Tempo-30-Zonen in Treuchtlingen: Je mehr, desto besser?

15.5.2021, 06:01 Uhr
In der Hahnenkamm-, Rappenberg-, Grüntälein-, Patrich- und Gunzenhausener Straße gibt es seit kurzem eine Tempo-30-Zone. Im jüngsten UBV-Ausschuss wurde diskutiert, ob diese Zonen in Wohngebieten künftig ohne Beschluss erlaubt werden sollen.

In der Hahnenkamm-, Rappenberg-, Grüntälein-, Patrich- und Gunzenhausener Straße gibt es seit kurzem eine Tempo-30-Zone. Im jüngsten UBV-Ausschuss wurde diskutiert, ob diese Zonen in Wohngebieten künftig ohne Beschluss erlaubt werden sollen. © Foto: Bauhof Treuchtlingen

Langsames Fahren rettet Leben - Daran lässt sich nicht rütteln. Denn wie Bauamtsleiter Jürgen Herbst in seinem Vortrag im jüngsten Verkehrsausschuss illustrierte, ist der Bremsweg viel geringer. Wer bloß 30 fährt, kann im Notfall schneller abbremsen. Diese Gleichung kennen viele aus dem Fahrschulunterricht. Hinaus läuft alles auf wenige Meter Unterschied im Verlauf des Bremswegs eines Autos: Sie sind es, die Leben retten.

Sind Einzelbeschlüsse nötig?

Jürgen Herbst holte diese Grafik hervor, um sein Anliegen zu verdeutlichen. Er habe in den vergangenen Monaten immer wieder Anfragen zur Errichtung einer Zone 30 bekommen, erklärte er. Aktuell seien es zwei: Das Wohngebiet Mayrbreite in Wettelsheim und der Bereich rund um die Uhlbergstraße in der Treuchtlinger Kernstadt. Diese beiden Anträge nahm er zum Anlass und stellte vor dem Verkehrsausschuss die grundsätzliche Frage, ob ein Beschluss für jede Tempo-30-Zone überhaupt notwendig sei.


Für Kinder und Anwohner: Treuchtlingen setzt auf Tempo 30


Als Alternative nannte er, dass künftig lediglich die Ortsausschüsse angehört beziehungsweise die Anwohner befragt werden könnten. Wohlgemerkt, nicht überall: Sondern lediglich in homogenen Gebieten, deren Charakterisierung durch Aufenthalts- und Wohnfunktion geprägt ist und die in sich geschlossen sind, könnte die Stadtverwaltung dann eine Zone 30 einrichten – Ohne Beschlussfassung durch den Ausschuss, dieser würde dann lediglich informiert.

Befürworter und Gegner

Unter den Ausschussmitgliedern gab es zu diesem Vorschlag allerdings geteilte Meinungen und auch viel Gegenwind. Demnach sprachen sich manche recht euphorisch aus (Hubert Stanka, UFW, und Stefan Fischer, SPD), der Großteil aber bezweifelte die Zweckmäßigkeit eines Grundsatzbeschlusses – aus unterschiedlichen Gründen.

So forderten die CSU–Stadträte Stefan Biber und Uwe Linss eine unterschiedliche Handhabe für Stadt und Land. Es sei nichts einzuwenden, wenn, wie im Falle der Mayrbreite geschehen, der Ortsausschuss sich eindeutig für eine Zone 30 ausgesprochen habe. In der Kernstadt müsse man aber genau schauen, wie das Meinungsbild zu dem Tempolimit bei allen Anwohnern sei.


Tempo 30 und mehr Bahn: Wie Treuchtlingen den Verkehr lenken will


Es könne schließlich nicht sein, dass ein Anwohner ausreicht, der lautstark eine Zone 30 fordert, formulierte etwa Hans König (TBL). Uwe Linss stellte grundsätzlich die Zweckmäßigkeit einer Zone 30 in Frage und plädierte für ein Tempolimit, das nur an einzelnen Gefahrenstellen gilt.

Eine "falsche Sicherheit"?

SPD-Stadtrat Stefan Fischer hielt dem allerdings entgegen, dass Fußgänger, Kinder und Fahrradfahrer insbesondere in den Wohngebieten viel unterwegs seien und sich dort auch sehr sicher fühlen. Es sei demnach nicht richtig, das Tempo bloß an Gefahrenstellen zu begrenzen, argumentierte er.

Hans König warnte indessen vor "einem falschen Gefühl von Sicherheit", wenn man eine Zone 30 einrichtet. Und Klaus Fackler (UFW) äußerte die Sorge vor einem "Wildwuchs" an Anträgen, sobald kein Beschluss mehr nötig sei. Es sei ihm daher ein Anliegen, dass der Ausschuss auch künftig über Anträge entscheiden kann, somit einen Blick auf "das organische Wachstum" von Tempo-30-Zonen behält, Verantwortung übernimmt und die Durchsetzung von Tempo 30 überwachen kann.

Entscheidung fiel dagegen aus

Letztlich einigte sich das Gremium schon in der Debatte darauf, dass die Entscheidungsmacht über die Einrichtung von Tempo-30-Zonen auch künftig im Verkehrsausschuss, und nicht bei der Verwaltung liegen soll. Anträge werden also auch in der Zukunft wie gehabt im Verkehrsausschuss in Einzelbeschlüssen bewilligt oder abgewiesen.

Anschließend wurde über die Einrichtung der zwei vorliegenden Anträge beraten. Die Entscheidung zur Mayrbreite wurde zurückgestellt, weil keine exakte Gebietsdefinition vorlag. Rund um die Uhlbergstraße, und zwar in einem Gebiet, dass den Pfarrholzweg und die Straße "Am Holzgarten" mit einschließt, sprach sich der Ausschuss mit drei Gegenstimmen von Hans König, Stefan Biber und Uwe Linss für die Errichtung einer Zone 30 aus.

Keine Kommentare