Hahnenkammstraße

Süßer Nachwuchs! Treuchtlinger Störche sind beringt

12.7.2021, 06:00 Uhr
Die Aussicht der Störche: Dreimal hat das Paar Nachwuchs bekommen. Bald werden die Kleinen ausfliegen.

Die Aussicht der Störche: Dreimal hat das Paar Nachwuchs bekommen. Bald werden die Kleinen ausfliegen. © Milena Kühnlein

Die Anwohner der Hahnenkammstraße haben in den letzten Wochen keinen Wecker gebraucht. Das zumindest sagt ein Anwohner, der am Mittwochmorgen mit seinem Handy im Nieselregen steht: "Die haben ganz schön geklappert", lacht er. Gemeint ist das Storchenpaar, das sich in einer hohen, gekappten Blautanne gegenüber des Stadtkindergartens häuslich eingerichtet hat. Das Paar hat dreimal Nachwuchs bekommen. Nun war es an der Zeit, die Jungen aus Forschungszwecken zu beringen.

Ein normales Unterfangen, das an diesem Tag für viel Aufmerksamkeit sorgt. Mehrere Passanten bleiben stehen und die Kindergartenkinder drängen sich an den Zaun um das Feuerwehrauto zu sehen, wie es die riesige Leiter in Richtung Baumkrone ausfährt.


Herkunft und Fotos: Das sind die Störche in der Hahnenkammstraße


Darauf steht der ehrenamtliche LBV-Mitarbeiter Bernhard Langenegger. Er macht diesen Job schon seit vier Jahren und stattet jedes Jahr bis zu 20 Nester aus. Bevor er die Plastikringe an die Storchenbeine der drei Jungtiere klippen kann, stochert er vorsichtig mit einem Holzstock durch das Nest. "Hier sammelt sich immer Unrat an. Plastiktüten, die dafür sorgen, dass das Nest nicht mehr richtig trocknet", erklärt der gebürtige Alesheimer. Mit schlammig-modrigen Geruch zieht er eine große Tüte aus dem kreisrunden Nest.

Tiere stellen sich tot

Auch Plastikschnüre können von den Störchen aus Versehen in den Bau getragen werden, das sei eine echte Gefahr für den Nachwuchs, so Langenegger. Als er einen Vogel behutsam hochnimmt und ihn kurz in Richtung der Kindergartenkinder nach unten zeigt, jubeln die in den höchsten Tönen. "Da ist der Storch!", ist zu hören.

Den Jungtieren ist die ganze Aufregung um sie nicht so recht, sie stellen sich tot und ducken sich weg. "Wenn die Tiere etwas älter sind, wehren sie sich meistens ein wenig mehr und meckern", sagt Langenegger, während er die Plastikringe mit Gleitspray besprüht und sie vorsichtig um das dünne Bein eines der Tiere legt.

Diese hier seien etwa vier bis fünf Wochen alt. Klipp. Das Teil, auf dem zum Beispiel eine E-Mailadresse für mögliche Finder vermerkt ist, ist zu. In Deutschland werden werden die Ring-Beobachtungen von drei Beringungszentralen erfasst . Hier im Landkreis ist die Vogelwarte Radolfzell (Kürzel: DER) verantwortlich.

Nach dem der Kunststoffring befestigt ist, legt Langenegger den kleinen Stoch wieder behutsam ins Nest. Für die Tiere sei der Ring nicht störend, sagt er. Der Vogelliebhaber reiht die Jungtiere nebeneinander und schon kann die Feuerwehrleiter wieder eingefahren werden. Bald werden sich die Storcheltern wieder ans Nest trauen.

Auch bald, in etwa drei Wochen, werden die Tiere dann flügge. Dank der Ringe wird man verfolgen können, wie es ihnen geht, wo sich sich aufhalten und wo es sie hinzieht. Für Bernhard Langenegger ist die Storch-Saison jetzt aber erstmal vorbei, das Blautannen-Nest in der Hahnenkammstraße war wohl sein letzter Auftrag für 2021. Die Chancen stehen allerdings gut, dass es auch im nächsten Jahr wieder Treuchtlinger Störche gibt.

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