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Treuchtlingen: 300 Mountainbiker zeigen Präsenz

Szene will "nicht mehr geduckt durch den Wald fahren" - 03.03.2020 15:22 Uhr

Selbstbewusst un d gesprächsbereit: Um die 300 Mountainbiker zeigten am Fuß des Skihangs im Heumöderntal bei Treuchtlingen Flagge für ihren Sport.

02.03.2020 © Foto: Jürgen Leykamm


Da beißt sich die Katze mal wieder in den Schwanz: Weil Mountainbiker negative Resonanz in der Öffentlichkeit fürchten, ziehen sie sich oft in entlegene Waldecken zurück – was die öffentliche Meinung wiederum noch mehr gegen die Sportler aufbringt. Doch die wollen beides nicht mehr, weshalb rund 300 von ihnen dem Aufruf folgten, im Heumöderntal bei Treuchtlingen "Gesicht zu zeigen". Eine beeindruckende Aktion.

Er sei "überwältigt davon, wie viele den Weg hierher gefunden haben", freute sich Initiator Robert Rieger am Fuß des Treuchtlinger Skihangs. Dort versammelten sich die Biker aus der Region zum großen Gruppenfoto, um zu zeigen, dass diese Sportgemeinschaft mittlerweile so groß und relevant ist, dass sie einfach nicht mehr in eine Nische passt. "Wir sind in der Mitte der Gesellschaft angekommen", so der Geschäftsführer der Ridetime GmbH und somit der Talstation Heumöderntal.

Das Anliegen des Erlebnispädagogen: Den Sport mit den dicken Reifen "künftig in eine Bahn zu lenken, mit der alle Wald- und Naturnutzer zufrieden sind", erklärt Rieger. "Dass der Interessenkonflikt beispielsweise mit den Jägern in der Vergangenheit vor allem durch Wildwuchs von Mountainbike-Strecken in den Wäldern Altmühlfrankens eher für Zündstoff gesorgt hat, ist kein Geheimnis", räumt er ein. Das zeige sich nicht zuletzt in der Leserbrief-Diskussion in unserer Zeitung.

Auf Augenhöhe diskutieren

Um dem entgegenzuwirken, braucht es laut Rieger "eine wertschätzende, fachliche und inhaltliche Auseinandersetzung mit allen Beteiligten – und zwar auf Augenhöhe". Dazu konkrete Förderung und Unterstützung durch Verbände und die öffentliche Hand. Vor Jahren hatten deshalb Biker über den RC Germania Weißenburg eine Leader-Förderung der EU beantragt. Das Ergebnis, eine Machbarkeitsstudie "Wegenetze für MTB", liegt nun vor.

"Jetzt stellen sich die Weichen. Nun kann jeder seinen Beitrag leisten, damit eine Infrastruktur fürs Mountainbiking geschaffen wird", so Rieger. Gefordert seien aber auch die Sportler selbst: zum Beispiel dafür Sorge zu tragen, dass eben keine "wilden Bauten" in den Wäldern entstehen, sowie Rücksicht auf Wald und Tiere zu nehmen. Alle Waldnutzer sollten öffentlich an einem Strang ziehen und selbst mit anpacken.

Die Mountainbiker nahm Rieger im Heumöderntal schon einmal in die Pflicht: "Wenn einer sich auch nur einen Samstag im Jahr engagiert, ist das für die Gemeinschaft ein unglaublicher Mehrwert." Bei Raumplanungen mitzureden, die Vereine zu unterstützen: Hebel für eine bessere Lobby gebe es viele – "obwohl ich das Wort eigentlich nicht mag", sagt Rieger. Nichtsdestotrotz brauche es etwas Nachdruck, um gesellschaftlich und politisch etwas zu bewegen. Es gehe darum, sich aus der Bittstellerrolle heraus zu bewegen und auf Augenhöhe zu diskutieren: "Nicht mehr geduckt durch den Wald fahren, sondern Gesicht zeigen!"

Ähnliche Interessen am Wald

Erfreut ist Rieger über ein Mountainbike-Projekt an der Weißenburger Mittelschule. Er hoffe, dass es bald auch eines an der Senefelder-Schule gebe. Dass die Interessen der Waldnutzer im Kern gar nicht weit auseinander liegen, machte Rieger mit einem Leitsatz deutlich, den Naturschützer gern zitieren: "Nur was jemand kennt, schützt er auch." Und eine große Infrastruktur für Mountainbiker fördere genau dieses Kennenlernen. Einen Weg zurück in die Nische gäbe es nicht: "Wir können uns nicht kasernieren lassen, wir sind Flächensportler."

Rieger zog auch Parallelen zu anderen Sportarten. So hätten sich vor fast 150 Jahren die Wanderer zusammengefunden und erfolgreich für ihre Interessen gekämpft – mit Wegen, Hütten und einem überaus positiven Ergebnis. An anderer Stelle seien aus improvisierten Bolzplätzen die heutigen Fußballarenen geworden – mit ihren ureigenen Regeln.

An solche müssen sich Rieger zufolge alle Waldnutzer und auch die Biker halten. Es sei ihm völlig klar, dass Jäger und Förster eine ganz andere Motivation und einen anderen Zugang zum Wald hätten und viele wichtige Aufgaben übernähmen. "Für uns dagegen ist das Bewegen im Wald in erster Linie eine Freizeitbeschäftigung, aber eine wichtige mit gesellschaftlichem Mehrwert." Denn viele Menschen bekämen so einen neuen, positiven Zugang zur Natur.

Das Anliegen der Biker soll nun in organisatorische Strukturen gegossen werden. Dafür gibt es laut Rieger bereits viel Unterstützung – unter anderem von den Vereinen RC Germania Weißenburg, TSV Gunzenhausen, Alpenverein Treuchtlingen, UFC Ellingen und Radsport Hügelland.

Jürgen Leykamm E-Mail

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