Dienstag, 26.05.2020

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Schwammspinner am Nagelberg: BN ist gegen Insektizid-Einsatz

Noch im April soll das Mittel "Mimic" per Hubschrauber auf die Bäume gelangen - 14.04.2020 05:56 Uhr

Was tun gegen den Schwammspinner? Die Meinungen gehen auseinander. © Archivfoto: Erich Neidhardt


Zur Bekämpfung des hauptsächlich in Eichenwäldern vorkommenden Schwammspinners am Nagelberg soll in den kommenden Wochen nach den Planungen der Forstverwaltung der dortige Buchenwald vom Hubschrauber aus mit dem Insektizid "Mimic" (Wirkstoff Tebufenozid) behandelt werden.

Die Kreisgruppe des Bund Naturschutz (BN) appelliert nun an Waldbesitzer und die Stadt Treuchtlingen, diesem flächigen Insektizideinsatz in ihren Wäldern nicht zuzustimmen, teilt Kreisgruppenvorsitzender Alexander Kohler mit. Nach Ansicht von BN-Waldreferent Ralf Straußberger seien die flächigen Gifteinsätze nicht zulässig. "Trotz mehrfacher Nachfrage des BN konnte die Forstverwaltung nicht belegen, dass in den letzten Jahren Wälder durch Schwammspinnerfraß vollständig abgestorben sind".

Gerade das Beispiel aus dem Burgstallwald bei Gunzenhausen vergangenes Jahr habe gezeigt, dass die Schwammspinnerpopulationen auch in den "nicht behandelten" Befalls- und Gefährdungsgebieten zusammengebrochen seien.

Der Burgstallwald habe sich nach Ansicht des Bund Naturschutz schon wenige Monate nach dem Kahlfraß wieder vollständig regeneriert und es könne davon ausgegangen werden, dass die wenigen Bäume, die einen verminderten oder keinen Austrieb gezeigt hätten, schon eine erhebliche Vorschädigung aus dem extrem heißen und trockenen Sommer im Jahr zuvor hatten.

Baumbestand sei nicht bedroht

Die zentrale Grundbedingung für einen derartigen Insektizideinsatz in Wäldern sei, dass die betroffenen Laubwälder in ihrem Bestand bedroht sind, dass also ein flächiges Absterben drohe. Damit entfalle aber die zentrale Grundlage für eine derartige flächige Behandlung aus der Luft und der damit nicht zu vermeidenden Schädigung des Waldökosystems. Der BN fordert deshalb von der Staatsregierung, den flächigen Einsatz von "Mimic" in den Wäldern nicht durchzuführen.

Bilderstrecke zum Thema

Plage in Gunzenhausen: Raupen des Schwammspinners auf dem Vormarsch

2018 hatte Gunzenhausen und vor allem der Burgstallwald zum ersten Mal mit dem Schwammspinner zu tun. Bis zu 1000 Eier legt ein Schmetterlingsweibchen. Dementsprechend viele Raupen fressen sich gerade durch den Burgstallwald, der mittlerweile nahezu kahl ist. Auch die Anwohner, das Freibad und die Seenlandklinik Lindenhof kämpfen mit der Plage.


Bislang wurde der Insektizideinsatz mit 100 Prozent der Kosten vom Staat gefördert. "Anstatt auf Staatskosten ein Insektensterben im Wald zu organisieren und durchzuführen, fordern wir von der Staatsregierung, dass sie die Waldbesitzer angemessen entschädigt, die ihre Wälder nicht behandeln lassen und damit das Ökosystem Wald aktiv schützen", so der BN-Kreisvorsitzende Alexander Kohler.

Das Insektizid "Mimic" treffe alle frei fressenden Insektenarten, die von Blättern aller vorhandenen Baum- und Straucharten sowie Arten der Gras- und Krautschicht in diesen Wäldern fressen. "Die Versprechungen der Staatsregierung zur Bekämpfung des Insektensterbens und zur Umsetzung des Artenschutz-Volksbegehrens würden sich als reine Lippenbekenntnisse entpuppen, wenn weiterhin Laubwälder flächig vergiftet werden", ergänzt BN-Waldreferent Ralf Straußberger.

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