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"Schuhstreit": Treuchtlinger Outdoor-Laden kommt

Projekt an der Heusteige beeinträchtigt Weißenburgs Einzelhandel laut Gutachten kaum - 25.02.2020 06:04 Uhr

Schon der bestehende Schuh-Fachmarkt an der Heusteige hat den Marktforschern zufolge ein weit größeres Einzugsgebiet als nur den südlichen Landkreis. Aus Weißenburg kommen derzeit lediglich etwa 14 Prozent der Kunden und nochmals 14 Prozent aus dem Weißenburger Umland.

27.09.2019 © Patrick Shaw


Das Landratsamt hatte die Erweiterung des seit Frühjahr 2018 bestehenden Schuh-Fachmarkts im ehemaligen Aldi an der Heusteige vergangenes Jahr bereits genehmigt, da intervenierte die Nachbarstadt Weißenburg. Sie sah sich durch beide Geschäfte in ihrer gewerblichen Entwicklung beeinträchtigt – und auch ein Stück weit vorgeführt durch den Umstand, dass beide Gebäudeteile mit je 799 Quadratmetern Verkaufsfläche minimal unter der Grenze liegen, ab der die Nachbarkommunen mehr mitzureden gehabt hätten – und das offenbar gezielt.

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Weißenburg drohte mit Klage. Im November einigten sich die Städte dann auf den Kompromiss: Ein Fachgutachten solle klären, ob die beiden Märkte "städtebaulich nachteilige Wirkungen auf die Entwicklung des zentralen Versorgungsbereichs der Stadt Weißenburg" haben könnten. Die Gesellschaft für Markt- und Absatzforschung (GMA) aus Ludwigsburg sammelte dazu im Januar umfangreiche Daten über Einzelhandel, Wettbewerbsstruktur und Entwicklungskonzepte beider Städte. Außerdem befragte sie rund 2000 Kunden von Schuh-Herrmann.

Ihr Fazit: Schon der bestehende Fachmarkt habe wegen seiner Nähe zur B 2 ein sehr großes Einzugsgebiet, das sich durch die Erweiterung weiter vergrößern werde. Auf Weißenburg entfallen den Marktforschern zufolge nur etwa 14 Prozent der Kunden sowie nochmals 14 Prozent auf dessen direkte Nachbarkommunen. Bei zwei Dritteln des Umsatzes gebe es "keine unmittelbaren Überschneidungen".

Wirkung weiträumig, aber schwach

Die stärksten Überlappungen des bestehenden Sortiments sehen die Gutachter mit den Weißenburger Firmen Deichmann und Dein Schuh (Beutel) – die jedoch nicht in der Altstadt liegen, deren Struktur die Stadt gemäß ihrem Einzelhandelskonzept schützen will und muss. Im Bereich "Outdoor" gebe es dagegen überhaupt keinen "unmittelbar vergleichbaren Wettbewerber". Die am ehesten konkurrierende Firma Intersport sei ein "Generalist", der nicht allein auf Outdoor spezialisiert sei.


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"Im Ergebnis führt dies dazu, dass die Überschneidungen mit Weißenburg und insbesondere mit der Altstadt gering ausfallen", so die Experten. Dafür spreche nicht zuletzt, dass "der seit mittlerweile knapp zwei Jahren bestehende Schuh-Fachmarkt zu keinen signifikanten Veränderungen in Weißenburg geführt hat".

Vor allem der letzte Satz ist Balsam auf die Seele von Treuchtlingens
Bürgermeister Werner Baum. "Wir waren stets der Meinung, dass wir einen rechtsgültigen Baubescheid haben", erklärt er und bedankt sich bei Schuh-Herrmann-Geschäftsführer Sven Walter für dessen Bereitschaft, dennoch sowie komplett auf eigene Kosten das von Weißenburgs Oberbürgermeister Jürgen Schröppel zur Beilegung des Streits verlangte Fachgutachten erstellen zu lassen.

"Null Groll gegen Weißenburg"

Davon, wie eindeutig dieses ausfällt, ist freilich auch Walter "eher überrascht". Der Umweg habe zwar Zeit, Geld und Geduld gekostet, er persönlich hege aber "null Groll gegen Weißenburg". Es sei "legitim, so ein Gutachten zu fordern, wenn sich die Stadt benachteiligt fühlt".

Auch Rathauschef Baum sieht nun "keinen Grund, weiteres Öl ins Feuer zu gießen". Als er seinen Kollegen Schröppel am vergangenen Freitag telefonisch über den Inhalt des (diesem inzwischen ebenfalls vorliegenden) Gutachtens informiert habe, habe auch dieser signalisiert, dass "es eine klare Absprache gibt und er das Gutachten akzeptieren wird".

Dass der Anbau an der Südwestseite des Schuhgeschäfts (Richtung Staatsstraße 2230) nun voraussichtlich "im Laufe des Jahres 2021" starten kann, ist dem Stadtoberhaupt zufolge gut für Treuchtlingen. "Es hilft uns, mehr Kaufkraft in der Stadt zu halten." Zudem sprächen sowohl das städtische Einzelhandelsgutachten von 2011 als auch die Outdoor- und Sportmanagement-Hochschule vor Ort eine klare Sprache: "Dieses Sortiment passt zu uns", so Baum. "Und wenn wir schon genauso wie Weißenburg und Gunzenhausen ein Mittelzentrum sind, möchten wir auch so behandelt werden."

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