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Senefelder-Schule Treuchtlingen wird 40 Jahre alt

Ein „Sonderling“ feiert 40. Geburtstag – Mit dem Schuljahr 1971/72 wurde der Unterrichtsbetrieb aufgenommen – Veranstaltungsreigen zum Jubiläum - 11.09.2011 09:15 Uhr

Das Bild zeigt die Senefelder-Schule zu Zeiten nach ihrer Fertigstellung aus der Vogelperspektive.

© Bertram Luftbild


Die „Sene“ als staatliche Gesamtschule war ehedem Teil eines Experimentalprogrammes und Ergebnis der längeren bildungspolitischen Diskussionen im Deutschland der 1960-er Jahre. In Bayern war die Gesamtschule – als Gegenstück zum ansonsten gegliederten Schulsystem – eine Art Test. Von diesem neuen Schultyp erwarteten sich viele eine höhere Durchlässigkeit, eine verbesserte Chancengleichheit für die Schüler sowie einen Schritt zu mehr sozialer Integration.

Nun sollte festgestellt werden, ob und wie eine Gesamtschule dieser Erwartungshaltung gerecht werden kann, wie effizient sie ist und welchen Aufwand dies erfordert. Den Schülern sollten dabei dieselben Leistungen abverlangt werden wie sonst auch. Zudem sollte die Alltagspraxis aufzeigen, welche neuen Probleme diese Schulart womöglich mit sich bringt und ob sie sich – zusammen mit anderen Versuchsschulen wie der integrierten und der kooperativen Gesamtschule – insgesamt als praktikabel erweist. Darüber hinaus stand die Frage im Raum, ob die Zeugnisse aus einer solchen Einrichtung auch die für den Berufseintritt oder Schulübertritt erforderliche Akzeptanz finden würden. Nicht zuletzt war die Diskussion über die Gesamtschule neben einer pädagogischen und pragmatischen am Ende immer auch eine politische.

Auftakt mit 1.200 Schülern

Zu Beginn des Schuljahres 1971/72 startete dieser „Test“ in Ermangelung eines eigenen Gebäudes zunächst in Räumen der Hahnenkammschule. Sechs 5. Klassen hielten seinerzeit dort Einzug. Zum Schuljahr 1974/75 kamen die 5. bis 8. Jahrgangsstufen mit 39 Klassen und insgesamt 1.200 Schülern bereits im fertiggestellten, ersten Bauabschnitt des neuen Schulgebäudes an der Promenade unter (heute Bgm.-Döbler-Allee). Im Schuljahr 1975/76 wurde dort schon der zweite Bauabschnitt bezogen.

Nach einer vorübergehenden Sonderregelung durch das Kultusministerium, die im Haus das Unterrichten der Schüler auch in der Oberstufe ermöglichte, wurde die Oberstufe zum Schuljahr 1977/78 eine Außenstelle des Werner-von-Siemens-Gymnasiums in Weißenburg. Auf diesen Wegen konnten die Pennäler in Treuchtlingen ihr Abitur machen. Bei der „Sene“ (diesen Namen bekam die Schule erst später) handelte es sich seinerzeit um eine integrierte, differenzierte Gesamtschule.

Von vielen Seiten wurde damals das negative Image der Einrichtung beklagt, die auch durch ihre Ausrichtung – einerseits „integriert“, andererseits „differenziert“ – in einem Zwiespalt stand. Nach Meinung vieler ließ sich die erhoffte Durchlässigkeit nicht erreichen, sodass zum Schuljahr 1979/80 das Konzept der integrierten Gesamtschule aufgegeben wurde. Ab dem Schuljahr 1980/81 firmierte das Haus dann als kooperative Gesamtschule mit Haupt-, Realschul- und Gymnasialzweig. Zwischenzeitlich wurde im Dezember 1979 das neue, insgesamt rund 44 Millionen Mark teure Schulhaus offiziell seiner Bestimmung übergeben, das in den Jahren 1969/70 auf den Weg gebracht worden war.

Im Oktober 1971 wurde der Zweckverband „Staatliche Gesamtschule Treuchtlingen“ als Sachaufwandsträger aus der Taufe gehoben (heute „Zweckverband Senefelder-Schule“). Seit 1983 trägt die Einrichtung ihren jetzigen Namen „Senefelder-Schule“, der von dem Schauspieler und Theaterschriftsteller Alois Senefelder herrührt. Letzterer war zudem der Erfinder des Lithografie-Druckverfahrens, kurz Steindruck genannt, und dadurch mit unserer Region assoziiert.

Eine Schule als Standortfrage

Bis heute ist die „Sene“ als kooperative Gesamtschule mit ihrem breiten Bildungsangebot unter einem Dach im bayerischen Schulsystem eine Besonderheit geblieben. Nach längerer Pause gibt es seit 2009 in Kooperation mit dem Weißenburger Werner-von-Siemens-Gymnasium auch wieder eine Oberstufe. Immer aber war die „Sene“ auch ein Standortgewinn für die Altmühlstadt sowie im südlichen Landkreis eine Einrichtung von zentraler Bedeutung.

Heute wie früher wird nach denselben Lehrplänen unterrichtet und der Leistungsstand nach denselben Maßstäben geprüft wie an den „normalen“ Schulen, sodass die jeweiligen Abschlüsse vergleichbar sind. Außerdem bietet das Haus inzwischen auf Wunsch an vier Tagen in der Woche eine kostenlose Nachmittagsbetreuung an. Ein Jugend-Sozialpädagoge kümmert sich zudem um die Probleme und Sorgen der Schüler.

Darüber hinaus ist die „Sene“ eine Seminarschule, an der in den Fächern Deutsch, Englisch, Geschichte, Mathematik und Chemie angehende Realschullehrer ausgebildet werden. Allerdings ist das Schulhaus mittlerweile spürbar in die Jahre gekommen, weswegen schon länger eine Generalsanierung ansteht, die verwaltungstechnisch bereits auf den Weg gebracht ist.

Demnächst wird – nachdem sich die erste Aufregung nach dem Schuljahresbeginn gelegt hat – aber erst einmal „Geburtstag“ gefeiert. Den Auftakt des Jubiläumsprogrammes macht am Montag, 17. Oktober, von 15.30 bis 19 Uhr ein Tag der offenen Tür. Für Donnerstag, 20. Oktober, ist ab 19 Uhr ein bunter Zirkusabend geplant.

Die Hauptfeierlichkeit geht am Samstag, 22. Oktober, über die Bühne. Nach einem Gottesdienst um 12.15 Uhr in der Marienkirche und einem Stehempfang um 13 Uhr findet um 13.30 Uhr der offizielle Festakt statt. Daran schließt sich von 15.30 bis 18.30 Uhr ein Schulfest an. Danach klingt der „Feiertag“ mit einem gemütlichen Abend zusammen mit Lehrern und Ehemaligen aus. Am Mittwoch, 26. Oktober, ist für 18 Uhr ein „Fünferlkonzert“ als Aufnahmefeier der Fünftklässler anberaumt, und am Donnerstag, 24. November, endet der Veranstaltungsreigen zum Jubiläum ab 19.30 Uhr mit einem Theaterabend.

 

Sieghard Hedwig

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