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Dienstag, 07.07.2020

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Schwammspinner am Nagelberg: Insektizideinsatz wird im Herbst überprüft

Hubschrauber war Mitte Mai unterwegs - Erfolge erst Monate später sichtbar - 18.06.2020 05:57 Uhr

Vor gut einem Monat hob der Hubschrauber ab, um über dem Nagelberg das Insektizid „Mimic“ zu versprühen, das dem Schwammspinner den Garaus machen soll. Nun können in dem Wald gesammelte Beeren wieder gegessen werden. © Foto: AELF Weißenburg


Der Schwammspinner liebt es warm und trocken. Auch wenn das in den vergangenen Tagen nicht immer der Fall war, ist die gefräßige Raupe nach Ansicht der Forstleute eine Gefahr für den Wald – so auch am Nagelberg, wo vergangenen Herbst Eigelege des Falters gefunden wurden. Um eine weitere Vermehrung zu unterbinden, wurde Mitte Mai ein Insektenschutzmittel über dem Buchenwald versprüht.

Der Zeitraum für den Hubschraubereinsatz stand fest, doch die Ausführung war dann relativ spontan. Geplant wird das Ganze von der Bayerischen Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft. "Das ist ein Trupp von zehn Personen, die sich von Schweinfurt bis nach Nördlingen durchgearbeitet haben", sagt der Treuchtlinger Revierförster Markus Bernholt. An dem Tag des Einsatzes in Treuchtlingen wurden die Zugänge des Walds gesperrt. Das sei recht kurzfristig gewesen, weshalb es keine große Ankündigung gab. "Außerdem wollten wir verhindern, dass Schaulustige kommen", so Bernholt.

Erst nachmittags, nachdem der Regen aufgehört hatte, konnte der Hubschrauber starten und auf gut 50 Hektar Fläche das Insektizid "Mimic" verteilen. Dabei handelt es sich nach Behördenangaben um ein für die Ausbringung aus der Luft zugelassenes Insektizid, welches hochselektiv auf freifressende Schmetterlingsraupen wirkt und von diesen über den Fraß der Blätter aufgenommen werden muss. "Mimic" wirke als Häutungsbeschleuniger und störe den Häutungsprozess der Raupen. Für Menschen und andere Säugetiere, aber auch für Bienen, soll das auch oft im konventionellen Obstanbau angewandte Mittel nicht gefährlich sein.

Dennoch war der Wald für drei Tage nach der Ausbringung gesperrt, bis Anfang Juni durften auch keine Waldbeeren gepflückt und verzehrt werden. Seit dem 5. Juni ist das jedoch wieder möglich, so Bernholt. Und auch nicht alle Flächen wurden beflogen: So wurden 30 Meter vom Waldrand ausgespart, ebenso wie die Kriegsgräberstätte mit einem Vorkommen der seltenen Gelbbauchunke sowie eine Fläche, die an einen Biobauernhof angrenzt.

In Gunzenhausen hatten die Raupen des Schwammspinners vergangenes Jahr den Wald verlassen und sich an Gebäude und in Gärten niedergelassen. © Archivfoto: Erich Neidhardt


Der Einsatz war durchaus auch umstritten. So hatte sich der örtliche Bund Naturschutz dagegen ausgesprochen. Nach Ansicht von BN-Waldreferent Ralf Straußberger seien die flächigen Gifteinsätze nicht zulässig. "Trotz mehrfacher Nachfrage des BN konnte die Forstverwaltung nicht belegen, dass in den letzten Jahren Wälder durch Schwammspinnerfraß vollständig abgestorben sind." Gerade das Beispiel aus dem Burgstallwald bei Gunzenhausen vergangenes Jahr habe gezeigt, dass die Schwammspinnerpopulationen in den nicht behandelten Befalls- und Gefährdungsgebieten zusammengebrochen seien.

Am Gunzenhäuser Burgstall hatte der Schwammspinner im Frühjahr 2019 überhand genommen und dort nicht nur den Eichenbestand angefressen, sondern sich auch in viele direkt am Waldrand gelegenen Privatgärten sowie im Freibad ausgebreitet. Wie es nun am Nagelberg weitergeht, werden die Mitarbeiter des Weißenburger Amts für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten weiter im Blick behalten. Im Herbst soll kontrolliert werden, ob die Larven auch wirklich am Mittel zugrunde gingen oder ob sich daraus doch wieder Falter entwickelt haben, die neue Eier gelegt haben.

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