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Treuchtlingen: Ärger um den Mineralwasserverkehr

Stadt kann die Routen nicht vorschreiben – Online-Petition gestartet - 22.02.2019 06:04 Uhr

Ziemlich eng geht es bisweilen an der Ausfahrt der Firma Altmühltaler in der Treuchtlinger Hauptstraße zu. Nach rechts abbiegen und durch die Stadtmitte zum Lager an der Heusteige fahren dürfen zudem nur betriebseigene Lastwagen. © TK-Archiv/Patrick Shaw


Durch den Pendelverkehr zwischen dem Werksgelände in der Stadtmitte und dem Hochregallager am Ortsrand sind derzeit wohl tatsächlich mehr Laster der Firma Altmühltaler sowie ihrer Zulieferer und Kunden als bisher in der Altmühlstadt unterwegs. Das war absehbar und wird sich ins Gegenteil verkehren, sobald auch die Produktion an die Heusteige umgezogen ist. Glaubt man den von Kommunalpolitik, Planern und Mitarbeitern in letzter Zeit immer wieder teils gezielt, teils beiläufig gestreuten Informationen, wird das voraussichtlich noch zwei bis drei Jahre dauern.

Bis dahin sollten die zwischen Werk und Lager pendelnden Wassertransporter allerdings möglichst nicht direkt über Luitpoldstraße und Augsburger Straße zur Heusteige fahren, sondern den weniger beengten Umweg über die Schambachkreuzung und die B 2 via Dietfurt nehmen. Das zumindest hatte Bürgermeister Werner Baum im Stadtrat angekündigt. In entgegengesetzter Richtung ist dies sogar noch sinnvoller, da die Lastwagen die Werkseinfahrt in der Bürgermeister-Döbler-Allee wegen der verkehrsberuhigten Bahnhofstraße ohnehin nur aus Richtung Osten über den Kreisverkehr an der Therme erreichen können.

„Muss erst ein Unfall passieren?“

Die Realität sieht seither freilich oft anders aus: haarscharf an Häusern und Fußgängern durch die Stadtmitte rollende Sattelzüge, Rangiermanöver und Gehupe sowie ein gehöriger Anteil an Rechtsabbiegern aus der Altmühltaler-Ausfahrt in der Hauptstraße, wo ein Schild genau dies verbietet.

Susanne Deffner ist diese Situation leid. Deshalb hat sie vor drei Wochen eine (noch wenig beachtete) Online-Petition gestartet. „Treuchtlingen soll doch eine ruhige und nette Stadt werden, mit Urlaubern und neuem Wallmüllerplatz und beruhigter Zone“, sagt die Initiatorin. „Aber was bringt das, wenn Tag und Nacht die Lkws von Altmühltaler durch die Stadt schießen?“

Neben der Gefahr für Fußgänger auf Gehwegen und Plätzen sowie Wartende an Zebrastreifen und Bus­haltestellen weist Deffner in ihrer Petition auch auf den Fremdenverkehr hin. Es gebe Klagen von Biergarten-, Eisdielen- und Pensionsbesitzern, dass sich die Gäste gestört fühlten. „Kein guter Ruf, obwohl wir weiterhin Urlauber benötigen in unserem langsam aussterbenden Treuchtlingen“, bedauert die Aktivistin. Auch viele ältere Menschen mit Rollator hätten beim Überqueren der Straßen Angst vor den riesigen Lastwagen. „Muss erst ein Unfall passieren?“, so Deffner.

Stadt kann Weg nicht vorschreiben

Bürgermeister Werner Baum hält dem entgegen, dass es mit der Firma Altmühltaler nur eine Absprache, aber keinen bindenden Vertrag über die Fahrtroute der Wassertransporter gebe. Letzteres sei auch gar nicht möglich – die Stadt könne niemandem verbieten, eine Staatsstraße wie die Luitpoldstraße zu benutzen. Außerdem müsste Altmühltaler für jeden Lastwagen Maut bezahlen, der das kurze Stück der B 2 zwischen Schambach und Dietfurt befährt, gibt Baum zu bedenken. Dass die Bundesstraße mautpflichtig werden würde, sei bei den ursprünglichen Überlegungen zum Pendelverkehr noch nicht absehbar gewesen.

„Die Stadt setzt sich aber dafür ein, dass Altmühltaler so bald wie möglich komplett an die Heusteige umzieht“, verspricht der Rathauschef. Das verbotene Rechtsabbiegen der Lastwagen in der Hauptstraße werde sich indes vorerst nicht ändern lassen – außer die Stadt hebe das Verbot ganz auf.

Letzteres gilt nach Auskunft der Treuchtlinger Polizei allerdings ohnehin nur für wenige der Laster. „Vor dem Bau des Lagers an der Heusteige hatte Altmühltaler die Waldhauserhalle in Neufriedenheim gemietet“, erklärt Verkehrsexperte Hilmar Jung. „Für die betriebseigenen Lastwagen, die vom Werk dorthin pendelten, hat die Firma von der Stadt eine Ausnahmegenehmigung, damit sie nach rechts in Richtung Oettinger Straße und nicht bis zum Kreisel und wieder zurück fahren mussten.“ Diese Sondererlaubnis existiere bis heute.

Insofern wäre es für die Polizei laut Jung „zwecklos, sich dort hinzustellen, so lange die Stadt die Sondervereinbarung nicht zurückzieht oder eine verbindliche Betriebsvereinbarung mit Altmühltaler schließt“. Dies dürfte aktuell freilich keine Priorität haben – zu wichtig sind die Verhandlungen über den Umzug des gesamten Unternehmens an die Heusteige.

Patrick Shaw / Benjamin Huck E-Mail

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