied. Es gebe jetzt nur noch zwei Schwachstellen: Die Hörnleinkreuzung in Weißenburg und eben Dietfurt. Die B2 bezeichnete er auch als Autobahnersatz, und man müsse eben „lange an den Brettern bohren“, damit auch die Dietfurter Umfahrung gelinge.

Von Seiten der Bürger kamen einige fachliche Fragen, aber auch die Aussage, dass sich zumindest die Dietfurter darin einig seien, dass es eine Verkehrsentlastung geben müsse. Über eine Trassenführung wolle man aber erst reden, wenn man im vordringlichen Bedarf sei. Dies wird auch von der Politik so gesehen. Auch Bär erklärte, dass erst nach der Fortschreibung genau eruiert werde, welche Variante den Vorzug erhalte.

Der Treuchtlinger CSU-Vorsitzende Matthias Strauß sagte dazu, dass man sich überlege, das Thema vor diesem Hintergrund in den Stadtrat zu bringen, um dort möglichst einen einstimmigen Beschluss zu erhalten. Das wäre dann ein geeignetes Signal. Das wäre auch im Sinn von Artur Auernhammer. „Dann habe ich Rückendeckung. Dietfurt braucht eine Umgehung. Das ist die Kernaussage.“ 

Hubert Stanka Treuchtlinger Kurier

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