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Treuchtlingen: Neues Leben für alte Krankenhausmöbel

Der Verein "Hope" hat bereits zum vierten Mal einen Lastwagen in die Ukraine geschickt - 24.12.2019 05:57 Uhr

Die erste Fuhre von alten Einrichtungsgegenständen aus dem Treuchtlinger Stadtkrankenhaus landete in einem Versehrtenhospital in der Ukraine. Sie kam auch diesem jungen Mann zugute.

© Foto: Hope


"Wenn man diese schlimmen Zustände sieht. . ." Daniel Schmidt muss kurz inne halten. Denn auch den gestandenen 37-jährigen Geschäftsführer der Steinmetz-Werkstatt in Kaldorf im Landkreis Eichstätt drohen die Gefühle zu übermannen. Dann, wenn er von Besuchen in ukrainischen Kinderkrankenhäusern spricht. Dorthin gelangt in diesen Monaten die Einrichtung des einstigen Treuchtlinger Stadtkrankenhauses. Ein Projekt eines recht rührigen Vereins.

Dieser nennt sich "Hope – we help children e.V." und kümmert sich um die Kleinsten und Schwächsten in dem osteuropäischen Staat. Schmidt ist hier zweiter Vorsitzender. Sein Gemüt hellt sich auf, als er von den Anfängen der Organisation spricht, bei denen sich durchaus an so etwas wie Fügung denken lässt.

Ein Streik der Lufthansa führt 2014 dazu, dass beim Flug nach Rom zu einem Championsleague-Spiel der Bayern (ja, das legendäre 7:1) Fluggruppen neu zusammengestellt werden müssen. Erst dadurch lernt der sympathische Raitenbucher einen netten Herrn aus Wangen kennen: Wolfgang Ponto, heute Vereinsvorsitzender. Im Rahmen eines weiteren Auftritt der Münchner Kicker in der europäischen Klasse, diesmal im ukrainischen Lemberg (Lwiw), wird ein Treffen in einem ukrainischen Kinderkrankenhaus organisiert, mit Verantwortlichen des FCB, die eine Spende mitbringen. Bitter nötig, denn die Einrichtung dort "sah aus wie bei uns kurz nach dem zweiten Weltkrieg", erinnert sich Schmidt.

Das Erlebnis bleibt nicht ohne Folgen: Im Juni 2015 gründet sich Hope und der Vizevorsitzende beginnt eifrig die Werbetrommel zu rühren. Zum Beispiel beim Eine-Welt-Lauf in Titting vor zwei Jahren. Seine Reden dort finden bei einer bestimmten Dame besonderes Gehör: In der diesjährigen Adventszeit nun haben Marion und Daniel Schmidt geheiratet.

Segen für Osteuropa

Auch ein anderes Paar hat das Engagement für Hilfsbedürftige des gar nicht so fernen Landes zusammengeführt: Liliane und Joachim Streb, bei den beiden funkte es just an der Gründungsversammlung. Sie führt nun die Kasse beim Verein, er ist beim Landratsamt beschäftigt. Unter anderem über ihn ist die Hope-Hilfsaktion, mittels derer die Stadtkrankenhaus-Einrichtung in Osteuropa zu neuem Segen werden darf, zustande gekommen.

Kurz vor Weihnachten machte sich die jüngste Lieferung in die Ukraine auf. Zusammengestellt von Iryna Hellmuth, ihren Zwillingskindern Manuel und Natalie (die hier auf dem Schoß von Rudi Priborsky Platz nehmen) sowie Markus Miehling, Liliane Streb, Herbert Heindl und Marie Pfaller (von links).

© Foto: Jürgen Leykamm


Ins Rollen aber kommt alles über echt "himmlischen Beistand": Tetyana Balaschowa – der "Engel der Ukraine" genannt. Sie wird auf den Verein aufmerksam, als dieser versucht per Google-Übersetzer seine Botschaften ins Ukrainische zu übersetzen. Was hanebüchene Ergebnisse liefert. Die Uni-Professorin und Lehrerin an einer deutschen Schule in Lemberg übernimmt diesen Job. Doch nicht nur das: Sie stellt Kontakt zu den verschiedenen Krankenhäusern und den Behörden her. Als das Treuchtlinger Stadtkrankenhaus Anfang des Jahres aufgelöst wird, meldet sich Hope – und erhält den Zuschlag.

Mehrere Krankenhäuser bedacht

Dass die Einrichtung nun häppchenweise auf Reisen geht, ist auch Iryna Hellmuth zu verdanken – mittlerweile treibende Kraft des Projekts. Die gebürtige Ukrainerin, die übrigens auf der Krim beheimatet war, kam einst als Austauschstudentin in die Region und lernte hier ihren Mann kennen. Seit 2004 lebt sie in Treuchtlingen. Ihre Zwillingskinder erzählen im Kindergarten gerne davon, wenn gerade einmal wieder Betten verladen werden, die "für das Land der Mama" bestimmt sind. 136 von ihnen haben sich schon auf die Reise gemacht.

Der erste Lastwagen fährt zu einem Kriegsversehrten-Hospital, wie Daniel Schmidt Revue passieren lässt. Ein zweiter Lastwagen macht sich bald darauf auf nach Ternopil in eine Kinderklinik: Sie darf sich ebenso über Betten freuen, zugleich auch über Bettwäsche, Nachtkästchen und Arztkleidung. Ein dritter Transport führt an die rumänische Grenze, zu einem Kinderkrankenhaus in Kamjanetz-Podilskyi.

Neue Hoffnung dank der Hilfe

Zuvor hatten der Bürgermeister und ein Arzt von dort die Treuchtlinger Einrichtung besucht. "Sie waren den Tränen nah", erzählt Marion Schmidt. Denn das, was hier nicht mehr gebraucht wird, benötigt man dort umso dringender. Deswegen haben sich die beiden Herren "wie die kleinen Kinder gefreut!" Auch die Erzieherin selbst ist ergriffen, wenn sie an die Not der Buben und Mädchen in der Ukraine denkt und daran, dass sie nun auch aufgrund der Hilfe aus der Altmühlstadt neue Hoffnung schöpfen dürfen.

Kurz vor Weihnachten hat sich nun also ein vierter Lastwagen in die Ukraine aufgemacht. Diesmal ist ein Pflegeheim die Adresse – und ein mobiles Kinderhospiz in Lemberg. Das erste seiner Art in dem Land. Eröffnet werden konnte die Einrichtung dank des Engagements des Vereins Hope. Doch der hilft nicht nur in der allergrößten Not, sondern auch, wenn es darum geht, das Leben etwas angenehmer zu gestalten.

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So ist etwa eine Ladung Gartenstühle aus Treuchtlingen bereits in einem Ferienlager in den Karpaten gelandet, in dem sozial schwache Kinder wieder neuen Lebensmut tanken können. Das Engagement für sie und andere Hilfsbedürftige in der Ukraine zieht weite Kreise: In der Vorweihnachtszeit ziehen beispielsweise Raitenbucher Kinder von Haus zu Haus, singen Lieder und bitten um Spenden – der Erlös geht an den Verein. Dieser lässt sich etwa auch durch den Erwerb von Kalendern unterstützen, den ukrainische Kinder gemalt haben.

Direkte Spenden möglich

Wer direkt Geld spenden will, kann dies natürlich ebenso tun. Alle Spenden "kommen zu 100 Prozent an!" versichert Daniel Schmidt. Dafür garantiere auch ein engmaschiges Kontrollnetz. Die Arbeit des Vereins erfolge ausschließlich ehrenamtlich. Der Verwaltungsaufwand werde von den derzeit knapp 100 Mitglieder selbst gestemmt. So lässt sich neue Hoffnung schöpfen. Ganz im Sinne des Vereins, der das Wort – in der englischen Variante – in seinem Namen trägt. Oder wie sagt es Hellmuth selbst so schön: "Hope ist kein Ort, sondern ein Gefühl."

Das Spendenkonto des Vereins Hope wird bei der Kreissparkasse Ravensburg geführt, IBAN: DE24 6505 0110 0101 1285 51, BIC: SOLADES1RVB.

JÜRGEN LEYKAMM E-Mail

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