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Stadtwerke übernehmen Netzkonzession für Treuchtlinger Ortsteile

N-Ergie hat nach elf Jahren das Nachsehen – Mehr Einfluss und neue Chancen für Breitbandversorgung - 22.10.2011 10:33 Uhr

Strom und Glasfaser Seit an Seit: In der Treuchtlinger Kernstadt haben die Stadtwerke bereits vielerorts die bunten Leerrohre für die Breitbandverkabelung verlegt. Mit der Übernahme des Stromnetzes ist dies nun auch in den Ortsteilen möglich.

21.10.2011 © privat


Wo bei anderen Sitzungen oft gähnende Leere herrscht, fanden diesmal etliche Beobachter kaum noch einen Platz entlang der vertäfelten Wände des Treuchtlinger Rathaussaals. Die Belegschaft der Stadtwerke schien fast vollständig gekommen zu sein, um der Entscheidung beizuwohnen, die für viele von ihnen Arbeitsplatzsicherheit auf Jahre hinaus bedeutet.

Bereits eine Woche zuvor war der Konzessionsvertrag der Altmühlstadt mit der N-Ergie für die Stromnetz- und Wegenutzung in sämtlichen Treuchtlinger Ortsteilen mit Ausnahme von Gundelsheim (Lechwerke) und der Kernstadt (Stadtwerke) abgelaufen. Seit der Privatisierung und Netzübernahme vom Fränkischen Überlandwerk im Jahr 2000 lagen Unterhalt und Ausbau der Kabeltrassen in den Händen des Nürnberger Versorgers. Dieser hatte sich neben den Stadtwerken auch als einziger Anbieter erneut um die Konzession beworben.

Beim Abwägen des Für und Wider eines Wechsels steckte die Stadt in einem Dilemma. Sie sitzt nämlich laut Bürgermeister Werner Baum „in einer Doppelfunktion am Tisch: als Konzessionsgeber und als Träger der Stadtwerke“. Deshalb hatte der Stadtrat Ende Juli in nichtöffentlicher Sitzung Kriterien für die Vergabe aufgestellt und in einem Punktesystem gewichtet.

Die Prüfung durch die Verwaltung ergab schließlich 218 von 250 möglichen Zählern für die Treuchtlinger Stadtwerke und nur 158,5 für die N-Ergie. Dabei schnitt der Nürnberger Anbieter zwar in Sachen Netzentgelte und Umweltfreundlichkeit (zum Beispiel Schonung von Bäumen bei Leitungsverlegungen) etwas besser ab, verlor aber Punkte durch die fehlende Bereitschaft zur gemeinsamen Nutzung von Straßenaufbrüchen, zur Verpflichtung zu Erdverkabelungen und zur Übernahme von Baufolgekosten.

Den Ausschlag gab letztlich jedoch die enorme Gewichtung der möglichen Einflussnahme der Stadt auf Unternehmenspolitik und Investitionsentscheidungen der Stadtwerke. Dieses Kriterium schlug mit 40 Punkten zu Buche und entschied das Rennen klar zugunsten des Kommunalbetriebs.

Rathauschef Baum wertete die Rückkehr des Stromnetzes in den Ortsteilen in kommunale Hände als „deutliches Zeichen der Stadt, mit unseren Stadtwerken in die Zukunft zu gehen“. Auch bei den Mitarbeitern war die Erleichterung spürbar. Auf Stadtwerke und -säckel kommen nun allerdings zunächst gehörige Kosten zu. Erstere müssen Kredite in Millionenhöhe aufnehmen, um die von der N-Ergie in den vergangenen Jahren ausgebauten und/oder erneuerten Kabelstrecken abzulösen. Und die Stadt muss ihre Kapitaleinlage entsprechend erhöhen, um ihren Eigenkapitalanteil abzusichern.

Für die Stromkunden ändert sich indes vorerst nichts. Nur bei Neuverlegungen oder Anschlüssen von Photovoltaik- und Biogasanlagen kommt der Wechsel des Konzessionsnehmers zum Tragen. Und dann ist der Ansprechpartner künftig sogar direkt vor Ort. Der Übergang aller Netzbereiche von der N-Ergie auf die Stadtwerke wird laut Kämmerer Dominik Wenzel ohnehin rund ein Jahr in Anspruch nehmen.

Und noch einen weiteren Vorteil hat der Netzbetreiberwechsel für die Bürger: Wo immer möglich, verlegen die Stadtwerke in der Kernstadt bereits seit einigen Jahren Leerrohre für Breitband-Glasfaserkabel.

Dies könnte künftig auch in den Ortsteilen Schule machen, wo schnelle Internetverbindungen vielerorts noch Mangelware sind. Diese Option berücksichtigt auch die DSL-Machbarkeitsstudie, die zuvor bereits die Beratungsfirma Corwese dem Stadtrat vorgestellt hatte.

Patrick Shaw

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