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Treuchtlingen: Mit Koks und Messer auf Diebeszug

Gericht verurteilt 41-Jährigen, der teure Sonnenbrillen geklaut sowie Stichwerkzeuge und Drogen bei sich hatte - 11.04.2019 12:18 Uhr

Der Mann war laut Anklage an einem frühen Abend Anfang Juli vergangenen Jahres zunächst in einem Treuchtlinger Optikgeschäft auf Diebestour gegangen. Dort ließ er der Staatsanwaltschaft zufolge in einer Plastiktüte vier Marken-Sonnenbrillen im Wert von insgesamt knapp 750 Euro "mitgehen". Die Lücken in den Auslagen füllte der Langfinger zum Schein mit anderen Brillen.

Wie die Polizei später ermitteln konnte, hatte der 41-Jährige während der Tat außerdem ein etwa vier Zentimeter langes Taschenmesser und eine neun Zentimeter lange Nagelschere griffbereit in seiner Hosen- oder Jackentasche stecken – vermutlich, um sie als improvisierte Stichwaffen einzusetzen. Nur zehn Minuten nach dem Diebeszug ging der Mann den Ordnungshütern im Zuge der Fahndung ins Netz. Dabei entdeckten die Beamten in seiner Handtasche auch noch knapp ein Gramm Kokain-Pulver mit einem Wirkstoffgehalt von rund zehn Prozent.

Vor Gericht räumte der Beschuldigte die Taten durchweg ein. Dies berücksichtigte Richter Christian Pottiez ebenso zu dessen Gunsten wie die Tatsache, dass die Stichwerkzeuge in der Tasche des Manns nur sehr klein und "wenig gefährlich" waren. Allein der Umstand, dass dieser das Messer und die Schere bei der Tat wissentlich bei sich hatte, führt jedoch nach Auskunft von Amtsgerichtsdirektorin Dr. Gudrun Lehnberger zu einer Einordnung des Delikts als "Diebstahl mit Waffen" und damit zu einem erhöhten Strafrahmen von bis zu zehn Jahren Haft.

Ebenso strafmildernd wertete das Gericht die eher geringe Menge an Kokain sowie den erheblichen "Suchtdruck", unter dem der 41-jährige Drogenabhängige bei der Tat stand. Dieser will sich nach eigenen Angaben nun therapieren lassen. Zu Ungunsten des Beschuldigten wirkten sich der erhebliche Wert der Diebesbeute, die Art des mitgeführten Rauschmittels (eine sogenannte "harte Droge") sowie etliche einschlägige Vorstrafen des Manns aus.

Gemäß einer Einigung mit Staatsanwaltschaft und Verteidigung verurteilte Richter Pottiez den Angeklagten letztlich zu einem Jahr und vier Monaten Gefängnis. Die Gesamtstrafe setzt sich aus Einzelstrafen von zehn Monaten für den Diebstahl und zwei Monaten für den Drogenbesitz sowie zwei Verurteilungen des Amtsgerichts Erlangen zu sieben und acht Monaten Haft aus dem Vorjahr zusammen. Eine Aussetzung der Strafe zur Bewährung kam für das Gericht nicht in Frage, da die Sozialprognose des Delinquenten bis zur angekündigten Entwöhnungstherapie eher ungünstig sei. Das Urteil ist bereits rechtskräftig.

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