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Tempo 30 und mehr Bahn: Wie Treuchtlingen den Verkehr lenken will

Ein großes Thema bei der jüngsten Stadtratklausur war die Verkehrsplanung - 30.10.2020 06:04 Uhr

Gilt in der Hauptstraße entlang dem Wallmüllerplatz künftig Tempo 30? Im ersten Abschnitt der Bahnhofstraße, die hier abzweigt, müssen Autofahrer sogar auf Tempo 20 herunterbremsen – hier könnte die verkehrsberuhigte Zone weiter in Richtung Marienkirche verlängert werden.

29.10.2020 © Patrick Shaw


Sie zu lösen soll künftig Aufgabe einer Projektgruppe sein, der primär Verwaltung und Stadtratsfraktionen, "punktuell" aber auch Fachleute, Bürger und Betroffene angehören sollen. Das ist eines der Ergebnisse der Arbeitsgruppe "Verkehr", die im Rahmen der kürzlichen Stadtratsklausur in Heidenheim getagt hat. Insbesondere der Treuchtlinger Bahnhof soll in deren Überlegungen künftig eine noch zentralere Rolle spielen.

Dass die neunköpfige Gruppe nicht sofort tiefgreifende Konzepte erarbeiten konnten, war den Beteiligten zufolge "von vornherein klar". Es sei zunächst um "das Ausloten einer gemeinsamen Linie und von Schwerpunkten" gegangen, die im Mittelpunkt der künftigen städtischen Verkehrsplanungen liegen sollen.


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Das Thema "Ortsumgehung" wurde dabei vollständig ausgeklammert. Es soll erst zur Sprache kommen, wenn sich eine entsprechende Projektgruppe formiert hat – "und falls in diesem Rahmen und nach Erhebung von grundlegenden Zahlen und Fakten überhaupt eine Notwendigkeit festgestellt wird", heißt es in einer Pressemitteilung aus dem Rathaus. Hauptziel der Klausurtagung sei "der einvernehmliche Beschluss gewesen, das Thema Verkehr in einer Projektgruppe voranzubringen".

Treuchtlingen im AVV?

Generell befanden die Ratsmitglieder gleich zu Beginn, dass "dem Treuchtlinger Bahnhof nicht nur beim Thema Verkehr, sondern generell in der gesamten Stadtentwicklung künftig eine noch wichtigere, wenn nicht sogar zentrale Rolle zukommen wird". Das habe auch mit dem "Deutschlandtakt" zu tun, der den Treuchtlinger Bahnhof mit deutlich mehr ICE-Halten in Zukunft noch stärker zu einem "Bahnzentrum der Region" machen werde.

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So kam in der Arbeitsgruppe unter anderem zur Sprache, dass Anfahrbarkeit, Parkmöglichkeiten und die Sichtbarkeit des Bahnhofs verbessert werden müssten. Als konkreter erster "Meilenstein" will die Stadt deshalb nun prüfen, ob Treuchtlingen neben der Mitgliedschaft im Verkehrsverbund Nürnberg (VGN) zusätzlich auch in den Augsburger Verkehrs- und Tarifverbund (AVV) aufgenommen werden kann. Ebenso konkret soll demnächst die Ausschilderung des Bahnhofs überprüft und gegebenenfalls verbessert werden.


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Auch über den Verkehr in der Stadtmitte diskutierte die Arbeitsgruppe, wobei sie jedoch grundsätzliche Fragen der Verkehrsführung in die künftige Projektgruppe verwies. Als konkreten kleineren Schritt will die Stadt nun zunächst prüfen, ob der Bereich der Hauptstraße parallel zum Wallmüllerplatz sowie vielleicht auch die Oettinger Straße bis hinauf zum Krankenhaus als Tempo-30-Zone ausgewiesen werden kann.

Langsamer in der Stadtmitte?

Ziel der Idee ist den Ratsmitgliedern zufolge, "grundsätzlich eine Verkehrsberuhigung in der Innenstadt zu erreichen sowie Einmündungs- und Kreuzungsbereiche zu verbessern". Ebenso regte die Arbeitsgruppe an, die Tempo-20-Zone in der Bahnhofstraße zu erweitern. Eine Verlangsamung des Verkehrs in diesem Bereich hätten auch viele Bürger in der jüngsten Umfrage der Stadt zur Standort- und Tourismusentwicklung gefordert (ausführlicher Bericht über die Ergebnisse folgt).

Auf der Agenda der Projektgruppe wird zudem ein Radwegekonzept für die Gesamtstadt stehen. Eine Bürgerbefragung dazu läuft noch bis zum morgigen Samstag, 31. Oktober (im Internet unter der Adresse umfragen.treuchtlingen.de). Ebenso gaben die Ratsmitglieder der Projektgruppe die Aufgabe mit auf den Weg, sich in Abstimmung mit den jeweiligen Ortssprechern und Ortsausschüssen um die Verkehrsberuhigung in den Dörfern zu kümmern.

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Ein weiteres Thema der Klausur-Runde war ein Parkleitsystem. Dabei sei zu prüfen, ob dies in zwei Schritten eingeführt werden kann. Im ersten Schritt solle es um das grundsätzliche Konzept und die Ausweisung der Parkplätze gehen, im zweiten dann darum, den Service auch digital anzubieten. Zum Thema Öffentlicher Nahverkehr regten die Mandatsträger mittelfristig einen Elektro-Pendelverkehr an – was angesichts der aktuellen Gegebenheiten allerdings noch ein ganzes Stück hintan gestellt werden müsse.

Weitere Aspekte der Verkehrsplanung, die die künftigen Projektgruppe vorantreiben soll, sind zum Beispiel die komplette Neusortierung des Innenstadtverkehrs samt Verschiebung der Verkehrsachsen sowie das Thema "Shared Space" bei der künftigen innerörtlichen Straßenplanung. Letzteres meint, dass alle Verkehrsteilnehmer gleichberechtigt die Verkehrsfläche (Straße) nutzen sollen. Allein durch diese Gleichberechtigung könne eine Verkehrsberuhigung erreicht werden, so der Tenor.


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All dies ist der Arbeitsgruppe zufolge allerdings "zunächst eine Art Stoffsammlung", mit der sich künftig die Projektgruppe auseinandersetzen soll. Die nächsten Aufgaben sind jetzt, diese Gruppe zu formen und mit einer Auftaktveranstaltung in die Arbeit zu starten. Falls die Corona-Lage dies zulässt, soll der Startschuss noch in diesem Jahr fallen.

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