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Treuchtlingen: In Zukunft halten mehr Züge am Bahnhof

Baustelle ab Juli zwischen Treuchtlingen und Donauwörth - 06.02.2020 05:56 Uhr

Der Treuchtlinger Bahnhof ist heute bereits ein Knotenpunkt für Reisende von Franken nach Schwaben und Oberbayern. Mit der Einführung des Deutschland-Takts bis 2030 könnte der Halt diese Funktion noch ausbauen. © Benjamin Huck


Wie geht es mit der Bahn im 151. Jahr ihres Bestehens in Treuchtlingen weiter? Bereits 2019 wurde fast vier Monate lang an der Strecke zwischen Treuchtlingen, Donauwörth und Augsburg gebaut. Dabei tauschten die Arbeiter Gleise aus und sanierten Stützmauern zwischen Otting-Weilheim und Mündling. Auch die Oberleitung sowie die Leit- und Sicherungstechnik entlang der Strecke erhielten eine Frischekur.

Im laufenden Jahr geht es bei den Bauarbeitern nochmals zur Sache: Voraussichtlich vom 10. Juli bis 9. November wird erneut zwischen Treuchtlingen und Donauwörth gewerkelt, die Strecke steht dann nur eingleisig zur Verfügung. Dabei kann es zu Reisezeitverlängerungen und vereinzelten Haltausfällen kommen, vor allem der Fernverkehr ist betroffen, wie die Bahn mitteilt.

Die Arbeiten an der Strecke dienen auch zur Ertüchtigung für die Zukunft. Denn bis 2030 will die Bahn schrittweise einen deutschlandweiten Taktverkehr einführen, von dem auch Treuchtlingen betroffen ist. In einem Gutachterentwurf wurden für das Verkehrsministerium bereits Netzgrafiken erstellt. Darin sind wichtige Knotenpunkte eingezeichnet und notiert, welche Linien dort künftig halten sollen.

In dieser Netzgrafik ist zu sehen, wann künftig welche Züge wo halten sollen. © Foto: Bundesverkehrsministerium


Der Plan aus bunten Linien, manchmal gestrichelt, aber auch durchgehend, dazu mit kleinen Zahlen, ist auf den ersten Blick schwierig zu lesen. Für Treuchtlingen bedeutet er im Fernverkehr Folgendes: Stündlich zur Minute 10 kommt ein ICE oder IC aus München über Augsburg an. Zur Minute 12 fährt er weiter nach Nürnberg. Die braune Linie geht dann weiter über Erfurt nach Berlin, die grüne Linie über Würzburg nach Frankfurt. Gestrichelt bedeutet, dass die Züge auf der Linie nur alle zwei Stunden fahren. Kombiniert ergibt das einen Stundentakt zwischen München, Treuchtlingen und Nürnberg. In der Gegenrichtung hat der Plan eine Ankunft der Fernzüge zur Minute 48 aus Nürnberg zu Folge, zur Minute 50 geht es weiter nach München.

Nun ist das Ganze nur ein Entwurf – bis wirklich ein Fahrplan steht, vergehen wohl noch einige Jahre. Dabei soll der Takt nicht auf einen Schlag im Jahr 2030 eingeführt werden, sondern Stück für Stück auf verschiedenen Verbindungen in Deutschland. Doch was wäre, wenn dieser Entwurf bestand hätte?

Der Hamburger Marcus Grahnert betreibt auf seiner Internetseite www.grahnert.de seit 2012 eine private Fahrplandatenbank der Bahn. Er sammelt die alten Fahrplandaten und bietet ein umfangreiches Archiv an, in dem zu sehen ist, wie früher die Fernzüge in Deutschland fuhren. Auf Basis der im Gutachterentwurf veröffentlichten Netzgrafiken hat Grahnert nun bereits ein Fahrplanmodell mit konkreten Abfahrtszeiten für 2030 entwickelt. Auch für Treuchtlingen liegt ein Musterfahrplan vor.

Mit dem Deutschland-Takt werden die Fahrzeiten komplett überarbeitet und so auch Anschlüsse sichergestellt. Bislang ist es etwa so, dass Reisende, die von Weißenburg über Treuchtlingen nach Gunzenhausen wollen, am Treuchtlinger Bahnhof zwischen 27 und 55 Minuten auf ihren Anschluss warten müssen. Nach Einführung des Deutschland-Takts haben sie fünf Minuten Umsteigezeit. Die Fahrtdauer zwischen den einzelnen Bahnhöfen wird sich allerdings kaum ändern. Von Treuchtlingen nach München dauert es mit dem ICE 70 Minuten (heute 75 Minuten), der Regionalzug von Treuchtlingen nach Nürnberg braucht 51 Minuten (heute 45 bis 52 Minuten).

An den Wochenenden und in den Abendstunden wird es wahrscheinlich – so wie heute schon – zu Einschränkungen kommen. Ebenfalls unklar ist die Zukunft des Regionalverkehrs nach München: Bislang ist eine Route über Ingolstadt und eine über Augsburg möglich. In den Planungen enden die Regionalbahnen bisher in Ingolstadt. Wer also zum Beispiel nach Pfaffenhofen möchte, muss dort umsteigen.

Betreiberwechsel ab Ende 2022

Ungeklärt ist auch, wie es nach dem Betreiberwechsel auf der Linie München–Augsburg–Treuchtlingen–Ansbach–Würzburg weitergehen soll. Dort übernimmt ab Dezember 2022 das Unternehmen Go Ahead den Betrieb. Die Firma ist zwar nicht für den Fahrplan zuständig, muss ihn aber erfüllen. Bislang sah das Betriebskonzept ab Ende 2022 vor, dass manche Regionalzüge durchgehend von München über Treuchtlingen nach Würzburg fahren. Das ist momentan nicht der Fall – und auch in den Plänen für den Deutschland-Takt nicht mehr vorgesehen.

Mehr Informationen zum Fahrplankonzept gibt es im Internet unter www.grahnert.de/fernbahn/datenbank/dtakt2030

Deutschland-Takt 2030 - Ein Entwurf

Wie könnte der Verkehr am Bahnknotenpunkt Treuchtlingen nach Einführung des Deutschland-Takts 2030 aussehen? Marcus Grahnert, Betreiber einer privaten Fahrplandatenbank, hat auf Grundlage des offiziellen Gutachterentwurfs einen unverbindlichen Musterfahrplan erstellt, den wir hier auszugsweise wiedergeben. Die Uhrzeiten entsprechen den Abfahrtszeiten der Züge in Treuchtlingen, genannt sind zudem Start- und Zielbahnhof der Verbindung.

5.32 Uhr: RE von Nürnberg nach Ingolstadt. 
5.32 Uhr: RE von Ingolstadt nach Nürnberg.
5.33 Uhr: RB über Ansbach und Würzburg nach Schlüchtern.
5.49 Uhr: RE von München über Augsburg nach Nürnberg.
5.50 Uhr: ICE von Nürnberg nach München.
6.12 Uhr: ICE von München über Frankfurt nach Wiesbaden.
6.12 Uhr: RE von Nürnberg über Augsburg nach München.
6.32 Uhr: RE von Nürnberg nach Ingolstadt.
6.32 Uhr: RE von Ingolstadt nach Nürnberg.
6.33 Uhr: RB über Ansbach und Würzburg nach Fulda.
6.49 Uhr: RE von München über Augsburg nach Nürnberg.
6.50 Uhr: ICE von Nürnberg nach München.
7.12 Uhr: ICE von München über Erfurt und Berlin nach Hamburg.

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