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Senefelder-Schule: Strittige Bücher im Millionen-Etat

Der Zweckverband der Treuchtlinger Schule hat seinen diesjährigen Haushalt verabschiedet - 29.01.2021 06:04 Uhr

Die Kräne stehen still, die Bagger sind eingeschneit: Wo in Treuchtlingen bald die Vierfachsporthalle der neuen Senefelder-Schule stehen soll, herrscht derzeit Winterruhe. Immerhin scheint aber auch die Kostenexplosion des aktuell rund 78 Millionen Euro schweren Projekts etwas zur Ruhe gekommen zu sein.

28.01.2021 © Patrick Shaw


Derzeit steht sie still, die Großbaustelle der neuen Senefelder-Schule. Das Winterwetter beschert dem Mammutprojekt eine Zwangspause. Im Zweckverband wird unterdessen weiter gerechnet, wie sich die nach massiven Mängeln, Baustopp und gut einjähriger Verzögerung explodierenden Kosten in den Griff bekommen lassen. Den Haushaltsplan für 2021 verabschiedete das Gremium diese Woche dennoch ohne jegliche (wohl auch zwecklose) Einwände – samt zähneknirschender Zusage zur Verdoppelung des Budgets für lernmittelfreie Bücher.

Unter dem Strich ist der Etat des Zweckverbands für dieses Jahr noch eher klein. 1,99 Millionen Euro umfasst der Verwaltungs-, 6,74 Millionen Euro der Vermögenshaushalt. Neben 92.000 Euro an Kredittilgungen und knapp 144.000 Euro für Einrichtung, Technik und Digitalisierung enthält letzterer fast ausschließlich die diesjährigen Kosten für den laufenden Schulneubau – konkret also für die aktuell entstehende Vierfachsport- und Mehrzweckhalle.


Neubau der Senefelder-Schule: Sparen kaum noch möglich


Nächstes Jahr wird dieser Betrag auf mehr als neun Millionen, 2023 auf über zehn Millionen und 2024 auf knapp 13 Millionen Euro steigen – bis die derzeit veranschlagten Gesamtbaukosten in Höhe von rund 78 Millionen Euro erreicht sind und der Neubau steht.

Der Verwaltungsetat setzt sich heuer aus 325 000 Euro für Personal, 836.000 Euro für Gebäudeunterhalt, Ausstattung und Unterrichtsmaterial, 374.000 Euro für Schülerbeförderung und Versicherungen, 19.000 Euro an Zinsen und 439.000 Euro Zuführung zum Vermögensetat zusammen. An Verbandsumlage bezahlen die vier Zweckverbands-Kommunen Treuchtlingen, Pappenheim, Solnhofen und Langenaltheim sowie der Landkreis Weißenburg-Gunzenhausen in Summe knapp 4,8 Millionen Euro – davon rund zwei Drittel der Kreis und ein Drittel die Gemeinden, anteilig gemäß ihrer Schülerzahlen.

Geteilte Kosten

Ziemlich genau drei Millionen Euro steuert der Freistaat dieses Jahr im Rahmen des kommunalen Finanzausgleichs zum Schulneubau bei, weitere 300.000 Euro die Stadt Treuchtlingen für ihren Anteil an der Mehrzweckhalle, die später auch als Veranstaltungsort und für den Breitensport genutzt werden soll. Die Schulden des Verbands belaufen sich zum Jahresende auf voraussichtlich knapp 550 000 Euro.

Auf der Schulbaustelle hat sich der Bauleitung zufolge seit Dezember nur wenig getan. Auch die Kosten hätten sich kaum verändert – was angesichts der vergangenen Misere positiv sei. Zwischen 16 und 17 Millionen Euro wird die neue Sporthalle am Ende nun wohl kosten, 13 Millionen Euro waren einst geplant.


Baubeginn: So wird die Sporthalle der neuen "Sene"


Grund dafür sind die Bauverzögerungen und Mängel am Fachraumtrakt, dem vor gut einem Jahr fertiggestellten ersten der drei Neubau-Abschnitte der größten Schule im Landkreis. Die juristische Auseinandersetzung darüber einschließlich möglicher Schadensersatzzahlungen wird nach Einschätzung von Zweckverbands-Geschäftsführer Martin Klischat angesichts der überlasteten Gerichte noch viele Jahre dauern.

Um zumindest etwas zu sparen, hatte die Verbandsversammlung schon im Herbst vergangenen Jahres ins Auge gefasst, die Oberlichter der neuen Turnhalle zu reduzieren. Für die Umplanung haben Klischat und Landrat Manuel Westphal als Vorsitzender nun per dringlicher Anordnung grünes Licht gegeben.

Mehr Geld für Bücher

Für mehr kritische Nachfragen als der Neubau sorgte in der jüngsten Versammlung ein Antrag der Schulleitung, das Budget für lernmittelfreie Schulbücher im aktuellen Haushalt von knapp 37.000 auf fast 70.000 Euro zu erhöhen. Hintergrund ist laut Direktorin Gabriele Gippner der neue "Lehrplan plus", der einen "pädagogischen Paradigmenwechsel" darstelle und "mit den alten Büchern nicht umzusetzen" sei. Dies betreffe alle acht Jahrgangsstufen in allen drei Schulzweigen, insbesondere aber die achten Klassen mit ihren vielen neuen Fächern.

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Rundgang durch den Fachraumtrakt der neuen Senefelder-Schule

Die Arbeiten am ersten Bauabschnitt der neuen Treuchtlinger Senefelder-Schule gehen dem Ende entgegen.


Es sei "das erste Mal, dass die Schule hier mehr Geld braucht", so Gippner. Vorgesehen sind bisher 29 Euro für jeden der aktuell 1212 Senefelder-Schüler. Zwei Drittel der Lehrmittelkosten trägt ohnehin der Freistaat. Allerdings müsse der Verband nun "auch für die Folgejahre mit Mehrkosten rechnen", ergänzte Realschuldirektor Stefan Burzler.

Merklich irritiert über den späten Nachtrag verwies Geschäftsführer Klischat auf den seit Dezember stehenden Etat. Auch Landrat Westphal wollte sich nicht auf eine Zusage für die Folgejahre festnageln lassen, betonte allerdings, dass "unsere Verpflichtung, die Schüler mit aktuellen Schulbüchern auszustatten, unstrittig ist". Die überplanmäßigen Ausgaben muss der Zweckverband als Sachaufwandsträger nun laut Klischat an anderer Stelle einsparen – wobei er "das Mitwirken der Schulleitung erwarte". Unter dieser Prämisse billigte die Versammlung den Antrag letztlich einstimmig.

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