Stefan Reutner wird neuer Direktor der Senefelder-Schule

25.5.2021, 16:59 Uhr
Stefan Reutner ist stellvertretender Leiter des Werner-von-Siemens-Gymnasiums in Weißenburg. Der Pfarrer wechselt ab August nach Treuchtlingen an die Senefelder-Schule, wo er die Gesamtleitung übernimmt.

Stefan Reutner ist stellvertretender Leiter des Werner-von-Siemens-Gymnasiums in Weißenburg. Der Pfarrer wechselt ab August nach Treuchtlingen an die Senefelder-Schule, wo er die Gesamtleitung übernimmt. © Foto: Robert Renner

Er ist Pfarrer, Chorsänger, Notfallseelsorger, Feuerwehrmann und demnächst auch Schulleiter: Stefan Reutner. Ab 1. August wird er die Senefelder-Schule führen. Am Werner-von-Siemens-Gymnasiums wirkt der 53-Jährige seit 23 Jahren in verschiedenen Funktionen – als Religionslehrer, Schulseelsorger, Fachschaftsbetreuer, Beratungslehrer und in den vergangenen knapp vier Jahren eben auch als Stellvertreter von Direktor Wolfgang Vorliczky.

Ein "Exot"

Ab August wird Reutner nur ein paar Kilometer entfernt in der Nachbarstadt eine neue Wirkungsstätte haben und dann nicht nur die Nachfolge von Gabriele Gippner antreten, die in den Ruhestand geht, sondern auch "ein Exot in der bayerischen Schulleiterlandschaft" sein, wie er selber sagt.


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Denn die Senefelder-Schule ist die einzige kooperative Gesamtschule in ganz Bayern. Sie wird als Zusammenschluss einer Mittel- und einer Realschule sowie eines Gymnasiums unter einer Leitung mit gemeinsamem Lehrerkollegium geführt. Die gymnasiale Oberstufe ist – auch das ist eine Seltenheit – organisatorisch einem anderen Gymnasium zugeordnet, in diesem Fall dem Weißenburger Nachbarn.


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Die Senefelder-Schule ist mit rund 1300 Schülern die größte Schule in Weißenburg-Gunzenhausen und eine der größten in Mittelfranken. Ihr Sachaufwandsträger ist der Zweckverband (ZV) Senefelder-Schule Treuchtlingen, in dem der Landkreis sowie die Städte Treuchtlingen und Pappenheim und die Gemeinden Langenaltheim und Solnhofen Mitglied sind Der ZV hat mit Martin Klischat einen eigenen Geschäftsführer.

Ein freundlicher Empfang

Stefan Reutner wird nicht nur Chef des Gymnasiums, sondern er wird auch die Gesamtschulleitung innehaben. Durch die Kooperation in der Oberstufe, aber auch durch andere Kontakte ist er in der Senefelder-Schule schon nicht mehr ganz unbekannt. Die ersten Reaktionen aus Treuchtlingen seien sehr positiv. Reutner hat den Eindruck, dass er dort "freundlich und mit offenen Armen empfangen" wird.

Dabei steht keine leichte Aufgabe vor ihm, denn er ist künftig eben Chef dreier verschiedener Schularten, die nach seinem Verständnis, gleichsam "dazu beitragen sollen, dass junge Menschen ihren Weg finden". Das gelte es "ganz ernst zu nehmen". Reutner ist sich aber auch bewusst, dass "ein Schulleiter alleine gar nichts bewirken kann, wenn die Anderen nicht mitziehen." Daher will er "erst einmal hinschauen", die Strukturen kennenlernen, sich ein Bild machen und informieren, bevor er Ziele benennt.

Ein unerwarteter Werdegang

Dass er einmal Schulleiter werden wird, hatte Stefan Reutner so nicht geplant. Geboren ist er in Oettingen, aufgewachsen in Leerstetten, einem Gemeindeteil von Schwanstetten im Nachbarlandkreis Roth. Sein Vater war Sonderpädagoge in Schwabach, beide Großväter waren Pfarrer, eine gewisse familiäre Vorbelastung in Sachen Beruf kann man da wohl unterstellen.


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Nach seinem Studium war er zunächst Vikar und Pfarrer im Zenngrund und nahm dann zwei Jahre Elternzeit – Reutner hat mit seiner Frau Susanne drei erwachsene Kinder –, bevor er 1998 als Nachfolger von Dr. Klaus Glatz als Schulseelsorger ans Weißenburger Gymnasium wechselte.

Diese Schule hat er vor allem durch seine menschliche, einfühlsame Art geprägt. Angebote wie das "Offene Ohr" sind hier zu nennen, oder auch die Einführung einer Supervision für die erweiterte Schulleitung sowie viele gehaltvolle Schulgottesdienste. Berufsbegleitend absolvierte Reutner ein Beratungslehrerstudium. In dieser Funktion war er am Werner-von-Siemens-Gymnasium allerdings nur kurz tätig, weil er dann zum stellvertretenden Schulleiter berufen wurde.

Er suchte die Herausforderung

Und nun heißt es für ihn nochmal etwas Neues zu beginnen. Das wollte er auch ganz bewusst. "Ich habe Lust zu gestalten", sagt er denn auch. Es komme da vielleicht auch seine "Urpfarrergenetik" durch, denn evangelische Seelsorger wechseln ja eigentlich alle zehn Jahre ihren Wirkungsort.

Wichtig ist dem 53-Jährigen auf jeden Fall, allen anderen "wertschätzend zu begegnen." Jeder bringe – auch in die Schule – "seine ganze Lebensgeschichte mit". Und generell bedeutet Schule für ihn, Wissen zu vermitteln und nicht zuvörderst Notenvergabe. Diese Sichtweise ist nicht unumstritten, auch nicht im Kollegium des Werner-von-Siemens-Gymnasiums. Die Corona-Pandemie biete aber gerade die große Chance, dies zu lernen, sagt Reutner. Schule soll "ein Ort sein, an dem man Fehler machen darf." Und: "Schule ist nicht alles." Das gelte es bei allem Engagement nicht zu vergessen.

Gesang und Ehrenamt sind ihm wichtig

Er weiß das, nicht zuletzt wegen seiner Hobbys. Das Singen, unter anderem bei den Weißenburger Vocalisten, will er auch als Schulleiter trotz einer dann deutlich höheren Terminbelastung ebenso beibehalten wie sein Engagement als Feuerwehrmann und als Notfallseelsorger. Diese Aufgaben erfüllen ihn, auch wenn oder gerade weil sie ihn immer wieder in Extremsituationen bringen, beispielsweise beim Überbringen von Todesnachrichten. "Das erdet", unterstreicht Reutner. Andere Probleme, gerade auch in der Schule, würden da ganz klein.

Seine Stellvertreterstelle in Weißenburg ist ausgeschrieben. Wer es werden soll, ist noch nicht bekannt. Er gehe "mit Wehmut", das ist ihm in den vergangenen Tagen bewusst geworden, auch nach manchem Gespräch mit Kollegen.

Auch wenn er nochmal eine berufliche Veränderung gesucht hat, hat Stefan Reutner sich bewusst für eine Schule entschieden. "Ich will in einem Haus mit jungen Menschen unterwegs sein", beschreibt der Pfarrer, denn es sei erfüllend zu sehen, wie sich Kinder entwickeln. Und nirgends könne man sie als Lehrer so lange begleiten wie am Gymnasium, zumal jetzt wieder in dessen neunjähriger Variante.

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