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Dienstag, 15.06.2021

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Treuchtlingen ohne Barrieren: Diese Ziele hat der Behindertenbeirat

Die erste Sitzung des Jahres fand am 7. Juni in der Stadthalle statt - 09.06.2021 06:01 Uhr

Am Montag, 7. Juni, wurden die Zuständigkeiten im Behindertenbeirat verteilt. Nun haben die Verantwortlichen acht Wochen Zeit, ihre Projekte voranzubringen – Bis sie sich in acht Wochen erneut verabreden, um gemeinsam Zwischenbilanz zu ziehen.

08.06.2021 © Foto: Lidia Piechulek


Zu zehnt, inklusive Bürgermeisterin Kristina Becker, tagte am Montagabend der Behindertenbeirat in der Treuchtlinger Stadthalle. Das Abendprogramm war üppig, wurde aber rasch und effizient abgearbeitet.

Mitglieder bringen Vorwissen mit

Dazu trug sicherlich auch bei, dass sich der Vorsitzende, Gerhard Schimm, zu einigen Themenfeldern bereits so seine Gedanken gemacht hatte, wen er aus dem Beirat für den geeignetsten Hauptverantwortlichen hält. Bei anderen fiel die Wahl dann auch wieder recht offensichtlich aus, weil jene Mitglieder in ihrem bisherigen Berufsleben bereits mit eben jenen Themen jahrelang konfrontiert worden sind.


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Ein Beispiel hierfür ist Rudolf Hermann, der krankheitsbedingt nicht in der ersten Sitzung des Jahres 2021 zugegen sein konnte. Eindeutig war dennoch seine Eignung, sich für Artikel 12 Absatz 3 des Aktionsplans einzusetzen – geht es darin doch um die behindertenspezifische Beratung bei Rentenanträgen und ähnlichen behördlichen Herausforderungen.

Jeder muss wählen können

Für den jahrelangen Bürgerhaus-Mitarbeiter, der eben solche Beratungen ohnehin längst angeboten hatte, ist dieses Metier "sein ureigenes Ding", wie Vorsitzender Schimm formulierte.

Ähnlich verhielt es sich bei Alfred Keil, der, wie er erzählte, viele Jahre lang Wahlleiter im Treuchtlinger Rathaus gewesen ist. Jedes Jahr aufs Neue zusehen zu müssen, wie "sich die Leute da hoch gequält haben, um wählen zu gehen", habe ihn nachhaltig geprägt und gepeinigt. Er wird sich nun gemeinsam mit Rudolf Hermann dafür einzusetzen, dass im gesamten Gemeindegebiet barrierefreies Wählen möglich ist.

Bauen und Freizeit

Für drei besonders große Themenbereiche gibt es indessen insgesamt drei zuständige Beiräte: Dabei handelt es sich zum einen um das barrierefreie und behindertengerechte Bauen im öffentlichen Raum, für das sich Thomas Latteier, Alfred Keil und Rudolf Hermann verantwortlich zeichnen.

Zum anderen ist da der Bereich "Erholung, Freizeit und Sport", ein echtes Mammutprojekt. Brigitte Neumeier, Melanie Stadelbauer und Pia Vogelsang werden und wollen sich dafür engagieren, in Gastronomie und Glaubenseinrichtungen, in Kino und Sporteinrichtungen Barrierefreiheit zu erwirken beziehungsweise ihr möglichstes dafür tun, diese zu erreichen. Allein die Kirchen in sämtlichen Ortsteilen anzuschreiben und hier eine Verbesserung zu erwirken, dürfte wohl einiges an Zeit in Anspruch nehmen.


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Die drei Beirätinnen werden außerdem gemeinsam Menschen mit Behinderung unterstützen, um ihnen die bestmögliche Teilhabe an Bildung zu ermöglichen.

Von den Netzwerken und der Expertise von Martin Britz (Geschäftsführer der Lebenshilfe Altmühlfranken) und Ralf Schmidt (Leiter der Talentschmiede Altmühltal, Werkstatt für Menschen mit Behinderung der Rummelsberger Diakonie in Treuchtlingen) soll wiederum der Bereich "Bewusstseinsbildung" profitieren. Konkret geht es darum, Projekte zu planen und durchzuführen, welche die Arbeit der hiesigen Behinderteneinrichtungen in die Öffentlichkeit rücken. Dabei sollen alle Einrichtungen aus Treuchtlingen an einen Tisch gebracht und gemeinsame Kampagnen entwickelt werden.


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Ebenfalls zuständig sind Britz und Schmidt für "unabhängige Lebensführung und Einbezug in die Gesellschaft". Das bedeutet, dass die beiden all diejenigen unterstützen und beraten werden, die aufgrund ihrer Behinderung Schwierigkeiten in ihrer aktuellen Wohnform haben.

Fachärzte vor Ort halten

Relativ eigenständig möchte sich Christoph Pfoser darum bemühen, die Bandbreite der in Treuchtlingen niedergelassenen Ärzte zu verbessern.

Der Fachanwalt für Sozial- und Mietrecht will hierzu mit der Kassenärztlichen Vereinigung Bayern (KVB) und der Ärztevereinigung Bayern (AVB) in Kontakt treten und sich über die Maßnahmen für eine mittel- und langfristige Versorgung mit Ärzten informieren. Vorsitzender Gerhard Schimm erklärte sich dazu bereit, die Schulung von städtischen Mitarbeitern und Arbeitnehmern in der Privatwirtschaft zu übernehmen. Diese sollen für die Themen Barrierefreiheit und Inklusion sensibilisiert werden.


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Als offizieller Schwerbehindertenvertreter der Stadt wurde hingegen Jens Meyer ausgewiesen, der krankheitsbedingt fehlte. SPD-Stadträtin Susanna Hartl wird ihm bei Bedarf unterstützend zur Seite stehen.

Melanie Stadelbauer wird wiederum zeitnah einen Service zur persönlichen Mobilität von Menschen mit Behinderung etablieren. Dabei geht es konkret um eine MobiCard, die von der Stadt bezahlt wurde und künftig für Schwerbehinderte und ihre Familienmitglieder kostenfrei zur Verfügung stehen soll.

Ein sorgloser Tag im Tiergarten

Letzte Details zu dieser Maßnahme stehen noch aus. Gerhard Schimm nannte aber als Beispiel den Fall eines schwerbehinderten Kindes, mit dem die Eltern und Geschwister an einem Tag einen Ausflug in den Nürnberger Tiergarten unternehmen wollen. "Finanziell ist das für sozialschwache Familien schlichtweg nicht leistbar", unterstrich der Vorsitzende unter großem Zuspruch der übrigen Mitglieder.

Aber auch für einen Arztbesuch oder Besuch im Bekleidungsgeschäft wäre diese Fahrkarte künftig ausleihbar. Über die konkrete Umsetzung und Ausgestaltung dieses MobiCard-Verleihsystems wird der Treuchtlinger Kurier zu einem späteren Zeitpunkt noch berichten.

Darüber hinaus einigte sich der Behindertenbeirat darauf, am 26. Juli erneut zusammenzutreten. Dann wollen die Beiräte über ihren jeweiligen Fortschritt und Probleme in ihrem Bereich berichten und eine erste Zwischenbilanz ziehen. Dies empfanden die Beiräte übereinstimmend als sehr wichtig – um sich auszutauschen und sich gegenseitig zu motivieren.

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