Dienstag, 26.05.2020

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Treuchtlingen: Bei Bauprojekten droht Stillstand

Die Folgen der Corona-Pandemie machen sich im städtischen Haushalt bemerkbar - 15.04.2020 05:57 Uhr

Der Abriss des ehemaligen Pflegeheims am Gesundheitszentrum hat schon begonnen, manche andere städtische Bauvorhaben werden erst einmal aufgeschoben. © Foto: Patrick Shaw


Anfang des Monats hat das Landratsamt den Haushalt der Stadt Treuchtlingen für das Jahr 2020 genehmigt. Schon vor der Corona-Krise war der Etat den Prüfern zufolge "weiterhin sehr angespannt", es gelte, "jede Sparmöglichkeit zu prüfen". Die in Folge der Pandemie ausbleibenden Einkommen- und Gewerbesteuereinnahmen machen dies nun jedoch nahezu unmöglich. Das hat ebenfalls Auswirkungen auf etliche Bauprojekte.

Auch ohne die Corona-Folgen hätte die Altmühlstadt dieses Jahr im Kernhaushalt knapp 8,9 Millionen Euro an Schulden aufnehmen müssen, um alle geplanten Ausgaben zu finanzieren. Bei den Stadtwerken sind es weitere rund 6,3 Millionen Euro. Die nun durch den Stillstand des öffentlichen Lebens hinzukommenden Mindereinnahmen belaufen sich laut Kämmerer Dominik Wenzel je nach Dauer und Nachwirkungen des "Shutdowns" auf weitere ein bis zwei Millionen Euro.

"Wir sind in der fatalen Situation, dass wir Geld ausgeben müssten, um unsere Wirtschaft zu stützen, aber sparen müssen, weil schon jetzt kein Geld in der Kasse ist", fasst Bauamtschef Jürgen Herbst das Dilemma zusammen. Es ist das typische Muster: Je höher die Schulden, desto kleiner werden die Spielräume, noch selbst zu entscheiden und zu agieren.

Verzögerungen kosten Geld

Dennoch will Herbst "begonnene und dringende Bauprojekte weiterführen". Dazu zählt ihm zufolge insbesondere das neue Treuchtlinger Feuerwehrhaus – wenn auch wegen der ausgefallenen Stadtratssitzung im März und der dadurch verzögerten Auftragsvergabe mit aktuell etwa sechs Wochen Verspätung. "Das wird auch finanzielle Folgen haben", prognostiziert der Amtschef. Aktuell stehen für den Neubau 2,1 Millionen Euro im Etat, insgesamt soll er um die fünf Millionen kosten.

Ebenso unaufschiebbar sind laut Herbst die Erweiterung der Kindergärten in Wettelsheim (880 000 Euro), Gundelsheim (170 000 Euro) und am Burgstall (700 000 Euro), der Abbruch des ehemaligen Alten- und Pflegeheims (800 000 Euro) sowie die Erneuerung der Straße nach Haag (670 000 Euro). Im Juni soll zudem der Ausbau der Industriestraße beginnen (200 000 Euro) Bereits kurz vor der Fertigstellung stehen überdies die Erschließung der neuen Bauplätze in den Wohngebieten "Winkel-Süd" und "Weitstein".

"In der Zwickmühle" sieht der Bauamtsleiter die Stadt dagegen bei den Plänen für den Altmühltalradweg bei Graben (130 000 Euro): "Das müsste eigentlich nicht gleich sein, aber Ende des Jahres läuft der Finanzierungszeitraum aus." Dann gingen der Kommune Zuschüsse verloren. Wegen Corona verschoben wurde der Ausbau der Johann-Lindner-Straße – die Anliegerversammlung soll nun am 19. Mai stattfinden, Baustart wäre noch im selben Monat.

Offen ist indes, wie es mit dem Kanalbau in Auernheim weitergeht. Den Bau der Verbindungsleitung nach Windischhausen hat die Stadt Ende vergangener Woche an die Firma Grillenberger aus Degersheim vergeben, er soll im Mai beginnen und bis Jahresende abgeschlossen sein. Für die Arbeiten in Auernheim selbst samt Pumpwerk und Versorgungsleitungen lagen die Angebote allerdings in der Summe um mehr als 20 Prozent über der Kostenberechnung – bei einzelnen Preisen sogar beim Doppelten. Sie sollen deshalb nun erneut getrennt ausgeschrieben werden.

Coronabedingt unklar bleibt vorerst auch der Zeithorizont für den geplanten Mischwasserkanal östlich der Waldhauserhalle, die neue Bestuhlung der Stadthalle und den DSL-Ausbau. "Wir beginnen im Moment nichts Neues", erklärt Jürgen Herbst. Über alle noch nicht gestarteten und nicht wirklich dringlichen Bauprojekte werde der (dann vermutlich bereits neue) Stadtrat erst entscheiden, "wenn aus der Kämmerei klarere Zahlen vorliegen".

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