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Treuchtlingen: Nachdenkliche Töne beim Landfrauentag

Bereitschaft zu Emotionen und zum Dialog – Klage über "ehrenrührige Anfeindungen" - 13.03.2019 06:05 Uhr

Der Landfrauenchor sorgte beim Landfrauentag in der Treuchtlinger Stadthalle in bewährter Weise für die musikalische Umrahmung und hatte auch ein paar anspruchsvolle neu einstudierte Lieder im Gepäck. © Jürgen Leykamm


Denn die Veranstaltung begann mit einem Gedenken an den kürzlich überraschend verstorbenen Kreisobmann des Verbands, Friedrich Rottenberger. „Wir wollen uns als seine Landfrauen von ihm verabschieden“, so Horrer. Sie würdigte das zwischenmenschliche Feingefühl, das den Verstorbenen ausgezeichnet habe. Für die Sache des Bauernstandes sei er immer eine aufrechte, faire Kämpfernatur gewesen. Wie es wohl in seinem Sinne gewesen wäre, soll laut der Kreisbäuerin auch ein Teil der eingesammelten Saalspende (bei der fast 1100 Euro in den Körbchen landeten) der Krebshilfe Nürnberg sowie der DKMS zugute kommen. Ebenso werde der ambulante Hospizdienst Altmühlfranken aus dem Spendentopf bedacht.

Das Gedenken an Rottenberger blieb nicht die einzige emotional schwierige Situation des Treffens. An dessen Ende etwa zeigte sich Horrers Stellvertreterin Inge Schuler spürbar bewegt, als sie ein Gedicht vorlas, das wohl auch den anderen Versammelten sehr nahe ging. In aufwühlenden, gereimten Zeilen stellte sie das weiter grassierende Höfesterben mitsamt den Existenznöten der moralisierenden Schar gegenüber, die die Bauern mit zahlreichen Schuldzuweisungen überhäufen. Was nicht selten in Gesetzen münde, die das Verschwinden kleinbäuerlicher Familien noch beschleunige. Um hier entgegen zu wirken, brauche es den Dialog. Dem Verbraucher müsse der Wert der hochwertigen Lebensmittelerzeugung vor Ort noch deutlicher gemacht werden.

Einen Koffer voller Wünsche ließen Kreisbäuerin Helga Horrer (links) und Stellvertreterin Inge Schuler die Grußwortredner packen. © Jürgen Leykamm


Ähnlich äußerte sich auch Horrer, die an ein Manifest eines Software-Unternehmens aus dem Jahr 2001 erinnerte. Dieses habe unter anderem richtig erkannt, dass „Interaktionen und Individuen mehr sind als Prozesse und Werkzeuge“. Am wichtigsten sei „der Austausch von Angesicht zu Angesicht“. Das könne auch wieder zu mehr Wertschätzung beitragen, nach denen sich der Bauernstand sehne. Ein zentrales Anliegen im „Koffer voller Wünsche“, der im Saal von den Grußwortrednern symbolisch gefüllt werden wollte. Die Kreisbäuerin selbst packte ein Paar Schühchen hinein – als Bild dafür, dass man „in Bodenhaftung aufeinander zugehen und in fes­tem Schritt die Heimat prägen sowie die eigene Meinung vertreten“ solle.

Denn der Gegenwind sei groß, wovon auch der Landtagsabgeordnete Manuel Westphal (CSU) ein Lied zu singen weiß. In jüngster Zeit hätten die Anfeindungen gegenüber dem Agrarwesen „einen ehrenrührigen Tonfall“ angenommen. Und dies obwohl der Berufsstand fachlich sehr gut aufgestellt sei, wie Treuchtlingens zweiter Bürgermeister Richard Zäh monierte. Der Berufsnachwuchs genieße „beste Ausbildung, da brauchen wir keine Belehrungen“. Und was die Dokumentationspflicht anbelangt, attestierte er gar eine gesellschaftliche Schieflage. Die Registrierung von Kälbern sei besser geregelt als jene von Flüchtlingen, so der Rathausvize unter Beifall im mit gut 300 Teilnehmerinnen gefüllten Saal. Ein Raunen regte sich dort, als er von den 15 Millionen Euro sprach, die die Verwirklichung des neuen Thermalbadskonzept benötige. Für Horrer und Schuler hatte er für dieses je eine Freikarte dabei.

Mehr Dankbarkeit nötig

Nachdenkliche Worte fand Zäh sich selbst betreffend. Er habe heute die „Herzensbrille“ auf. Der Blick durch sie lenke den Fokus auf den Wunsch, möglichst gesund das Leben mit der eigenen Familie zu genießen, „ohne die ich wohl nicht mehr hier wäre“. Auch die Dankbarkeitsbrille sei zu empfehlen. Denn „je mehr Zeit man sich für die Freude darüber nimmt, was man hat, desto weniger Zeit bleibt zum Jammern darüber, was man nicht hat.“

Großes Lob für die Landfrauen gab es von Landratstellvertreter Robert Westphal. Sie seien auf den Höfen oft „der Fels in der Brandung“ und verkörperten in den Gemeinden Werte, ohne die das Zusammenleben nicht funktionieren würde: Ein Mit- statt ein Gegeneinander, ein Hin- statt ein Wegsehen, ein Anpacken statt eines Zuschauens. Trotzdem bleibe die Lage nicht einfach, weswegen er sich wünsche, dass „der Mut die Damen nicht verlässt“.

Den rechten Umgang mit Zeit mahnte der Landtagsabgeordnete Wolfgang Hauber (FW) an. Es gelte sie richtig zu nutzen, da sie sich nicht zurückdrehen lasse. Ein Aufruf zu mehr Selbstbewusstsein erklang in ähnlichem Sinne von der Dietfurter Ortsbäuerin Regina Schwenk. Die Landfrauen sollten sich auch mal etwas gönnen und sich etwa für den Besuch einer Eisdiele bewusst Zeit nehmen – „ohne schlechtes Gewissen“.

Genau ein solches aber wollte man wohl den Bauern durch das Volksbegehren „Rettet die Bienen“ bescheren. Dieser Eindruck ließ sich zumindest beim Lesen des Textes gewinnen, der die Verantwortung für Artenvielfalt fast ausschließlich den Landwirten zuschiebt. Dass es auch anders geht, beweist eine Initiative der Evangelischen Landjugend (ELJ) namens „Einfach Bienen retten!“, vorgestellt von der Bezirksreferentin Regina Wenning und der Kreisvorsitzenden Maria Glungler. Das entsprechende Flugblatt klärt auf, wie Zeitgenossen jeden Alters mit 15 Minuten Engagements aktiv etwas gegen das Bienensterben tun können.

Jürgen Leykamm E-Mail

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