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Treuchtlingen: Polizei sucht Bewerber für Sicherheitswacht

Nach dem Stadtratsbeschluss im Herbst soll nun das Personal gefunden werden - 18.01.2020 06:02 Uhr

Die Uniform für die Treuchtlinger Sicherheitswacht liegt schon bereit, nun sucht die Polizei nach passenden Bewerbern.

© Patrick Shaw


Jahrelang hat der Stadtrat in Gunzenhausen darum gerungen, als erste Kommune in Altmühlfranken eine Sicherheitswacht einzuführen. In Treuchtlingen ging es deutlich schneller – gerade einmal vier Wochen dauerte es im vergangene Herbst von der ersten Vorstellung des Konzepts bis zur Zustimmung (mit 17:3 Stimmen) im Stadtrat. Nun startet die Polizei mit der Suche nach geeigneten Ehrenamtlichen.

Dass das nicht einfach werden wird, zeigen die Erfahrungen aus der Nachbarstadt. "Sechs Leute wären eine gute Anzahl", sagt dort Gunzenhausens Polizeichef Harald Eckert. Dem stehen allerdings die beträchtlichen Anforderungen an die Mitglieder der Sicherheitswacht entgegen: "Wir suchen immer noch", blickt Eckert nach einem halben Jahr zurück. "Und wir haben auch immer noch Bewerber. Aber die Messlatte liegt hoch, und so haben wir bisher lieber verzichtet." Gerade einmal zwei Freiwillige gehen deshalb in Gunzenhausen derzeit auf Streife.

Treuchtlingens Inspektionsleiter Dieter Meyer bewertet das jedoch positiv. "Wir müssen sorgfältig aussuchen, sonst ist das Thema ganz schnell verbrannt. Die meisten Städte haben ihr personelles Ziel in den letzten Jahren nicht erreicht. Aber lieber haben wir nur zwei Leute, die vernünftig arbeiten, als fünf oder zehn selbsternannte Hilfssheriffs."

Ausgewählt werden die Mitglieder der Sicherheitswacht von Meyer, seinem Stellvertreter Matthias Kögel und einem Mitarbeiter der Stadt. "Je besser das Personal am Anfang ist, desto eher wird die Sicherheitswacht von den Bürgern akzeptiert, und desto mehr Bewerber haben wir", meint auch Kögel. Fehlgriffe könnten passieren, "aber die sind dann ganz schnell wieder raus". Als besonders geeignet hätten sich in anderen Orten beispielsweise Mitglieder von Feuerwehr und Rettungsdienst erwiesen, die "engagiert, aber vernünftig sind und Erfahrung im Umgang mit den Bürgern haben". Ein Glücksgriff könnten vielleicht auch (Jugend-) Sozialarbeiter sein.

Treuchtlingens Polizeichef Dieter Meyer (rechts) und Stellvertreter Matthias Kögel mit den Uniformjacken der Sicherheitswacht. Es sind dieselben, die auch die Beamten tragen, nur Schriftzug und Emblem unterscheiden sich.

© Foto: Patrick Shaw


Bewerben kann sich jeder, der mindestens 18 und höchsten 62 Jahre alt ist (wobei die Polizei bei etwas älteren, aber sehr qualifizierten Interessenten laut Meyer durchaus "flexibel sein kann"), eine abgeschlossene Schul- oder Berufsausbildung hat und fließend deutsch spricht. Die deutsche Staatsbürgerschaft ist nicht erforderlich. Grundvoraussetzungen sind dagegen "Verantwortungsbereitschaft, Zuverlässigkeit und Zivilcourage". Gefragt sind Menschen möglichst unterschiedlichen Alters und gerade auch Frauen.

Entlastung für die Polizei

Los gehen soll es mit der Ausbildung der Sicherheitswacht im April oder Mai. 40 Stunden dauert die Schulung. Aber auch danach stehen die Freiwilligen in engem Kontakt zur Polizei. Auf der Inspektion haben sie einen Schrank mit ihrer Ausrüstung (Hemd und Jacke mit Schriftzug und Wappen, Dienstausweis, Funkgerät, Taschenlampe, Reizgas und Erste-Hilfe-Set), dort starten und beenden sie ihre Einsätze, dort berichten sie nach ihrer Schicht, was sie erlebt haben und wo sie eingreifen mussten.

Allzu häufig kommt das gar nicht vor. Die Kollegen in Gunzenhausen mussten in einem halben Jahr gerade einmal einen Platzverweis aussprechen und leisteten einem Betrunkenen Erste Hilfe. Trotzdem ist Dieter Meyer "der festen Überzeugung, dass die Sicherheitswacht uns hilft. Denn dass wir bei der Polizei zu wenig Personal haben, ist kein Geheimnis."

Die Zahl der Straftaten befindet sich zwar bundesweit auf einem Rekordtief, und die Treuchtlinger Beamten haben laut Meyer aktuell auch "so gut wie alle Fälle von Vandalismus aus dem vergangenen Jahr geklärt". Die Aufklärungsquote liege für 2019 bei beachtlichen 80 Prozent. Aber es gebe eben immer wieder kleine Ordnungswidrigkeiten und Konflikte, um die sich die Beamten nicht kümmern können. Und da komme die Sicherheitswacht ins Spiel.

"Wenn die uns sehen, gehen sie stiften. So kommt es erst gar nicht zu einer Straftat", beschreibt Ralf Eckert von der Sicherheitswacht in Gunzenhausen deren Effekt. Es gehe nicht um Strafverfolgung, sondern um Prävention durch das Zeigen öffentlicher (und uniformierter) Präsenz, zitiert Polizeichef Meyer das Konzept des Innenministeriums. Und "mit einem gewissen Auftreten" gelinge es den Ehrenamtlichen meist, selbst Gruppen von Jugendlichen in die Schranken zu weisen, die kaum Respekt vor Autorität haben. Zu Lasten der Polizeiinspektion gehe das nicht: "Es wird kein Personal reduziert, aber die Sicherheitswacht vermindert den Druck", so Meyer.

Rechtlich haben die Freiwilligen kaum mehr Befugnisse als jeder andere Bürger. Sie dürfen Straftäter bis zum Eintreffen der Polizei festhalten sowie in Notwehr und Nothilfe handeln. Darüber hinaus erlaubt ihnen ihr Ehrenamt, Personen zu befragen, ihre Identität festzustellen und an Polizei und Gemeinde weiterzugeben sowie Platzverweise zu erteilen.

Brennpunkte im Visier

Wo die Sicherheitswacht auf Streife geht, entscheidet die Polizei je nach Bedarf. "Brennpunkte" in Treuchtlingen sind nach Einschätzung von Meyer und Kögel zum Beispiel der Stadt- und der Kurpark, der Schlossgraben und (im Sommer) die Burg. Auch auf dem Volksfest könnten sich die Sicherheitswachtler gelegentlich blicken lassen. Die Polizei gibt eine Terminauswahl vor, die Freiwilligen teilen sich die Zeit dann selbst ein. Das Duo in Gunzenhausen kommt so nach eigenen Angaben auf etwa drei bis sechs Stunden Streifendienst pro Woche.

Finanziell lohnt sich das nicht – acht Euro pro Stunde gibt es als Aufwandsentschädigung. "Und auch der Erfolg ist schwer messbar", räumt Dieter Meyer ein. Es gehe ja um Vorbeugung, und wenn eine potenzielle Tat gar nicht erst passiert, taucht sie auch in keiner Statistik auf.

Außerdem sind die Sicherheitswachtler nicht verpflichtet, jede Ordnungswidrigkeit zu melden. Oft reichen der erhobene Zeigefinger, ein ernstes Gespräch oder nötigenfalls ein Platzverweis. Nur bei Straftaten ziehen die Ehrenamtlichen stets die Polizei hinzu. "Sie sehen hin, wo andere den Blick abwenden. Sie hören zu, wo andere nichts hören und wissen wollen. Sie handeln und leisten Hilfe, wo andere wegschauen", fasst das bayerische Innenministerium die Idee der Sicherheitswacht plakativ zusammen.

InfoWer Interesse am Dienst in der Treuchtlinger Sicherheitswacht hat, kann sich unter Telefon 09142/96 44 0 an die Polizei wenden. Broschüren liegen im Rathaus aus und werden in den Ortsteilen verteilt. Weitere Informationen gibt es unter www.polizei.bayern.de/wir/sicherheitswacht

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