Donnerstag, 03.12.2020

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Sonnenstrom vom Hahnenkamm: Bürger wollen mitreden

Östlich von Oberheumödern könnte ein 3,4 Hektar großer Solarpark entstehen - 10.11.2020 06:04 Uhr

Blick von Oberheumödern nach Osten auf den potenziellen Standort der Fotovoltaikanlage: hinter und links von der Baumreihe am rechten Bildrand befindet sich das Grundstück, dahinter zeichnet sich am Horizont der Heunischhof ab. Hangaufwärts am linken Bildrand verläuft die Staatsstraße Richtung Auernheim.

09.11.2020 © Foto: Greenovative, Repro: TK


Die Debatte zeigte einmal mehr, wie wichtig Kommunikation und Bürgerbeteiligung bei Großprojekten sind. Denn die Parameter, die Greenovative-Projektingenieur Daniel Birkmair vorstellte, schienen die Ratsmitglieder durchaus zu überzeugen – bis Heumöderns Ortssprecher Ludwig Hüttinger das Wort ergriff. Es sei "schade, dass ich als Ortssprecher erst mit der Sitzungseinladung von den Plänen erfahren habe", so Hüttinger. Er habe deshalb auch keine Gelegenheit gehabt, mit dem Ortsausschuss über das Vorhaben zu sprechen. Und er sei zumindest skeptisch, ob sich die rund 170 mal 200 Meter große Fläche von Westen her nicht zu stark mitteilen würde.


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Zuvor hatte Birkmair genau dies weitgehend verneint. Vom Heunischhof her sei das Areal "kaum einsehbar", und von Oberheumödern falle der Blick eher zwischen die nach Süden ausgerichteten Fotovoltaik-Module. Auch in Richtung Staatsstraße sei nicht mit einer Blendwirkung zu rechnen, da die Panele zum einen genau entgegengesetzt gekippt und zum anderen matt beschichtet seien. Wenn nötig, könne man die Randstreifen mit Sträuchern begrünen.

Die Firma Greenovative hat in der Region bereits etliche große Dach- und Freiflächen-Fotovoltaikprojekte verwirklicht, etwa bei Playmobil in Dietenhofen, bei Adidas in Herzogenaurach, im Südwestpark oder am Flughafen in Nürnberg. Auf dem 3,4 Hektar großen Acker bei Oberheumödern plant sie rund drei Hektar Solarmodule mit einer Nennleistung von knapp 3,8 Megawatt und einem Stromertrag von 4240 Megawattstunden pro Jahr. Das entspricht dem Bedarf von etwa 1200 Haushalten sowie im Vergleich zu fossilen Brennstoffen eine Einsparung von rund 2600 Tonnen Kohlendioxid im Jahr.

Die Natur könnte profitieren

In Sachen Biodiversität könnte die Fläche nach Birkmairs Worten sogar von dem Projekt profitieren, da sie bisher intensiv landwirtschaftlich genutzt werde. Eine Konkurrenz zur Landwirtschaft stelle die Fotovoltaik nicht dar, seien in Deutschland doch nicht einmal zwei Promille der Äcker und Wiesen mit Solarparks belegt. Zudem entstünden diese "bevorzugt in benachteiligten Gebieten" – was auch auf dem Hahnenkamm mit seinen steinigen, schlecht zu bewirtschaftenden Böden der Fall sei.

Die hier angedachten Solarmodule sind laut Birkmair schwermetallfrei, zu über 90 Prozent recycelbar und hätten eine Lebensdauer von 30 bis 40 Jahren. Sie würden nach Möglichkeit von Firmen aus der Region installiert und gewartet. Abnehmer des erzeugten Stroms wäre voraussichtlich die N-Ergie. Baubeginn könnte in ein bis zwei Jahren sein.

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Das Investitionsvolumen beziffert Greenovative mit rund zwei Millionen Euro, an denen sich die Bürger mit 15 Prozent beteiligen könnten. Warum nicht mit mehr? "Weil wir das Geld derzeit nirgends günstiger bekommen als von der Bank", so Birkmair. Die Bürger würden durch eine "Schwarmfinanzierung" mit Einlagen zwischen 1000 und 25.000 Euro nur das "Eigenkapital" beisteuern.

All die Argumente wogen für den Stadtrat allerdings nicht die bislang fehlende Einbindung der Dorfgemeinschaft auf. Auf Antrag von Altbürgermeister Wolfgang Herrmann stellte das Gremium eine Entscheidung deshalb zunächst einstimmig zurück, bis sich der Ortsausschuss beraten konnte.

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