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Studie zur Outdoor-Branche: Gemeinsames Sprachrohr fehlt

In manchen Bereichen sind die Umsatzrückgänge dramatisch - 25.05.2020 05:52 Uhr

Ob Mountainbiken in Treuchtlingen, Klettern in Pappenheim oder Surfen am Brombachsee (unser Foto): Die Outdoor-Branche ist auch in der Region stark vertreten. Doch obwohl mancher Sport auch in Corona-Zeiten nie ganz verboten war, macht die aktuelle Situation den Anbietern zu schaffen. © Archivfoto: Heimatrausch


Mit dem Kanu auf der Altmühl unterwegs, mit dem Stand-up-Paddle über den Brombachsee gleiten oder mit dem Mountainbike durch die hügelige Landschaft fahren: Die Outdoor-Branche in Deutschland hat in den vergangenen Jahren einen Boom erlebt. Auch die Anbieter von Ferienwohnungen in der Region können davon profitieren, da viele Gäste, die das Altmühltal und das Seenland besuchen, dort oft Aktivurlaub betreiben.

Doch die Anbieter von erlebnispädagogischen Aktivitäten, Abenteuerreisen und Outdoorsport, wie etwa Bikeparks, Hochseilgärten oder Kanu-Verleih, trifft die Coronakrise nun schwer. "Das liegt auch daran, dass eine Eingrenzung schwierig ist und die vielschichtige Branche kein gemeinsames Sprachrohr hat", sagt Professor Sven Groß, Hochschullehrer für das Management von Verkehrsträgern an der Hochschule Harz. Gemeinsam mit Professor Manuel Sand von der Treuchtlinger Hochschule für angewandtes Management hat er dazu eine erste Studie durchgeführt, wie es in einer Pressemitteilung der beiden Hochschulen heißt.

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An der Onlinebefragung, die zwischen dem 20. April und dem 6. Mai stattfand, beteiligten sich 168 Unternehmen aus 15 Bundesländern – lediglich aus Bremen gab es keine Rückmeldung. "Auch wenn die Ergebnisse aufgrund der Diversität der Branche und der kaum zu fassenden Grundgesamtheit nicht repräsentativ sind, zeigen sich deutliche Tendenzen", so der Harzer Hochschullehrer, der in Wernigerode (Sachsen-Anhalt) in den Tourismusstudiengängen lehrt.

Angestellte in Kurzarbeit

Rund die Hälfte (55 Prozent) der befragten Unternehmen hat bereits Mitarbeiter in Kurzarbeit geschickt, 28 Prozent mussten sich von Angestellten trennen, weitere Stellen sind in Gefahr. Über die Hälfte der Anbieter (57 Prozent) mussten ihre Angebote zeitweise (nahezu) komplett einstellen (Rückgang um 91 bis 100 Prozent), nur etwa drei Prozent haben keinen Rückgang zu verzeichnen, die restlichen Unternehmen laufen auf "Sparflamme". 72 Prozent der befragten Anbieter haben bereits Soforthilfe beantragt, weitere neun Prozent planen dies. Drei von vier Unternehmen haben – zum Zeitpunkt der Befragung – bereits Zahlungen erhalten (66 Prozent) oder in Aussicht (7 Prozent); jedoch gab knapp die Hälfte (47 Prozent) an, dass sie nicht glauben, dass die staatlichen Hilfen ausreichen werden.

Vor der Corona-Pandemie hatten fast alle Unternehmen die eigenen Perspektiven positiv eingeschätzt, derzeit ist knapp ein Drittel äußerst besorgt um das eigene Fortbestehen. Immerhin ist ebenfalls ein Drittel zuversichtlich, dass das Unternehmen die Krise überlebt. Innerhalb der Branche trifft es den Abenteuerreisebereich – aus Sicht der befragten Unternehmen – am härtesten. Das hängt auch damit zusammen, dass die Perspektiven unterschiedlich sind.

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Während die Outdoorsportanbieter mit einer baldigen Öffnung rechnen, ist die Zukunft für erlebnispädagogische Anbieter – die oft von Klassenfahrten der Schulen abhängig sind – und Reiseveranstalter ungewiss. Dennoch: "Knapp ein Drittel der befragten Unternehmen kann der Krise etwas Positives abgewinnen und sieht sie als Chance für das Unternehmen", sagt Professor Manuel Sand.

Der Outdoorsport-Experte zieht ein Fazit: "Unsere Untersuchung zeigt, dass die Branche nicht mehr lange durchhält, ohne ein gemeinsames Sprachrohr ist sie jedoch weniger im Fokus von Politik und Öffentlichkeit." Damit die Outdoorsportanbieter bald wieder öffnen können, wirkt der Treuchtlinger Professor derzeit bei der Entwicklung eines Hygienekonzeptes mit – in Zusammenarbeit mit dem Verband Oberallgäuer Outdoorunternehmen und weiterer Partner.

Für Sand ist Outdoorsport eine lohnenswerte Aktivität, gerade in Zeiten von Corona. "Speziell organisierte Outdoorsportangebote in der Natur, bei denen man sich unter professioneller Anleitung in einem geschützten Rahmen Herausforderungen und riskant wirkenden Situationen stellt, bringen viele positive Effekte mit sich, dazu zählen Entspannung, Stressreduktion, Stärkung des Selbstbewusstseins, ‚Flow-Zustände‘, psychisches Wohlbefinden und eine Verbesserung des Immunsystems", so der Treuchtlinger Professor.


Hier finden Sie täglich aktualisiert die Zahl der Corona-Infizierten in der Region. Die weltweiten Fallzahlen können Sie an dieser Stelle abrufen. Über aktuelle Entwicklungen in der Corona-Krise


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