Dienstag, 10.12.2019

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Treuchtlingen: Schwan musste nicht gerettet werden

Kurioser Vorfall um einen garantiert frostfreien Vogel - Kein seltener Reflex - 27.02.2019 12:43 Uhr

So täuschend echt wirkte der schwarze Kunststoff-Schwan auf dem Treuchtlinger Augraben-Weiher auf die Spaziergänger, dass sie zunächst die Polizei riefen, um das vermeintliche Federvieh aus dem Eis zu befreien. © privat


Ein seltener schwarzer Schwan! Und er ist im Eis eingefroren! Da müssen wir helfen! Das haben zwei Spaziergänger vor einigen Tagen gedacht, als sie am Augraben-Weiher am Ende der Kleingartensiedlung in der Kästleinsmühlenstraße unterwegs waren. Das arme Tier schien sich nicht zu rühren, aber noch zu leben.

Kurzerhand riefen die beiden Tierfreunde bei der Polizei an und schilderten die prekäre Lage des Vogels, vergewisserten sich gleichzeitig aber bei einem weiteren Passanten, ob er die Situation ähnlich einschätze. Zum Glück – denn wie sich herausstellte, ist der schwarze Schwan im Augraben-Weiher eine Kunststoff-Attrappe, deren Anwesenheit den Anliegern auch durchaus bekannt ist. Die Polizei wurde also entwarnt und der Spaziergang nach dem Schrecken beruhigt fortgesetzt.

Der Reflex, das Schlimmste anzunehmen, wenn sich Schwäne oder Enten auf zugefrorenen Seen und Tümpeln aufhalten, ist gar nicht so selten. „Viele Bürger fragen sich: Bekommen die Vögel kalte Füße? Frieren sie am Eis fest? Müssen sie gerettet werden?“, schreibt der Naturschutzbund Nabu im Internet. Tatsächlich hätten die Tiere kalte Füße – und gerade das schütze sie davor, festzufrieren.

Vögel haben körpereigenen "Frostschutz"

Denn Wasservögel habe einen besonderen Schutzmechanismus, das „Rete Tibio Tarsale“. Dieses Adernetz im Bein gibt fußwärts Wärme an das körperwärts fließende Blut ab, sodass die Füße zwar gut durchblutet, aber kalt sind. So geht kaum Wärme verloren, und auch das Eis schmilzt unter den Füßen nicht. Zudem sitzen viele Vögel absichtlich auf dem Eis, weil sie dort sicherer vor Raubtieren sind. Manche Enten schwimmen sogar im Wechsel gezielt an der Eiskante entlang, damit ihr Loch nicht weiter zufriert.

„Wir brauchen Wasservögel im Winter also keineswegs zu bedauern oder Angst zu haben, dass sie auf dem Eis festfrieren“, so der Nabu. Das binde am Ende nur unnötig Einsatzkräfte von Polizei, Feuerwehr oder Wasserwacht und bringe schlimmstenfalls die Helfer in Gefahr – ganz zu schweigen von Tierfreunden, die sich eigenmächtig aufs brüchige Eis begeben. Viel wichtiger sei es, die Tiere nicht aufzuscheuchen, damit sie nicht zusätzlich Energiereserven verbrauchen. „Spaziergänger sollten also sich und ihre Hunde zurückhalten.“

Was das künstliche Federvieh auf dem Treuchtlinger Augraben-Weiher freilich an dieser Stelle zu suchen hat und ob auch echte Schwäne auf die Täuschung hereinfallen, bleibt ungewiss...

Patrick Shaw Redaktion Treuchtlinger Kurier E-Mail

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