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Treuchtlingen: Hochsaison für den Borkenkäfer

Insekt macht sich an Fichten zu schaffen - Nicht sofort zu erkennen - 24.08.2020 05:55 Uhr

FBG-Geschäftsführer Gernot Handke (links) und Holzhauer Vitus Schneider besehen sich die Fraßgänge in der Rinde von befallenen Fichten an.

21.08.2020 © Foto: Tina Ellinger


Bisher war es ruhig an der Borkenkäfer-Front im Landkreis, doch damit ist es nun vorbei: die Zahl der Anrufe bei der Forstbetriebsgemeinschaft (FBG) Franken-Süd schnellt explosionsartig in die Höhe, wie zweiter Geschäftsführer Gernot Handke berichtet. Jetzt, so sein Appell an alle Waldbesitzer, müsse schnell gehandelt werden.

Das bedeutet, dass jeder Waldbesitzer mit offenen Augen durch den Wald gehen und in den Fichtenbeständen nach den typischen Anzeichen eines Käferbefalls Ausschau halten sollte. Dazu gehören als weithin sichtbares Zeichen braune Kronen, genauso wie Bohrmehl und Harzfluss am Stamm, grüne Nadeln am Boden und abgehende Rinde. Dabei ist der Schädling nicht immer anzusehen, wie Handke meint: "Ein Baum ist auffällig, aber zehn Bäume können bereits infiziert sein." Deshalb seien tägliche Kontrollen wichtig.

"Sobald das Bohrmehl da ist, ist der Baum nicht mehr zu retten", erklärt der Förster. "Es gibt nur eine Maßnahme: sofort raus mit dem befallenen Baum", betont der Fachmann. Zwar war der vereinzelte Regen der vergangenen Tagen für den von Trockenheit geplagten Wald auch ein Segen, doch macht er die Auffindung von geschädigten Bäumen schwierig, da das Wasser das Bohrmehl der Käfer davonspült.

Nur mit Schutzausrüstung in den Wald

Handke macht aber gleichzeitig darauf aufmerksam, nicht alleine und nicht ohne Schutzausrüstung in den Wald zu gehen. "Das ist eine gefährliche Arbeit", gibt er zu bedenken. Wenn ein Waldbesitzer Unterstützung durch einen Lohnunternehmer benötigt, steht die FBG bei Vermittlung und Organisation zur Seite. Im ganzen Landkreis werden 1900 Hektar Wald von der FBG im Auftrag der Eigentümer gepflegt.

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Der Borkenkäfer bereitet den Treuchtlinger Waldbesitzern Sorgen

Der Borkenkäfer macht den Waldbesitzern rund um Treuchtlingen derzeit schwer zu schaffen. Durch das milde Frühjahr begann der Befall frühzeitig, es droht eine dritte Generation Käfer heranzuwachsen. Viele Fichten sind befallen, Forstbetriebe und Sägewerke kommen kaum noch hinterher.


Nach dem Fällen heißt es dann: sofort raus mit dem Baum – dazu zählen sämtliche Äste und Zweige, die bruttauglich, also stärker sind als ein Handgelenk – aus dem Wald. Mindestens 500 Meter sollte der Lagerplatz vom Waldrand entfernt sein. Viel Zeit bleibt in diesem Fall nicht, da sonst die nächste Generation der Schädlinge ausfliegt.

Holz außerhalb lagern

Die Hauptaufgabe der FBG liegt laut Handke im Verkauf des Holzes, und er versichert: "Wir können alles verkaufen." Und weil es bis dato sehr ruhig war, seien die Preise teilweise sogar leicht gestiegen. Die aktuellen Preise und weitere Informationen können Mitglieder direkt bei der FBG erfragen. Was nicht innerhalb einer Woche beim Sägewerk sein kann, wird auf eigens, in Zusammenarbeit mit den Kommunen, angelegten Großlagerplätzen gefahren – mit reichlich Abstand zum Wald. "Da sind wir im Landkreis gut aufgestellt, das sollte reichen", gibt sich der FBG-Geschäftsführer optimistisch.

Doch der Borkenkäfer ist nur ein Symptom dafür, dass es den Wäldern nicht gut geht: Die Bäume kämpfen gegen die seit Jahren zunehmende Trockenheit, die der Klimawandel unaufhaltsam mit sich bringt. Deshalb ist es auch alleine mit Schädlingsbekämpfung nicht getan, vielmehr ruft Handke die "Waldumbau-Offensive 2.0" aus. Damit sollte gleich im Herbst begonnen werden, zumal aktuell staatliche Fördermittel zur Verfügung stehen. Er rät den Waldbesitzern daher, sich – so lange die Fördertöpfe noch voll sind – mit dem Forstamt in Verbindung zu setzen und sich beraten zu lassen.

Finanzielle Entschädigung

Für Treuchtlingen ist Förster Markus Bernholt vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten zuständig. Für die Besitzer gibt es drei Möglichkeiten, damit die Schäden nicht so stark ins Gewicht fallen: Steuerermäßigung für geringe Einnahmen, mehr Geld für Schadholz, das weit aus dem Wald hinausgefahren wird sowie Fördergelder für die Wiederaufforstung.

Für viele Waldbesitzer wohl dennoch ein Kraftakt, doch Bernholt erinnert an den Ausspruch "Eigentum verpflichtet": Wer einen Wald sein eigen nennt, muss sich auch um ihn kümmern und gelegentlich Schadholz herausholen sowie die Fläche innerhalb von wenigen Jahren wieder aufforsten. Doch wenn die Generation 70 plus, die im Wald nicht mehr so mobil ist, ihr Eigentum an die Kinder und Enkel weitergibt, ist nicht für jeden die Bereitschaft da, Waldarbeit zu verrichten. Diese Menschen möchte die FBG abholen, etwa durch ihren Auftritt in den "sozialen Netzwerken".

Reicht das Personal?

Auch wenn genügend Geld da sein sollte, reicht dann das Personal aus, um die Maßnahmen umzusetzen? Die Gewerkschaft IG Bau forderte in einer Pressemitteilung unlängst mehr Forstpersonal von staatlicher Seite. "Zwar hatte die Staatsregierung 2017 angekündigt, bis zum Jahr 2030 insgesamt 200 neue Stellen in der bayerischen Forstverwaltung zu schaffen. Das kann aber nur ein erster Schritt sein. Zudem müssen die Einstellungen zügiger erfolgen", sagt die Bezirksvorsitzende der IG BAU Mittelfranken, Iris Santoro. Angesichts des Ausmaßes der Schäden sei langfristig noch mehr Personal nötig – und zwar in ganz Bayern.

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Nach Angaben des Bundeslandwirtschaftsministeriums dürften in Bayern 2018 bis 2020 insgesamt rund 26,5 Millionen Kubikmeter Schadholz anfallen. Extreme Wetterlagen und Schädlinge wie der Borkenkäfer werden demnach bis Jahresende eine Waldfläche von 16 100 Hektar vernichtet haben. "Das aber ist eine Mammutaufgabe, für die es viel mehr Personal im gesamten Forst braucht als bislang. Betriebe sollten deshalb auch mehr ausbilden und Azubis übernehmen", betont die Gewerkschafterin.

Gernot Handke von der FBG sieht dieses Problem noch nicht, seinen Angaben zufolge seien die Unternehmen gut aufgestellt und stehen mit Motorsäge und Holzvollernter (Harvester) bereit. Und trotz des zunehmenden Schadholzes sei in der Region die Vermarktung noch sichergestellt. Es könnte dann im Winter als Brennholz oder Hackschnitzel im heimischen Ofen landen.

TINA ELLINGER UND BENJAMIN HUCK E-Mail

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