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Sonntag, 15.09.2019

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Schulstart in Altmühlfranken: Ältere Eltern, lernhungrige Kinder

Dorfidylle war einmal: Auch die Wettelsheimer Schule muss sich Veränderungen stellen - 10.09.2019 16:08 Uhr

Erste Stunde in Wettelsheim: Untereinander kennen sich die Dorfkinder meist schon. Aber ist die Lehrerin auch nett? Und was ist wohl in der großen Schultüte? © Patrick Shaw


In Wettelsheim gibt es wieder ein Spalier. Früher war es auch am Hauptstandort der Treuchtlinger Grundschule in der Kernstadt Tradition, dass die älteren Schüler die Abc-Schützen in Reih und Glied begrüßen. Wegen der Verkehrssicherheit geht das nicht mehr. In Wettelsheim ist dafür jedoch genug Platz, und nach einem Willkommenslied sitzen die Erstklässler alle gemeinsam in einem der sechs Klassenzimmer und lernen ihre Lehrerin kennen. Das ist spannend, denn Frau Goldfuß vermutet, dass ihr Name an das goldene Bein eines entfernt verwandten Piraten erinnern könnte. Sogar die Schulhefte hat sie für ihre Schützlinge bereits einheitlich im örtlichen Laden besorgt.

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Knapp 800 Abc-Schützen sind im Landkreis Weißenburg-Gunzenhausen ins Schulleben gestartet. In Wettelsheim trifft dabei Dorfschul-Idyll auf neue Herausforderungen.


Dorfschul-Idyll wie in alten Zeiten? Mitnichten. Denn auch das kleine Wettelsheim bekommt die großen gesellschaftlichen Veränderungen zu spüren. Da ist zunächst die steigende Schülerzahl. Wurden vor einigen Jahren noch kleine Schulen wie etwa im nahen Dietfurt geschlossen, wünschen sich Schulleiter wie Herbert Brumm diese heute zurück. 461 Mädchen und Buben besuchen heuer die drei Standorte der Treuchtlinger Grundschule, 14 mehr als im Vorjahr und satte 54 mehr als 2017 (im Jahr 2006 waren es allerdings noch über 600). Die Zahl der Erstklässler ist zwar von 132 auf 111 gesunken, das ist aber immer noch eine ganze Klasse mehr als noch vor drei Jahren.

Hintergründe sind nicht nur die Zuwanderung, sondern auch die gute gesamtwirtschaftliche Lage und die steigende Geburtenzahl. Die Eltern sind auch zunehmend älter – Mütter über 35 und Väter über 40 sind keine Seltenheit mehr. "Diese Entwicklung haben wir schon vor drei Jahren vorhergesagt, aber die Politik reagiert erst jetzt", kritisiert Brumm.

Ausländeranteil zwischen 4 und 80 Prozent

In Sachen Migrationshintergrund ist die Treuchtlinger Schule dennoch Spitzenreiter im Landkreis. 41 Prozent der Schüler sind nicht deutsch oder haben Eltern mit ausländischen Wurzeln, in der Kernstadt sind es sogar über 60 Prozent. "Erst letzte Woche haben wir noch zwei Syrer, eine Mongolin und zwei italienische Rumänen aufgenommen", erzählt Rektor Brumm. Woran das liegt, lässt sich schwer sagen. Günstiger Wohnraum und Arbeitsmöglichkeiten für Menschen ohne hiesigen Abschluss und Sprachkenntnisse könnten Faktoren sein. "Über die Kinder dieser Familien sagt das aber nichts", betont Brumm. Im Gegenteil: "Viele sind sehr bildungswillig. Und Migrationshintergrund ist nicht gleich Migrationshintergrund."

Für diejenigen, die noch kaum Deutsch sprechen, gibt es in Treuchtlingen, Weißenburg und Gunzenhausen jeweils eine "Deutschklasse ohne deutsche Sprache" (Übergangsklasse). Und auch zwischen den Regelklassen gibt es große Unterschiede: "Wir haben Klassen mit 80 Prozent Migrantenanteil, hier in Wettelsheim aber zum Beispiel auch eine Klasse mit nur einem einzigen türkischen Kind", so Brumm.

Die Großfamilie gibt es nicht mehr

Nicht mehr weit her ist es zudem mit dem traditionellen Familienbild – und das gerade auch in den Dörfern. "Früher hat hier der letzte Lehrer um 13 Uhr zugesperrt", erinnert sich Brumm an seine Zeit in Wettelsheim. Heute besuchen allein 15 der 26 Erstklässler die offene Ganztagsklasse, insgesamt sind es an den drei Standorten mehr als 190. "Schauen Sie sich die großen Neubaugebiete wie etwa in Graben an", erklärt der Schulleiter. "Da gibt es keine Großeltern, Tanten oder Onkel mehr, die die Kinder nachmittags betreuen."

Insgesamt waren im Landkreis vor den Sommerferien 764 Schulanfänger für das neue Schuljahr angemeldet, wobei sich einige der Zahlen seither noch etwas verändert haben. In Weißenburg waren es 121, in Gunzenhausen 108, in Treuchtlingen 104, in Nennslingen 63, in Pleinfeld 58, in Heidenheim 47, in Absberg/Haundorf 40, in Pappenheim/Solnhofen 37, in Alesheim/Emetzheim 34, in Ellingen 33, in Muhr am See 30, in Markt Berolzheim/Dittenheim 25, in Pfofeld/Theilenhofen 24, in Langenaltheim 16, in Gnotzheim 10 und an der Montessori-Schule in Weiboldshausen 14. 

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