Starkbierfest der SPD: Schwarze Löcher und Raketen

9.3.2020, 14:26 Uhr
Während die örtlichen Treuchtlinger Sozialdemokraten beim Starkbierfest in Auernheim ihre Anhänger schon mal auf die Kommunalwahl einstimmten, kam die Gastrednerin Maria Noichl (links) zu spät – die Europaabgeordnete war im Zug eingeschlafen und musste dann mit dem Taxi von Nürnberg nach Treuchtlingen fahren.

Während die örtlichen Treuchtlinger Sozialdemokraten beim Starkbierfest in Auernheim ihre Anhänger schon mal auf die Kommunalwahl einstimmten, kam die Gastrednerin Maria Noichl (links) zu spät – die Europaabgeordnete war im Zug eingeschlafen und musste dann mit dem Taxi von Nürnberg nach Treuchtlingen fahren. © Foto: Jürgen Leykamm

Von Wahlkampfmüdigkeit keine Spur: Beim traditionellen Starkbierfest der SPD im Auernheimer Gasthaus Weberndorfer gab es zum 20-jährigen Jubiläum sogar Rekordbesuch zu verzeichnen. Gut 100 Plätze fasst der dortige Saal – nicht viele blieben leer. Bei den Wortbeiträgen war diesmal gleich doppelte Frauenpower angesagt.

Den Anfang aber machten hier die Herren. Der Treuchtlinger Ortsvorsitzende Sebastian Hartl zeigte sich äußerst erfreut über die große Resonanz, bevor er das Rednerpult seinem Amtsvorgänger und dem amtierenden Stadtratsmitglied Stefan Fischer überließ. Der verwies auf die zahlreichen Aktionen, mit denen die Sozialdemokraten auch jenseits der Wahlkampfzeit "zu den Bürgern kommen", wie etwa das Wirtshaussingen oder das Familienfest.

Dann aber schon regten sich die Zornesfalten an seiner Stirn. Er hasse es, was derzeit an "Halbwahrheiten unterwegs ist". Positiv sei, dass vieles davon "in der Presse wieder zurecht gerückt werde". Schnell schoss er sich auf die Kritik an der Schuldenaufnahme durch die von der SPD geführten Stadt ein – den "Superzinssatz" gelte es auszunützen. Fischer erinnerte an Kredite aus den 1990er-Jahren, die immer noch abbezahlt werden müssten.

Die Kritiker von heute – die vor allem in der CSU-Fraktion zu finden sind – seien an diesen Finanzierungen nicht ganz unbeteiligt gewesen, ließ er durchblicken. Was ihm auch "unglaublich stinkt": Die vergebene Chance, aus dem Verkaufserlös eines Gebäudes Sozialwohnungen errichten zu können. Die voraussichtliche Ansiedlung eines Hotels in der Altmühlstadt hingegen sei "kein Wahlkampfthema".

Der Redefluss Fischers wurde erst durch das Erscheinen von Gastrednerin und SPD-Europaparlamentarierin Maria Noichl aus Rosenheim unterbrochen, die um einiges zu spät kam. Warum, das schilderte sie ganz offen: "Ich bin in der Bahn eingeschlafen" – und erst in Nürnberg wieder aufgewacht. Von da an ging es per Taxi nach Treuchtlingen, bezahlt habe sie selbst. Daran könne sich auch ein Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) ein Beispiel nehmen: "Wenn Du mal wieder was verschläfst, könntest Du die Zeche dafür auch selbst bezahlen", sprach sie ihn in Abwesenheit direkt an.

Was die Europapolitik und das Flüchtlingsdilemma an der griechisch-türkischen Grenze anbelange, sei dies "eine große Wunde für Europa". Und ein Problem, "für das ich keine Lösung habe", wie sie zugab. Europa klebe sich ein "Herzlich Willkommen"-Schild an die Tür und lasse sich zugleich von scharfen Hunden bewachen, bedauerte Noichl, bevor sie weiter "derbleckte".

Der potenzielle CDU-Chef Friedrich Merz etwa habe ja mal für die Möglichkeit sorgen wollen, dass die Steuererklärung auf einen Bierdeckel passe. Das schaffe immerhin sein Wahlprogramm aus drei Buchstaben: "Ich". Die SPD halte hier ein "Wir" entgegen. Und wenn es "prozentemäßig mal etwas hinunter geht, dann halten wir das aus – es kommen wieder bessere Zeiten".

Nur besoffen zu ertragen

Auf die hofft auch "Frankonia" alias Anette Pappler. Denn "die Welt, in der wir zu leben wagen, ist nur noch mit besoffenem Kopf zu ertragen". Doch Tipps, wie sich diese zum Besseren wenden könnte, lieferte sie auch. Wenn Ministerpräsident Markus Söder sein Weltraumprojekt dazu nützen würde, die Autokraten unserer Tage ins All zu schießen, "dann hätte Dein Bavaria One einen Sinn".

„Frankonia“ Anette Pappler würzte ihre Rede wieder kräftig mit Lokalaroma.

„Frankonia“ Anette Pappler würzte ihre Rede wieder kräftig mit Lokalaroma. © Foto: Jürgen Leykamm

 Wie später nach Hause kommen? "Frankonia" empfahl dies hoch zu Ross zu tun: "Ist der Reiter sturzbesoffen, das Pferd ist davon nicht betroffen." Auch autonomes Fahren könnte eine Lösung sein. Doch dazu "brauchts das System 5G – und davon ist bei uns noch nichts zu sehn. Und in Auerna hast sowieso gar keinen Empfang". Ob sich das mal ändert? "Also mir wern das nimmer erleben, Gott sei Dank?! Prost!"

Aber die Dame hatte auch Lob dabei – etwa für den Einsatz der Genossen in Pleinfeld, dank dem nun der dortige Bahnhof barrierefrei ausgebaut werde. Und eine Lösung für den "Wasserstreit" hatte die Patronin der Franken ebenso im Gepäck: Warum nicht das Wasser von der Nagelberg-Quelle für Treuchtlingen nutzen, das Fernwasser könnte dann abgetreten werden – aus Lechtaler werde dann Altmühltaler. "Die holen das Wasser bei Dietfurt aus der Leitung raus und ziehen mit ihrem Laden aus der Innenstadt aus!"

Mit den Weißenburgern aber ging sie weiter ins Gericht: "Sie wollen für Dettenheim eine Schallschutzwand, die Story erinnert mich an Herrn Trump. Bei dem sollten die Mexikaner die Kosten übernehmen, der Schröppel will, dass wir Treuchtlinger löhnen!" Weiter ging es durch die Ortsteile: "Windischhausen bleibt das absolute schwarze Funknetzloch im Landkreis! Die kriegen erst einen eigenen Funkmast, wenn 50 Prozent SPD wählen!"

Die Blumenkübel in Treuchtlingen wiederum hätten ihr Ziel der Verlangsamung des Verkehrs gründlich verfehlt. Denn die Autofahrer "denken, sie sind auf einer Slalompiste – und beschleunigen ihre Kiste". Am Ende gab es das Loblied auf die fränkische Bratwurst, die zwar die beste sei, aber trotzdem überall anders zubereitet werde. Gerade diese Eigenbrödelei des Franken lege damit Zeugnis ab von seiner "multikulturellen Offenheit".

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