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Treuchtlingen: Liebe über Grenzen und 60 Jahre

Erika und Hans Hauser gingen zusammen durch dick und dünn und feierten nun ihre Diamanthochzeit - 24.08.2019 12:18 Uhr

Ein bewegtes Leben: Erika und Hans Hauser aus Treuchtlingen feierten am 22. August ihre Diamantene Hochzeit (60 Jahre). Es gratulierte ihnen Sabrina Baumgärtl von der Stadtverwaltung. © Benjamin Huck


"Meine Mutti war damals strikt dagegen, dass ich mit so einem Dahergelaufenen aus dem Westen zusammen bin", erinnert sich Erika Hauser über den Anfang ihrer Beziehung zu Ehemann Hans, mit dem sie nun seit 60 Jahren verheiratet ist. "Ich war damals ja erst 17 Jahre alt", so Erika. Doch das Liebesglück war stärker, und so landeten die beiden am Ende in Treuchtlingen – wobei auch die Weltpolitik ihren Einfluss hatte.

Hans und Erika Hauser kamen beide in der Nähe von Warschau auf die Welt, er 1938, sie drei Jahre später. Ein Jahr vor Ende des Zweiten Weltkriegs mussten sie ihre Heimat verlassen und fanden in der Umgebung des sächsischen Waldheim, zwischen den Städten Chemnitz, Dresden und Leipzig gelegen, ein neues Zuhause. Doch den jungen Hans zog es bald weg, er verließ die DDR und suchte im Ruhrgebiet sein Glück. "In den 1950er Jahren war das noch möglich", erinnert er sich.

Mutter war skeptisch

Ab und zu besuchte der junge Mann noch seine Eltern in Sachsen, wo diese mit anderen Heimatvertriebenen lebten – und lernte dabei auch seine künftige Ehefrau kennen. "Wir waren nur etwa vier Kilometer voneinander entfernt geboren, haben uns aber zuerst in Sachsen getroffen", erzählt Erika Hauser. Es war wohl Liebe auf den ersten Blick. Doch Erikas Mutter war skeptisch, wollte sie doch ihr einziges Kind nicht an einen Mann "verlieren", der nun im Westen zuhause war.

Hans ging wieder zurück ins Ruhrgebiet, die beiden führten aber eine Fernbeziehung und schickten sich etwa ein Jahr lang Briefe – das Internet gab es ja noch nicht. Um bei seiner Angebeteten zu sein, kehrte Hans schließlich nach Sachsen zurück, auch wenn Erikas Mutter immer noch gegen die Verbindung war.

"Irgendwann habe ich mich durchgesetzt", erinnert sich Erika und berichtet vom 22. August 1959, ihrem Hochzeitstag. Es war ein Samstag, am Morgen ging Erika wie gewohnt von 7 bis 10 Uhr zur Arbeit. Danach musste alles schnell gehen: "Wir haben uns umgezogen, den Blumenstrauß geholt und sind heimlich ins Rathaus gegangen, um zu heiraten."

Nicht ganz so heimlich

Ganz so heimlich war es dann doch nicht, denn am Montag sprachen sie Kollegen an, ob sie denn geheiratet habe. "Wenn du etwas gesagt hättest, hättest du den Tag frei haben können", sagten die Kollegen. Als Ausgleich nahm Erika den nächsten Samstag frei – was nicht ohne Folgen blieb.

Gemeinsam mit einer Tante fuhren die Frischvermählten nach Ostberlin. Die Stadt war damals zwar schon geteilt, allerdings nicht durch eine Mauer. Nach einigen Tagen gelang es ihnen, mit der S-Bahn in den Westteil zu fahren – die DDR sollten sie für die nächsten Jahre nicht mehr betreten. Mit dem Flugzeug ging es dann wieder ins Ruhrgebiet. Erikas Mutter wusste genau, wo ihre Tochter mit dem Schwiegersohn war, meldete sie aber bei der Polizei als vermisst. Der Beamte soll ihr entgegnet haben, dass sie gar nicht zu suchen brauche, schließlich habe sich die Tochter eh verdächtig für den Westen interessiert. "Ich konnte ja nur das mitnehmen, das ich dabei hatte, das war schon ein schwieriger Abschied", erinnert sich Erika.

Quartier im Grafensaal

Zwar verdiente Hans Hauser im Ruhrgebiet als Schlosser gut, das junge Paar wollte sich aber anderswo eine Zukunft aufbauen. Ein Onkel von Hans wohnte in Treuchtlingen und vermittelte ihm dort ein Zimmer – den Grafensaal des Stadtschlosses, wie die beiden erzählen. "36 Quadratmeter war das groß und ohne Möbel", erinnert sich Erika. Weiter ging es in die Hochgerichtstraße und in die Weißenburger Straße, bis sie ein Baugrundstück in der Johann-Lindner-Straße ergattern konnten, wo sie seit nun 50 Jahren wohnen.

Erika Hauser konnte schnell im Beruf Fuß fassen, sie arbeitete bei Triumph – bis zur Geburt des ersten von drei Kindern, die dem Ehepaar inzwischen vier Enkel und zwei Urenkel beschert haben. Hans fand zunächst bei der Firma Eckert und Ziegler eine Anstellung, später beim Unternehmen Löffler in Langenaltheim, wo er als Konstrukteur arbeitete, bis er 1996 in den Vorruhestand ging.

Das Familienglück schien perfekt, doch Erika packte immer wieder das Heimweh zur Mutter, die ja noch in der DDR wohnte. "Fünf Jahre, nachdem ich im Westen war, konnte ich wieder problemlos in den Osten reisen", blickt Erika zurück. So habe sie mit ihren Kindern jedes Jahr die Sommerferien und Weihnachten bei ihrer Mutter verbracht.

Familie am Ende vereint

Im Jahr 1979 war damit Schluss, denn die Mutter ging in Rente und durfte – zehn Jahre bevor die Mauer fiel – offiziell ausreisen. Für den sozialistischen Staat war das kein Problem, hatte er doch nun eine Rentnerin weniger zu versorgen. Erikas Mutter lebte bis zu ihrem Tod im Jahr 2017 ebenfalls in Treuchtlingen – und so waren am Ende vieler langer Reisen fünf Generationen in der Altmühlstadt vereint.

Hans und Erika Hauser sind mit ihren 81 und 78 Jahren noch bei guter Gesundheit und freuten sich über die Geschenke der Stadt und des Landkreises zur Diamantenen Hochzeit, die Stadtmitarbeiterin Sabrina Baumgärtl überreichte. Der Wunsch der beiden: Gesundheit und noch viele gemeinsame Jahre. Erika ist da ganz zuversichtlich: "Wir hatten einige in der Familie, die wurden weit über 90 Jahre alt." 

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