Donnerstag, 22.08.2019

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Seniorenheim-Wechsel: Umzug mit 95 Jahren

Barbara Strobel wohnt seit vier Monaten im Treuchtlinger BRK Seniorenzentrum - 08.08.2019 05:47 Uhr

Die Einrichtung im BRK Seniorenzentrum an der Altmühltherme ist topmodern, der etwas altertümliche Wandschrank im Hintergrund durfte im Zimmer von Barbara Strobel aber dennoch auf keinen Fall fehlen. Die 95-Jährige hat jedenfalls auch in hohem Alter und nach einem Ortswechsel im April noch viel zu lachen. © Foto: Micha Schneider


Die ersten Fragen ihres Kreuzworträtsels hat Barbara Strobel gerade schon richtig beantwortet. "Koch" schrieb sie in die Lösungskästchen auf die Frage nach einem anderen Wort für Speisezubereiter und "Zar" in das Antwortfeld für die Frage nach einem slawischen Herrschertitel. "Bevor ich in der Gegend herumschaue, mache ich doch lieber so etwas", sagt Strobel und lacht. Wieder einmal. Denn das tut sie ziemlich oft.

Die 95-Jährige ist ein sonniges Gemüt und für ihr Alter noch erstaunlich fit. Seit knapp zehn Jahren lebt sie im Altersheim, zunächst im Alten- und Pflegeheim in der Wettelsheimer Straße, seit vier Monaten nun im neu eröffneten Seniorenzentrum des Rotkreuz-Kreisverbands Südfranken gegenüber der Altmühltherme. "Natürlich war erst einmal alles ganz anders und für uns alle eine Eingewöhnung", sagt sie. Doch jetzt würden die Bewohner hier langsam zueinander finden und sich an die neue Heimat gewöhnen, erzählt sie. "Ich wurde so erzogen, dass ich auf andere Leute zugehe", sagt Strobel und ergänzt: "Ich habe mich schon oft in meinem Leben auf neue Situationen einstellen müssen und bereut habe ich nie etwas."

Sie habe ja schon einige Zeit vorher erfahren, dass ein Ortswechsel auf sie zukommen würde. "Der Umzug war wunderbar organisiert. Man hat mich hier hergeschoben und zack, so ist es nun", sagt sie und lacht. Wie immer. Im ehemaligen Seniorenheim, das ihrer Meinung nach zwar zeitgemäß in Ordnung war aber etwas umständlich gebaut und deshalb schwerer zu bewirtschaften war, habe sie sich auch schon wohlgefühlt.

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„Ein Platz für ältere Mitbürger mitten in der Gesellschaft“ und „ein Vorzeigeprojekt für ganz Bayern“ ist laut Bürgermeister Werner Baum das neue Seniorenzentrum des Rotkreuz-Kreisverbands Südfranken in Treuchtlingen. Die Käufer und künftigen Bewohner der insgesamt 60 Heim­plätze, 30 Tagespflegeplätze und 42 Servicewohnungen erhielten nun die Schlüssel.


Hier im ersten Stock in der Weißenburger Straße 7 A ist nun aber alles nochmal ein bisschen moderner. "Das Zimmer ist sehr schön, es lässt keine Wünsche offen", sagt sie und ergänzt: "Es ist total auf die Patienten ausgerichtet. Die Türen seien breiter, das Bad größer, sogar ein elektrisch verstellbares Bett habe sie, falls sie mal lesen wolle. Dazu grenzt an das Zimmer ein geräumiger Balkon.

Am Nabel der Welt

"Ich sage immer wir sind hier am Nabel der Welt, wir können ins Grüne schauen und stundenlang den vorbeirollenden Autos zuschauen." Und wer noch gut zu Fuß sei, der könne auch in die Stadt laufen, ohne dass er eine Straße überqueren müsse. Ihr Ziel für dieses Jahr sei es, dass sie es "mit meinem guten Freund", also ihrem Rollator, bis zum "auric Hörcenter" in der Treuchtlinger Hauptstraße schafft.

Doch das müsse sie erst immer mit ihren Leuten besprechen. Erst kürzlich ist sie nämlich gestürzt, zog sich einen Oberschenkeltrümmerbruch zu und konnte deshalb zehn Wochen lang nicht laufen. Jeden Morgen macht sie nun zwanzig Minuten etwas für ihre Knie.

Barbara Strobel will schließlich noch etwas haben von ihrem Leben, das für sie im Jahr 1924 begann. Sie hat zwei Töchter, drei Enkelkinder und mittlerweile auch drei Urenkelkinder. Seit 77 Jahren ist sie Mitglied im BRK und hat auch schon ein Ehrenabzeichen erhalten. "Ich wurde gemeinnützig erzogen", sagt sie.

Eine kurze Zeit lang war sie auch verheiratet, doch ihr Mann verstarb früh. Er war in Russland in Gefangenschaft, arbeitete dort in einem Bergwerk in Sibirien und kehrte schon 1945 als einer der ersten mit dem sogenannten Krankentransport zurück. 1952 erlitt er einen Infarkt, noch "eine Folge des Hungers", wie es Barbara Strobel formuliert.

In ihrem Zimmer stöberte sie während ihrer Erzählungen unterdessen noch ein bisschen in alten Ordnern und Büchern. Und dann gab es ja schließlich noch das Kreuzworträtsel. Langweilig wird der aufgeweckten Dame also auch mit 95 Jahren so schnell nicht. 

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