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Treuchtlingen: Haftstrafen für junge Autodiebe

Ansbacher Amtsgericht verurteilt Duo wegen schweren Bandendiebstahls - 22.05.2019 06:04 Uhr

Vom Gelände dieses Autohändlers hatten die Täter im vergangenen Sommer zwei Fahrzeuge gestohlen. Der Fall sorgte in Treuchtlingen für großes Aufsehen. © Patrick Shaw


Wie man es nun dreht und wendet: Die Geschichte bleibt lückenhaft. Am Montag wurden Denis M. und Oliver K. (alle Namen von der Redaktion geändert) vom Amtsgericht Ansbach wegen schweren Bandendiebstahls zu drei Jahren beziehungsweise zwei Jahren und vier Monaten Haft verurteilt.

Die jungen Männer hatten im Juli vergangenen Jahres für einiges Aufsehen in Treuchtlingen gesorgt, als sie der Firma "Grand Car" zwei Fahrzeuge im Wert von rund 42.000 Euro stahlen. In der Nacht vom 29. zum 30. Juli waren der damals 20-jährige M. und der 21-jährige K. durch ein gekipptes Fenster in einen Container auf dem Gelände des Autohändlers eingedrungen und hatten mehrere Fahrzeugbriefe und Schlüssel mitgehen lassen. Sie fuhren mit zwei BMW vom Hof und legten mit ihnen rund 350 Kilometer zurück, ehe sie im hessischen Limburg an der Lahn stoppten. Hier stellten sie die Fahrzeuge getrennt voneinander ab und beobachteten diese eine Zeit lang.

Zwar räumten beide Angeklagte die Vorwürfe soweit ein – doch an den Fahrzeugen hätten sie sich nicht bereichern wollen, hieß es. Vielmehr seien sie betrunken gewesen und hätten die dumme Idee gehabt, ein bisschen "rumzufahren". In Limburg hätten sie die Autos lediglich abgestellt, weil ihnen der Sprit ausgegangen sei und sie in Panik geraten seien. Man habe die in Autobahnnähe geparkten Fahrzeuge nicht später wegschaffen, sondern dort zurücklassen wollen.

Entlarvendes Handyvideo

Das Gericht sah das anders: Die Angeklagten hätten gehandelt, um sich an den Autos zu bereichern. Dass sie nicht nur die Schlüssel, sondern auch die Fahrzeugpapiere mitgenommen hatten, spreche eine deutliche Sprache, so die Auffassung des Gerichts.

Auch wenn der Ablauf der Tat im Großen und Ganzen geklärt werden konnte, ließen die Angeklagten während der Hauptverhandlung doch viele Details im Dunkeln. Ihre Aussagen zeichnen ein verworrenes Bild jener Wochen im Sommer, in die der Diebstahl fällt. Beide Beschuldigten kommen aus Estland, lernten sich aber bei der Arbeit auf einer Baustelle in Finnland kennen. Zwischen zwei Aufträgen hätten sie Urlaub machen wollen, heißt es, und seien mit dem Flugzeug nach Barcelona gereist. Von dort aus ging es mit Zug und Bus weiter über Frankreich nach Deutschland. Hier kaufte Denis M. ein Auto, mit dem das Duo seine Reise scheinbar willkürlich fortsetzte.

War das Ganze also einfach eine schlecht geplante Urlaubsodyssee? Sehenswürdigkeiten können die beiden keine benennen, auch auf den Handys finden sich keine entsprechenden Bilder – dafür aber ein Video, das zeigt, wie ein zweites Autohaus ausspioniert wird.

Und waren sie wirklich nur zu zweit, oder vielleicht doch zu dritt? Ja, ein Dritter war dabei, den habe man in irgendeiner deutschen Disco kennengelernt. Oder kannten die Angeklagten ihn möglicherweise doch schon aus Estland, wo sie bereits gemeinsam polizeilich in Erscheinung getreten waren? Ja, er war wohl doch von vornherein dabei.

Dritter Täter dabei?

Obwohl der dritte Mann, Max R., selbst kein Auto stahl, ist seine Rolle keine nebensächliche, denn für eine "Bande" müssen mindestens drei Täter beteiligt sein. Gegen R., der die beiden Beschuldigten nach ihrer Fahrt mit den gestohlenen Autos in Limburg abholte, wird in einem separaten Verfahren verhandelt.

"Scheibchenweise" hätten die Angeklagten die relevanten Informationen präsentiert, so drückt sich die vorsitzende Richterin aus. Vor allem zu Beginn der Verhandlung war wohl kaum etwas häufiger zu hören als "Ich weiß es nicht mehr" oder "Ich möchte das nicht beantworten".

Besonders Denis M., nach Einschätzung der Staatsanwaltschaft der Rädelsführer der Bande, machte es dem Gericht nicht leicht. So hatte sich vor einigen Monaten sogar seine Identität als falsch entpuppt. Auf Nachfrage gibt er zu, mit einem falschen Pass nach Deutschland eingereist zu sein, er wird per internationalem Haftbefehl gesucht. Darin sieht die Richterin eine "erhebliche kriminelle Energie". Mit einer Verurteilung nach Jugendstrafrecht konnte deshalb auch der jüngere der beiden Angeklagten nicht rechnen. 

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