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Tipps für den Sommer-Ausflug: Ins Tal der Biber bei Treuchtlingen

Rundtour zur grünen Oase mitten in einer fränkischen Steppenlandschaft - 21.08.2020 11:01 Uhr

Zwischen den Treuchtlinger Ortsteilen Windischhausen und Wettelsheim hat der Biber an der Rohrach Dämme errichtet und das Wasser aufgestaut. Das kleine Biotop ragt als grüne Oase aus der gelb-vertrockneten Landschaft heraus. Hier geht der Wanderweg „Ins Tal der Biber“ vorbei.

© Benjamin Huck


Ein Oscar-prämierter Dokumentar-Film von 1950 lautet "Im Tal der Biber". Der 32-Minüter aus dem Hause Disney (ja, die mit der Maus und der Ente) zeigt das Leben der Nagetiere in den Rocky Mountains. Ein Ort, der gerade noch weiter weg als sonst ist. Doch seit ein paar Jahren gibt es nord-westlich von Treuchtlingen eine Wanderung "Ins Tal der Biber", bei der Interessierte die heimische Natur kennenlernen können. Ein Spaziergang in fünf Stunden.

Erste Stunde: Los geht es am Treuchtlinger Bahnhof. Die Tourenmacher des Verkehrsverbunds Großraum Nürnberg schicken einen gleich durch die Bahnunterführung auf die Rückseite der Treuchtlinger Innenstadt. Der Weg dort hindurch lohnt sich allerdings, nicht nur um die sanierte Bahnhofstraße zu begutachten, sondern um sich mit Proviant einzudecken. Wer am Wochenende unterwegs ist, kann auf der 20 Kilometer langen Wanderung zwar an fünf Gasthäusern einkehren, muss aber knapp zwei Stunden eine Durststrecke hinlegen. Über die Uhlbergstraße geht es raus aus dem Ort in Richtung Heumöderntal. Nein, dabei handelt es sich noch nicht um das Tal der Biber. Nicht einmal ein Bach lässt sich noch erkennen, der dem Tal seinen Namen hätte geben können. Auf dem breiten Radweg starten viele Mountainbike-Freunde ihre Rundtour zu den dortigen Trails, die vor ein paar Jahren angelegt worden sind, damit sich Wanderer und Radler nicht in die Quere kommen. Den breiten, geschotterten Forstwegen müssen sie sich jedoch ein Stück lang teilen. Als es raus aus dem Wald zum ersten Mal bergauf geht, warten eine Bank und eine Liege und laden zum Verweilen ein.

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Wanderung: Ins Tal der Biber bei Treuchtlingen

"Ins Tal der Biber" lautet der Titel einer gut fünfstündigen Wanderung von Treuchtlingen über Windischhausen und Wettelsheim zurück nach Treuchtlingen.


 

Von Unterheumödern nach Istanbul

Zweite Stunde: Von Treuchtlingen aus kann man sich kaum verlaufen, wenn man einfach den zahlreichen Wandermarkierungen folgt. Denn die Tour ins Tal der Biber basiert zum größten Teil aus bestehenden und sogar namhaften Routen: dem Main-Donau-Weg und dem Europäischen Fernwanderweg E8. Wer also die knapp 7500 Kilometer von der westirischen Küste bis nach Istanbul zurücklegen möchte, kommt auch an den Dörfern Ober- und Unterheumödern vorbei. Von Äckern umgeben, gleicht der Weg hier einem Pfad durch eine Steppenlandschaft. Ab und zu kommen auch vollbepackte Wanderer vorbei, ansonsten herrscht Stille. Außer die Düsenjets der Bundeswehr des nahegelegenen Fliegerhorsts Neuburg (Luftlinie 35 Kilometer) drehen über einem ihre Runden, wie an diesem Dienstagnachmittag. Wir befinden uns übrigens auch auf dem Altmühltal-Panoramaweg. Aber weder Altmühl noch Panorama sind in Sicht.

Unterwegs auf prominenten Wegen: Zwischen Treuchtlingen und Windischhausen (im Hintergrund) geht es auf dem Main-Donau-Weg und dem Fernwanderweg E8 entlang, zwischen Windischhausen, Wettelsheim und Treuchtlingen ist die Wirtshausrunde (grüne 1 auf gelbem Grund) unser Begleiter.

© Foto: Benjamin Huck


Dritte Stunde: Jetzt wird es erstmals kritisch. Nachdem wir den Panoramaweg verlassen und uns durch das Dickicht geschlagen haben, müssen wir eine Staatsstraße überqueren. Von nun an geht es hauptsächlich bergab in Richtung Windischhausen. Nun gesellt sich auch noch der Frankenweg zu uns, aber nur für kurze Zeit. In Windischhausen verlassen wir die Premiumwanderwege und überqueren hinter der Kirche Sankt Zeno erstmals die Rohrach, die dem Tal der Biber ihren Namen gegeben hat. Von nun an geht es, hinter dem örtlichen Wirtshaus, auf der Wirtshausrunde weiter aus dem Ort hinaus und die Felder entlang. Die Rohrach rückt in weite Ferne und erst nach einem Bogen kommen wir ihr nahe, und sehen. . .

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Grüne Oase

Vierte Stunde: . . .Kühe! Nun gut, also Wiederkäuer statt Nagetiere. Aber nach der eingezäunten Weide sind wir dem Biotop ganz nahe, und es sticht deutlich aus der Landschaft hervor: Denn rund um die Dämme mit den abgestorbenen und abgenagten Bäumen ist alles gelb und knochentrocken. Das Biber-Biotop ragt wie eine grüne Oase aus der Landschaft heraus. Wir können uns ihm an einer Stelle nähern, betreten sollten wir das Gebiet allerdings nicht. Wer mehr über den Biber erfahren möchte, folgt dem Weg bis zu einer kleinen Brücke mit Infotafel und Sitzgelegenheit auf großen Steinquadern – der ersten Möglichkeit seit langem, sich auszuruhen. Zwischendurch erblickt man noch Gänse und Schafe, den Biber sehen wir nur auf Fotos. Von der Brücke geht es ein Stück zurück den Berg nach oben und nach rechts weiter auf der Wirtshaustour.

Nachdem sie vom Biber aufgestaut wurde, fließt die Rohrach durch Wettelsheim und dient dort als inoffizielles Freibad für Kinder.

© Foto: Benjamin Huck


Fünfte Stunde: An Feldern entlang erreichen wir nun Wettelsheim und stoßen wieder auf die Rohrach, die durch das ganze Dorf fließt und für die Kinder im Ort auch als kostenloses Freibad dient. Entweder stärken wir uns bei den Gasthöfen im Ort oder nehmen noch einen kurzen Anstieg zum Patrichberg in Kauf, um im Wettelsheimer Keller einzukehren. Wer einen Platz bekommt, hat nun wirklich einen Panoramablick ins Altmühltal und ins Dorf Graben, wo sich am dortigen Karlsgraben nun auch der Biber niedergelassen hat und fleißig an den Bäumen nagt. Von nun an verläuft der Weg neben der Straße stets bergab nach Treuchtlingen, wo es vor der Ampel durch den Tunnel wieder zum Bahnhof geht.

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Route und Alternativen

Die Rundtour "Ins Tal der Biber" ist etwa 20 Kilometer lang und kann mit Einkehr in fünf bis sechs Stunden bewältigt werden. Start- und Endpunkt ist der Bahnhof in Treuchtlingen. Eine Karte des Wanderwegs gibt es vom VGN sowohl gedruckt als auch online unter www.vgn.de/
wandern/tal_der_biber

Wer lieber kulinarisch auf seine Kosten kommen möchte, kann auch der "Treuchtlinger Wirtshaus Tour" folgen. Dieser Weg ist je nach Variante 14 bis 21 Kilometer lang und führt vom Wettelsheimer Keller nach Wettelsheim, wo es zwei Gasthäuser gibt, mit einem Abstecher nach Windischhausen mit Gasthaus und zurück über Bubenheim nach Graben, wo sich ebenfalls ein Gasthaus befindet. Vom Wettelsheimer Keller aus lässt sich auch der Bahnhof leicht erreichen. Die Tour ist mit einer grünen 1 auf gelbem Grund ausgezeichnet.

Durch Treuchtlingen führt der Altmühltal-Panoramaweg. Wer mit dem Zug anreist, kann dort starten und nach Pappenheim (acht Kilometer) oder weiter nach Solnhofen (weitere sieben Kilometer) wandern. In den beiden Orten gibt es jeweils einen Bahnhof zur Rückfahrt. Weitere Infos: www.tourismus-treuchtlingen.de/wanderwege/

BENJAMIN HUCK beh

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