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Samstag, 20.04.2019

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Treuchtlingen: Schweinepest treibt die Jäger um

Jahresversammlung und Hegeschau der Jägervereinigung Weißenburg in Treuchtlingen - 11.04.2019 06:04 Uhr

Die Gehörne der erlegten Tiere und des Fallwildes bildeten auch bei der diesjährigen Hegeschau der Jägervereinigung Weißenburg in Treuchtlingen Anlass zu regem Austausch. © Jürgen Leykamm


Deutschland ist im Zangengriff der Schweinepest. So sieht es zumindest auf die europäische Landkarte aus. Denn nach Tschechien hat sich der Erreger nun auch in Belgien ausgebreitet. Dies was eines der großen Themen bei der Hegeschau der Jägervereinigung Weißenburg in der Treuchtlinger Stadthalle.

Mit verstärkter Wildschweinjagd will die Hegegemeinschaft vorbeugend eingreifen. Jagdrechtlich ergeben sich dazu neue Möglichkeiten. So ist seit Mitte März die Schonzeit für Schwarzwild aufgehoben, wie Bernd Oster von der Unteren Jagdbehörde erklärte. Lediglich "führende Bachen" dürften weiterhin nicht bejagt werden. Bei Nichtbeachtung drohen dem Referenten zufolge Geld- oder sogar Freiheitsstrafen.

Bei der Jagd auf die Schwarzkittel gibt es nun auch Ausnahmegenehmigungen für den Einsatz von Nachtzielgeräten. In Altmühlfranken kommen diese bereits in 13 Revieren zum Einsatz, was auch die Art der Jagd verändert. Des Weiteren seien bezüglich der Wildschweine revierübergreifende Drückjagden zu empfehlen, riet Bernd Oster. All dies soll die Schäden minimieren, die die Tiere auf landwirtschaftlichen Flächen verursachen – und vor allem die Gefahr der Schweinepest eindämmen.

"Wurstsemmel" verbreitet Seuche

Die hat es nämlich in sich, wie Miriam Wittke-Stockhausen, neue Chefveterinärin im Landkreis, betonte. Auch der Mensch könne zum Beispiel durch achtloses Wegwerfen von Speiseresten zum Überträger werden, wenn etwa die vielzitierte "verkeimte Wurstsemmel" mit ihm durch halb Europa reise, um dann in einem Waldstück zu landen. Auf diese Weise könne man nie wissen, wo der hartnäckige Erreger und die von ihm verursachte, tödliche und nicht durch Impfung zu bekämpfende Krankheit als nächstes zuschlägt.

"Die Schweinepest ist eine ständige Bedrohung, aber auch kein Grund zur Panik", so Wittke-Stockhausen. Der Landkreis sei für den Fall eines Ausbruchs gerüstet. "Und auch die Jäger stehen bereit", ergänzte Jürgen Schweininger, Vorsitzender der Jägervereinigung Weißenburg. Den Wildschweinbestand habe man bereits deutlich ausgedünnt, bekräftigte auch Kreisjagdberater Oswald Bayer aus Treuchtlingen.

Im Einzugsgebiet der Jägervereinigung wurden in der Saison 2017/18 über 770 Wildschweine erlegt – eine Steigerung um 45 Prozent. Allerdings sei man bei der Bejagung auch auf die Hilfe der Jagdgenossen angewiesen. Dem Anlegen von Schussschneisen und dem Abbau nicht mehr benötigter Zäune kämen hier große Bedeutung zu. Die Bauern seien jedenfalls "für jedes erlegte Wildschwein dankbar", so Treuchtlingens zweiter Bürgermeister Richard Zäh.

Wildgans-Population reduziert

Auch die Population der Wildgänse wurde laut Kreisjagdberater Bayer in jüngerer Vergangenheit stark reduziert. Die durch die Vögel verursachten Probleme wie landwirtschaftliche Schäden und verunreinigte Strände könnten allerdings nicht allein mit der Jagd gelöst werden.

Bei der Abschussplanung für die Rehe ist die Jägervereinigung genau im Soll: Nach zwei von drei Planjahren seien auch zwei Drittel der geforderten Tiere erlegt. Derzeit werden wegen eines neuen Verbissgutachtens neue Empfehlungen für den Abschuss erarbeitet. In fünf Hegegemeinschaften müsse er erhöht werden, nur in zweien sei er tragbar, wie Schweininger erläuterte. Derzeit stünden aber auch die Bewertungsrichtlinien zur Disposition – insbesondere für waldarme Regionen.

Viele Falschmeldungen über den Wolf

Die Zahl der zur Strecke gebrachten Füchse ist im Bereich der Weißenburger Jägervereinigung mit über 1600 doppelt so hoch wie die Hasenstrecke. Aber auch andere Tiere, die in der Regel nicht im Visier stehen, bereiten den Jägern Sorgen. So gebe es etwa in Bezug auf den Wolf viele "Falschmeldungen", wie Schweininger bedauert. Auf diese Weise entstünden einerseits "Panikmache", andererseits Untertreibungen.

Der Vorsitzende setzt seine Hoffnung in das bayerische Wolfsmanagement. Der entsprechende Aktionsplan werde aber "nicht ganz einfach zu handhaben sein", relativierte der Landtagsabgeordnete Manuel Westphal (CSU). Denn der Schutzstatus des Tiers sei in der EU immer noch sehr hoch. 

Jürgen Leykamm E-Mail

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